Da steht er, ein Opel Kadett, weiß und rein, es dringt allerdings ein höllischer Rauch aus dem Gefährt. Ein Gesicht erscheint am linken Seitenfenster – wie, in der Qualmhölle da drin kann noch ein menschliches Wesen existieren? Aber da entsteigen Christian von Richthofen und Kristian Bader schon dem Wagen, sie treten ihre Kippen aus; wenn wir wollen, können wir diese Szene als Beitrag zum heutigen Weltnichtrauchertag deuten.
Der Hauptdarsteller des Abends, der ein Hauptdasteher ist, wird in hymnischen Worten vorgestellt, der „Opel- E-Kadett in der Sprintversion, mit mundgeblasenen Scheiben, Motor von bang & Olufsen und Auspuff von Smith &Wesson“ , puff, piff, paff. „Dieses Modell ist der Steinway unter den Konzertautos und hat so was Bauchiges im Klang“ , erklären von Richthofen und Bader, die lange auf Schrottplätzen nach dem geeigneten Klangkörper suchten: „Wir haben vie le Autos getestet, aber keines klingt so gut wie der Opel Kadett E. Seitengrille, Scheibenwischer, Motorhaube, das alles hat einen Sound, der jedes Schlagzeug in den Schatten stellt.“
Wenn der echte deutsche Autoliebhaber nun zusammenzuckt, vermutet er richtig. Es bahnt sich der reine Irrwitz an, sehr verharmlosend „Opelette“ genannt. Für den Kadett gibt's zunächst noch Streicheleien auf Karosserie und Heckfenster, die nach „Häns chen klein“ klingen. Aber die Lackpflege fällt schon sehr martialisch aus, und nun gibt es kein Halten mehr, der Werkzeugkisten-Spielmannszug leitet den Generalangriff auf den Kadetten ein, da ist der Türschlag-Bossa-Nova noch die harmlosere der Attacken. Christian von Richthofen und Kristian Bader trommeln auf das Auto ein, dass ihnen die Hände glühen müssen, singen und sprechen dazwischen Comedy, schrecken auch vor einer Hitler-Parodie nicht zurück. Der Wahnsinn wächst sich aus: „Hier ist ihre Verkehrswelle mit den besten Staus der 70er, 80er und 90er Jahre und den besten von heute! Ihre Stau-Schau!“
So ein Riesenstau kann den tiefsten Blutdruck irgendwann explosionsartig in die Höhe treiben. Und wenn das Autoradio schließlich verkündet, dass man lieber eine Umleitung über Feuerland nehmen sollte, dann ist es vorbei, dann muss es raus, damit es verstummt! Es gibt kein Halten mehr: „Cabrio macht Kinder froh“ – Bader filetiert mit der Axt das Autodach, dass einem Angst und Bange werden kann. Hoffentlich hackt der sich nicht ins Bein! Aber es geht nicht nur alles gut, sondern sehr schön im Rhythmus vonstatten.
Der Song „If I had a hammer“ , „Hätt ich einen Hammer“ , droht das Tschaikowsky-Finale an. Die beiden Verrückten auf der Bühne, die können nur verrückt sein, bearbeiten mit Vorschlaghämmern den armen Opel, nun kommt auch noch die Flex zum Einsatz, Hämmer und Flex zum „Schwanensee“ -Ballett – auf die Idee muss erst mal einer kommen. Was für eine Choreografie! Das Fahrzeug ist nun nicht mehr zu gebrauchen, es verlässt diese Crash-Percussion-Show als Schrotthaufen. Aber es hat gehalten, was Christian von Richthofen und Kristian Bader versprachen. Es ist ein hervorragender Klangkörper, wenn man es versteht, ihn zu benutzen. Die beiden Zerstörungskünstler bekommen stehende Ovationen und geben drei Zugaben, unter anderem „Der mit dem Golf tanzt“ – es muss also nicht immer ein Opel sein. Sie verneigen sich in der Kulisse, die schon für den nächsten Amphitheater-Komödiantenstreich aufgebaut ist: Am 3. Juni schlägt hier „Ritter Runkels große Stunde“ . Hoffentlich mit mehr Publikum als am Wochenende. Vielleicht spricht sich dieses Sommerfestival am Senftenberger See ja langsam rum.