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Jazz in der Werkstatt öffnet neue Horizonte

Helga Plankensteiner wird mit "Plankton" in der Jazzwerkstatt Peitz 55 zu hören sein. Aus Anlass des 100. Geburtstags von Thelonious Monk spielte die Baritonsaxofonistin im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin.
Helga Plankensteiner wird mit "Plankton" in der Jazzwerkstatt Peitz 55 zu hören sein. Aus Anlass des 100. Geburtstags von Thelonious Monk spielte die Baritonsaxofonistin im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin. FOTO: Ingrid Hoberg
Berlin/Peitz. Unter dem Motto "Brücken bauen" stehen zehn Jahre Jazzwerkstatt. Dazu gibt es ein Festkonzert in den Ministergärten in Berlin, den Brückenschlag nach London mit in der Lausitz bekannten Musikern und das 55. Festival in Peitz. Ingrid Hoberg

Vor zehn Jahren ist der Förderverein Jazzwerkstatt Berlin-Brandenburg gegründet worden. Das hat Schwung in die Berliner Jazzszene gebracht - und auch die Anknüpfung an das Festival in Peitz ermöglicht. Ulli Blobel hatte die Idee, einen Förderverein zu gründen. Mit Alexander von Schlippenbach und Ost-Berliner Freunden aus früheren Zeiten gelang es, einen neuen Weg zu beschreiten. "Ernst Bier, Uschi Brüning, Ernst-Ludwig Petrowsky, Uwe Kropinski und Friedhelm Schönfeld waren Gründungsmitglieder", erinnert sich Blobel. "Es ging gleich zur Sache. Im September 2007 fand das erste Konzert im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit dem Petrowsky Trio, dem Schönfeld Trio und mit Peter Brötzmanns Sonore statt", erinnert er sich.

Gelegenheit für einen Rückblick wird es am 22. November, 19 Uhr, beim Festkonzert "10 Jahre Jazzwerkstatt in Berlin und Brandenburg" geben. Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung Brandenburg beim Bund in Berlin statt. Den musikalischen Part übernehmen Gitarrist Uwe Kropinski solo sowie im Nachtkonzert Evan Parker, Barry Guy, Paul Lytton. Eine Geburtstagsparty steigt am 23. November im Club Soda in der Kulturbrauerei Berlin mit Stefan Schultze, Peter Ehwald und Tom Rainey. Der Eintritt ist frei.

Anschließend wird eine Brücke zur Brexit-Insel geschlagen. Es gibt am 24. und 25. November ein Jazzwerkstatt-Special im angesagten Vortex Jazz Club in London. Das Julie Sassoon Quartet Fortune, Uwe Kropinski solo, Schultze, Ehwald, Rainey sind dabei. Vesna Pisarovic stellt ihr Elvis-Presley-Projekt "With Suspicious Minds" vor. Rüdiger Krause solo und das Alan Skidmore Quartet komplettieren das zweitägige Programm. Dieses Jazzwerkstatt-Special in Kooperation mit Vortex wird durch die Kulturstiftung des Bundes und das Goethe-Institut gefördert.

Wieder im Lande, ist die Jazzwerkstatt am 27. November, dem traditionellen Jazz-Montag, im Glad-House Cottbus zu Gast. Clarinet Summit mit Theo Jörgensmann, Annette Maye, Gianluigi Trovesi, Bernd Konrad, Albrecht Maurer, Sebastian Gamss und Günter Baby Sommer werden im Saal des Hauses spielen. Und wer Kurt Schwitters Ursonate, die Aufführung des Lautgedichts mit Thomas Krüger, Anke Lucks & Potsa Lotsa während der Jazzwerkstatt im Juni vergangenen Jahres in Peitz verpasst hat, kann das nachholen. Eine Station der aktuellen Tournee ist am 29. November das Potsdam Museum, Am Alten Markt, in der Landeshauptstadt.

Ein Jubiläumskonzert gibt es am 1. Dezember im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin - unter anderem dabei Insomnia Brass Band. Bei dieser Gelegenheit können Jazzfreunde die Posaunistin Anke Lucks und die Baritonsaxofonistin Almut Schlichting in der Konstellation mit dem schwedischen Schlagzeuger Hampus Melin kennenlernen. Mit dem Duo Subsystem war die Saxofonistin beispielsweise im März auf Gut Geisendorf zu hören.

In Peitz ist die Jazzwerkstatt mit ihrem Herbstprogramm leider nicht präsent - Konzertgänger müssen sich bis Anfang Juni 2018 gedulden. Vom 8. bis 10. Juni findet das Festival Peitz 55 statt - auf einer Open Air Bühne und von allen Türmen der Stadt wird zur Eröffnung die Jazzwerkstatt-Fanfare zu hören sein, wie Ulli Blobel in der Vorschau ankündigt. 15 Bläser werden aufgeführt! Mit The Globe Unity Orchestra und Art Ensemble Of Chicago sind zwei avantgardistische Jazzformationen angekündigt.

Zwischenzeitlich erkundet Ulli Blobel mit der Jazzwerkstatt neues Terrain - beispielsweise die Elbphilharmonie Hamburg. Wie hat er es geschafft, dort den Fuß in die weltbekannte Tür zu bekommen? "Ich habe mein Programm vorgestellt, das muss überzeugt haben", sagt er und frönt dabei einer weiteren Leidenschaft - der Kammermusik. "In diesem Sektor Ignoranz und Arroganz zu überwinden und Verbindungen von einem Genre zum anderen zu bauen, ist Teil meines Tuns", sagt er. Dazu gab es in der Vergangenheit bereits Projekte bei der Jazzwerkstatt Peitz mit Edicson Ruiz (Nr. 49) und Kolja Blacher (Nr. 54) und im Klassik-Bereich des Plattenlabels. Immer geht es um zeitgenössische Musik.

Das aktuelle Profil der Jazzwerkstatt zeigt sich in den verschiedenen Veranstaltungsorten von Berlin/Potsdam über London bis Hamburg (hoch im Norden) über Bochum (tief im Westen) bis Peitz (tief im Osten). Das volle Programm: www.jazzwerkstatt.eu