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| 17:47 Uhr

Jasmin Tabataibai in Cottbus
Liebesbeziehung zum Jazz

Die beliebte Schauspielerin Jasmin Tabatabai singt auch.
Die beliebte Schauspielerin Jasmin Tabatabai singt auch. FOTO: Felix Broede
Cottbus. Die Schauspielerin stellt am 19. Oktober im Staatstheater Cottbus ihr Album vor. Von Renate Marschall

„Was sagt man den Menschen, wenn man traurig ist?“ Diese Frage bewegt Jasmin Tabatabai, vielen aus der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ bekannt, auf ihrem neuen Album. Sie stellt es am 19. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus vor. Mit ihren Musikern findet sie viele poetische Antworten. Im Interview erzählt sie über ihre Arbeit.

Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist? Was sagen Sie ihnen?

Tabatabai Ich halte es so wie Georg Kreisler, der Autor dieses Stückes, „man sagt nichts, damit man lächeln kann“. Ich bin auch ein Mensch, der viel mit sich selber ausmacht, lange darüber brütet, bevor er dann mit sehr guten Freunden redet. Das Lied handelt ja von Gefühlen wie Trauer, die zum Menschen dazugehören und die wir in unserer Gesellschaft irgendwie nicht haben wollen. Weil das nicht so in unseren Lebensstil passt. Jeder soll immer funktionieren, sich optimiert präsentieren, auch in den sozialen Medien.

Georg Kreisler sagt: „Schmerz ist einfach unmodern“ oder der Medienkritiker Neil Postman „Wir amüsieren uns zu Tode“. Sind Angst vor Emotionen und wachsende Oberflächlichkeit der Lauf der Zeit, oder was ist mit uns los?

Tabatabai Der späte Kapitalismus bringt es mit sich, dass man nur etwas gilt, wenn man materielle Güter schaffen kann. Dahinter treten wichtige Dinge zurück. Wir achten beispielsweise viel zu wenig darauf, dass unsere Kinder vernünftig groß werden. Was verdient ein Erzieher und was ein Manager? Wer erfüllt die wichtigere Aufgabe? Auch Lehrer, Pflegepersonal – Menschen, die sich um unsere Kinder kümmern, die noch nichts leisten und ältere Menschen, die nicht mehr für eine Gewinnerwirtschaftung verfügbar sind, behandeln wir stiefmütterlich. Ich finde schon, dass das der Zusammenhang ist, in dem wir uns alle bewegen. Werte wie Empathie, etwa mit Leuten, die schwach sind, kommen dabei zu kurz. Da muss man gar nicht so besonders gesellschaftskritisch sein, um das klar zu sehen.

Das ist ja ein ziemlich sperriger Titel für ein Album...

Tabatabai Was heißt sperrig. Ich finde ihn schön. Da könnte man ja sagen, alles, was einen heutzutage zum Nachdenken anregt, ist sperrig, weil die Leute nur noch eine ganz kurze Aufnahmespanne haben. Wir haben uns, bockig wie wir sind, zu diesem Titel entschlossen, da wir eh Nischenmusik machen, nichts für die Charts. Wir machen, was wir gut finden. Das ist sehr befreiend, wenn man als Künstler nur an seine Kunst denken darf.

Sie haben Musik und Schauspiel studiert, haben auch immer Musik gemacht, aber man hat den Eindruck, sie war lange nur die zweite Wahl nach der Arbeit für Film und Fernsehen. Ist der Eindruck falsch und woran lag es?

Tabatabai Ich habe Schauspiel studiert, Film gemacht, Theater gespielt. Das ist mein Sehnsuchtsberuf, das wollte ich immer. In der Musik bin ich Autodidakt, sie war seit je eine Herzensangelegenheit, etwas, das mich seit der Schauspielschule begleitet. Hier kann ich mich persönlich entfalten, deshalb ist die Musik so wertvoll für mich. Ich muss damit nicht mein Geld verdienen, deshalb kann ich sagen: Mache ich halt Jazz. Mit echten Menschen auf der Bühne stehen und echte Musik machen. Es ist eine Liebesbeziehung und das soll sie auch bleiben.

Nach Ihrer Platte „Eine Frau“ haben sich die Kritiker fast überschlagen, der Weg scheint richtig, was die Auswahl der Songs, die Musikrichtung und die ganz eigene Interpretation betrifft. Inzwischen gibt es Nummer zwei, und wie sieht es mit Nummer drei aus?

Tabatabai Wäre noch bisschen früh. Heute sind Platten auch nicht mehr so wichtig, sondern das Live-Spiel. Die Platte macht man eher, um Konzerte zu buchen oder für die Medienpräsenz. Irgendwann in weiter Ferne werde ich auch wieder eine Platte machen nur mit Gesang und Gitarre. Mit zwei Berufen und drei Kindern ist das nicht möglich.

Warum ist der Jazz Ihre Musik?

Tabatabai Ich mag das Authentische. Ich stehe total auf zeitlose, melodiöse Musik. Ich möchte Melodien haben, die sich im Kopf verfangen. Und ich möchte in Würde altern auch mit meiner Kunst, nicht einem Jugendwahn hinterherhecheln müssen. Die Jazzer, mit denen ich zusammengekommen bin, haben eine unfassbare Qualität. Es ist toll, mit Musikern zu arbeiten, die fragen, welche Tonlage hättest du denn gerne, den Takt so oder so? Die spielen ja auch jeden Abend was anderes. Es ist eben echt, befreit von Pose und Ego. Man kann auch über die Einfachheit der Dinge so wunderbar singen. Deshalb ist das meine Musik. Und dadurch, dass sie immer wieder neu interpretiert wird, ist sie lebendig.

Sie greifen auch auf alte Songs etwa von Hollaender zurück...

Tabatabai Weil die einfach gut sind. Es ist eine unfassbar schöne Melodie und ein unglaublicher Text: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“. Das kannst du auch noch in tausend Jahren singen. Es ist viel von dieser Musik verloren gegangen durch die Nazizeit, aber was überliefert ist, das muss man doch pflegen.

Die Lieder, die Sie singen, hat man so noch nie gehört, wie erarbeiten Sie diese spezielle Interpretation?

Tabatabai Ganz naiv. Letzten Endes interpretiert ja David die Musik neu. Die Band spielt und ich lege mich einfach auf die Musik drauf.

Vielen sind Sie aus der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ bekannt. Wird die weiterlaufen – auch mit Ihnen?

Tabatabai Ja, ja. Die ist ja sehr erfolgreich und ich liebe diese Serie. Ich habe immer noch das Gefühl, wir werden eher besser als schlechter, dass sich die Figuren weiterentwickeln, die Fälle spannend bleiben. Wir sind jetzt bei der achten Staffel. Für mich ist von Vorteil, dass wir in Berlin drehen, ich nicht verreisen muss. Und ich entdecke immer wieder spannende Orte hier. Neulich haben wir in einem evangelischen Jugendstift gedreht, ein unglaubliches Gelände, wo ich noch nie war. Toi, toi, toi, dass es so weitergeht.

Mit Jasmin Tabatabai
sprach Renate Marschall

Karten sind unter anderem erhältlich bei der RUNDSCHAU; Ticket-Shop 0355/481555, im Besucherservice des Staatstheaters Telefon: 0355/78242424