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Vor Lesung in Doberlug-Kirchhain
Schauspieler Jörg Schüttauf im RUNDSCHAU-Interview

Jörg Schüttauf (l.) und Holger Umbreit lesen am 7. April in Doberlug-Kirchhain.
Jörg Schüttauf (l.) und Holger Umbreit lesen am 7. April in Doberlug-Kirchhain. FOTO: Naumann concept
Doberlug-Kirchhain. Der vierfache Grimme-Preisträger Jörg Schüttauf ist am Samstag zu Gast beim Förderverein Schloss Doberlug. Mit seinem Schauspielerkollegen Holger Umbreit gestaltet er eine szenische Lesung zum schwedischen Erfolgsroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (Jonas Jonasson). Die RUNDSCHAU hat mit Jörg Schüttauf gesprochen. Heike Lehmann

Herr Schüttauf, Sie sind ein vielbeschäftigter Schauspieler und vor allem durch Ihre Fernsehrollen einem breiten Publikum bekannt. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für Lesungen wie die in Doberlug-Kirchhain am 7. April?

In der Vergangenheit kamen wir durchschnittlich auf zehn Lesungen pro Jahr.

Warum lesen Sie aus „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“? Wer hatte die Idee dazu?

„Der Hundertjährige“ ist einfach ein lustiger und spannender Roman. Die Idee zur Lesung hatte Holger, ich habe dann diesen Roman vorgeschlagen.

Sie lesen gemeinsam mit Holger Umbreit – woher und wie lange kennen Sie sich?

Wir haben uns vor über 15 Jahren bei den Dreharbeiten zu einem Film kennengelernt. Mittlerweile sind wir Freunde.

Muss man für eine szenische Lesung auch proben?

Aber natürlich! Zuerst muss eine Fassung geschrieben werden. Wir lesen ja nicht den ganzen Roman. Und dann erarbeitet man die Figuren, Szenen usw.

Haben Sie eine Lieblingsstelle im Roman?

Ich fand die Gegenwartsszenen mit dem geklauten Koffer und der Flucht vor Polizei und Banditengang insgesamt spannender als die Rückblicke in Allan Karlssons Leben.

Haben Sie sich um die Rolle des Allan gestritten?

Überhaupt nicht. Holger findet, dass er für den Hundertjährigen einfach noch zu jung ist.

Wie erarbeiten Sie sich eine neue Rolle? Können Sie Texte schnell lernen?

Texte lernen ist in der Tat die zeitaufwendigste  Arbeit, aber umso schöner ist es, wenn man ihn dann kann. Und zwar im Schlaf. Wie die Rolle wird, die Figur redet und schaut, das ergibt sich beim Film bei mir vor Ort und hängt unter anderem auch von den Partnern ab.

Vier Grimme-Preise, deutscher Fernsehpreis als bester Schauspieler, Bayerischer Filmpreis als bester Darsteller – was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen, welche ist Ihnen am wichtigsten?

Der erste Grimmepreis war für den Film „Viel Spass mit meiner Frau“, eine Komödie, die in Dresden spielt. Ich durfte leicht sächseln, und dieser Preis hat uns alle überrascht. Nicht etwa, weil der Film ihn nicht verdient hätte. Aber Jurys in Deutschland tun sich in der Regel mit Komödienstoffen und lustigen Formaten schwer. Dass das hier anders war, hat mich sehr gefreut.

Auf wessen Kritik möchten Sie nicht verzichten?

Auf meine Selbstkritik. Ich weiß am besten, was ich von mir zu halten habe, kann mich aber auch gelegentlich täuschen. Manchmal war ich gar nicht so schlecht, wie ich mich selber fand.

Ihre jüngste Persiflage auf Erich Honecker im Kinofilm „Vorwärts immer“ brachte Ihnen den Bayrischen Filmpreis. Der Film aber hat nicht nur Lob bekommen. Wie sehen Sie diese Arbeit rückblickend?

Ich liebe diesen Film und werde ihn immer lieben. Es ist das lustigste Buch, was ich je spielen durfte. Und für mich stimmt in diesem Film alles. Aber auch wirklich alles. Das komplett anders zu sehen ist  jedermanns gutes Recht. Ich hatte Spaß, auch übrigens 28 Jahre in der DDR mit Erich Honnecker.

Sie hatten schnell nach der Wende Erfolg in Ost und West – warum?

Ich hatte Zeit und Glück. (Und sah sehr gut aus.)

Woran arbeiten Sie aktuell?

Zwei Theaterstücke laufen mit mir aktuell. „Paul Abraham“, ein ziemlich durchgeknallter, kranker und genialer Komponist in den 20er-Jahren in Berlin, und mit Tom Pauls in Dresden ein kongeniales Stück mit dem Titel „Lothar und der Große Geist“.

Wo können wir Sie demnächst sehen?

Schüttauf In zwei Filmen – beide im Mai. Der eine ist sehr ernst – ich bin der Vater eines deutschen IS-Kämpfers. Der zweite wird hoffentlich lustig, als Polizist auf der Flucht vor rachsüchtigen Bankräubern. Die Titel „Macht euch keine Sorgen“ und „13 Uhr Mittags“. Reinschauen lohnt sich!

Die Lesung findet am Samstag, 7. April, um 19 Uhr im Refektorium am Schloss Doberlug. Kartenreservierung für 18 Euro (Abendkasse 20 Euro) per Mail an foerderverein@schloss-doberlug.de

Mit Jörg Schüttauf
sprach Heike Lehmann