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| 13:23 Uhr

Jazzwerkstatt Peitz Nr. 55
Aufhören, wenn es am schönsten ist

Christof Thewes gehört zu den Bläsern, die zum Auftakt des Festivals  am 8. Juni bei der Jazzfanfare dabei sind. Er wird auf dem Festungsturm spielen. Foto: I. Hoberg
Christof Thewes gehört zu den Bläsern, die zum Auftakt des Festivals am 8. Juni bei der Jazzfanfare dabei sind. Er wird auf dem Festungsturm spielen. Foto: I. Hoberg FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Peitz. Das Festival Jazzwerkstatt Peitz wird sich im Juni von seinen Fans mit einem großen Turmblasen verabschieden.   Ingrid Hoberg

Das hat Peitz noch nicht gehört: 15 Bläser und drei Perkussionisten werden am 8. Juni von allen Türmen der Stadt spielen  – die Jazzwerkstatt-Fanfare erklingt. Das wird der Auftakt zum Abgesang. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist!“ An diese Volksweisheit will sich Ulli Blobel, Veranstalter der Jazzwerkstatt Peitz, halten. Das Festival erlebt vom 8. bis 10. Juni die 55. Ausgabe und soll mit einem Glanzpunkt seinen Abschluss finden. „Zum Abschied etwas Neues!“, kommentiert Blobel diesen musikalischen Donnerhall.

Der Free Jazz, der in der DDR zwar nicht von den staatlichen Stellen gewollt, aber über Jahre in Peitz geduldet und dann doch ausgeschaltet wurde, hat es in der Marktwirtschaft eben auch nicht leicht. Doch Ulli Blobel ließ sich vor sechs, sieben  Jahren noch einmal darauf ein, Jazz in Berlin und Peitz zu veranstalten – die Szene mit seinen Ideen zu prägen. Die Jazzwerkstatt Peitz Nr. 48 fand 2011 statt – eine nahtlose Weiterführung der Nr. 47, denn 1982 war erst einmal Schluss.

Nun soll also mit der Jazzwerkstatt Nr. 55 der Abschied kommen. Das Programm, das Blobel auch dank der Unterstützung von Sponsoren so gestalten kann, wird ein Treffen und Zusammenspiel von noch immer kreativen Jazz-Legenden und Musikern der jüngeren Generation sein. Es werden sich in den Fanfarenklang Manfred Schoof (Trompete) und Paul Lovens (Schlagzeug) ebenso einbringen wie Paul Schwingenschlögl (Trompete), Nils Wogram (Posaune), Carl Ludwig Hübsch (Tuba) und KMD Wilfried Wilke (Orgel), der als Ideengeber dieser Aktion genannt wird. Posaunist Matthias Muche hat die künstlerische Leitung der Fanfare übernommen, die am Freitagabend auf dem Turm der Stüler Kirche, dem Festungsturm und der Open Air Bühne zwischen beiden Türmen erschallen wird.

Mit Alexander von Schlippenbach und The Globe Unity Orchestra wird anschließend eine Bigband  in der Stüler Kirche spielen, die den europäischen Free Jazz geprägt hat und zeitgenössische Musik mitgestaltet. Joe Sachse und Nils Wogram werden in der Malzhausbastei zu fast mitternächtlicher Stunde spielen  – (k)eine Gute-Nacht-Musik.

Der Samstag wird wie gewohnt mit einer Podiumsdiskussion im Rathaus und einem Konzert (Julie Sassoon und Willi Kellers) eröffnet. Mit Aki Takase, Vesna Pisarovic und Helga Plankensteiner sind weitere Musikerinnen der Berliner und der internationalen Jazzszene vertreten. The Reunion of The Art Ensemble of Chicago mit Roscoe Mitchell, Don Moye und anderen ist am Samstagabend in der Stüler Kirche zu erleben.

Wilfried Wilke wird am Sonntag zum Jazzgottesdienst Orgel spielen, Matthias Muche Posaune. Das Trio Hübsch Schubert Wierbos sorgt beim Frühschoppen in der Festungsscheune für den entspannten Ausklang.

„Das Festival bietet so viele Veranstaltungen wie noch nie zuvor. W wollen in Peitz noch einmal Freude an großartiger Musik haben, und dann ist Schluss!“, sagt Ulli Blobel. „Das Städtchen Peitz bleibt in der Erinnerung der Jazz-Fans.“ Er sucht neue Herausforderungen. Dazu gehört das Ruhr Jazzfestival in Bochum im April, Konzerte im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin, unter anderem mit den Old Fellows wie Heinz Sauer, Rolf Kühn, Friedhelm Schönfeld. Und die Jazzwerkstatt etabliert sich in der Elbphilharmonie Hamburg. „Dort ist das Konzert mit dem Wolfgang Schmidtke Orchestra, das im April stattfindet, schon jetzt innerhalb von zwei Wochen ausverkauft gewesen“, so Ulli Blobel. Und die Jazzwerkstatt werde auch weiterhin Konzepte für Konzerte in Cottbus, Guben, Potsdam entwickeln. Peitz sei in dem Umfang wie bisher ein aufwendiges Festival gewesen.

Eine Tür geht zu, eine andere auf – man darf gespannt sein. Der Free Jazz, die freie Improvisation, die neue Musik haben es nicht leicht – beim Publikum, das beim Zuhören gefordert und nicht nur gechillt wird.

Veranstaltern fehlt manchmal der Mut, oft aber auch die Unterstützung zu solchen Konzerten, die nicht auf der Wohlfühl- und Spaßwelle schwimmen. Förderungen machen es dieser Musiksparte nicht leichter – sie fehlen in den meisten Fällen schlichtweg. Und wer sich  dafür interessiert, wie es den kreativen Musikern dabei ergeht, der kann das in dem Film „Der Preis der Anna-Lena Schnabel“ über die Jazz-Echo-Preisverleihung sehen.

Also, hören Sie hin, wenn die Fanfaren nach Peitz rufen.

Weitere Programminformationen gibt es unter: