ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:36 Uhr

Interview mit Thomas Anders
Das Leben „im Hier und Jetzt“

 Seine Tour „Ewig mit Euch“ startete Thomas Anders Anfang Mai in Erfurt. Am Dienstag ist er in Cottbus.
Seine Tour „Ewig mit Euch“ startete Thomas Anders Anfang Mai in Erfurt. Am Dienstag ist er in Cottbus. FOTO: dpa / Martin Schutt
Cottbus. Der Künstler gastiert mit neuen, deutschen Songs am 14. Mai in der Stadthalle Cottbus. Von Reinhard Franke

Thomas Anders ist für viele untrennbar verbunden mit Modern Talking. Nach der Trennung machte er aber auch solo erfolgreich Karriere. Am 14. Mai ist Anders in der Cottbuser Stadthalle. Dabei ist diesmal aber einiges anders als bei vorherigen Konzerten. Denn Anders singt diesmal nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm über diese und andere Veränderungen.

Herr Anders, „Das Leben ist jetzt“ heißt die erste Single auf dem aktuellen Album. Wo ist für Sie das Leben jetzt?

Anders Im Hier und Jetzt. Es ist im Grunde ein Synonym dafür, dass wir uns daran erinnern sollen, den Moment zu genießen. Ich habe oft das Gefühl, dass die Menschen das vergessen haben. Viele leben zu sehr in der Vergangenheit ganz nach dem Motto: Früher war alles viel besser. Und diese Menschen glauben, dass in der Zukunft bestimmt etwas Großartiges passieren wird. Denn das Heute ist scheiße. Das kann es nicht sein, wir leben im Hier und Jetzt. Und wenn ich mir nur darüber den Kopf zerbreche, dass es jetzt gerade nicht toll ist, kann ich den Alltag auch nicht genießen. Das Leben ist schwer genug, aber man muss eben selbst dafür sorgen, dass es leichter ist. Düstere und negative Gedanken machen müde und kraftlos. Und deshalb ist das Leben im Jetzt schön.

Das aktuelle Album trägt den Titel „Ewig mit dir“. Im ersten Moment verbindet man den Titel mit einer Frau. An wen denken Sie?

Anders Ich habe den Titel nicht auf eine bestimmte Person bezogen. Ich fand den dazugehörigen Song einfach wunderschön. Es war das erste Lied, das ich für das Album schon im September 2017 aufgenommen hatte. „Ewig mit dir“ ist auf der einen Seite ein Treuebekenntnis. Auf der anderen Seite finde ich das Wort ewig spannend. Ein ganz großes Wort. Das macht es für mich so extrem interessant. Und so kam der Song mit dieser tollen Melodie und dem tollen Text zustande.

Jüngst war zu lesen, dass Sie sich mit dem neuen Album näher an der Königsklasse befinden. Sind Sie also der FC Bayern des Schlagers?

Anders (lacht) Es ist das zweite deutschsprachige Album von mir. Vielleicht ist es nur ein Schlagwort, ich kann das schlecht definieren. Was soll es bedeuten, dass ich in der Königsklasse bin? Mir würde es genügen, wenn ich lesen würde: „Es ist ein geiles Album“. Das ist nämlich die Sprache vom Hier und Jetzt. Königsklasse hat für mich sehr viel Pathos.

Sie bekennen sich jetzt zum deutschen Gesang und sind damit erfolgreich. Was bedeutet Ihnen das?

Anders Man sollte Erfolg nicht nur an Verkaufszahlen festmachen. Erfolg sollte die Qualität der Musik ausmachen. Wir sind immer getrieben von unserer Kommerzialität. Vom plakativen Erfolg, der sich in den Charts abspielt.

War es Ihnen ein Anliegen, das zweite Album wieder auf Deutsch zu singen? Sie hatten in der Vergangenheit englische Alben veröffentlicht.

Anders Momentan fühle ich mich wohl damit, deutsch zu singen. Ich wehre mich immer ein wenig dagegen, alles absolut zu sehen. Ich bin seit fast 40 Jahren im Musikgeschäft tätig und es haben sich so viele Sachen verändert, ich mich auch. Ich bin natürlich erwachsener und reifer geworden und weiß nicht, was noch kommt. Vielleicht sage ich mir in 20 Jahren, ich muss ein französisches Chanson-Album machen. Das lasse ich mir ganz bewusst offen. Alles, was für mich mit Kreativität zu tun hat, ist für mich faszinierend. Diese Kreativität möchte ich nicht einschränken.

Was ist das Besondere am neuen Album?

Anders Man fühlt das neueste Album immer sehr stark. Ich habe mich zwölf Monate damit beschäftigt und hoffe, dass die neuen Songs ein bisschen Schwere von den Menschen nehmen können. Das entspricht auch meinem Charakter. Ich bin jemand, der sehr positiv und lebensbejahend durchs Leben geht. Manchmal ist es meiner Frau zu viel, aber damit muss sie leben. (schmunzelt) Auch, wenn eine Situation noch so schwierig ist, muss man das Beste daraus machen. Meine Lieder stehen für Unterhaltungsmusik. Ich möchte mit diesem Album nicht die Welt retten. Oder sie verändern. Grundsätzlich soll das Album eine positive Energie aus­strahlen.

Es war zu lesen, dass jede gesungene Note auf dem Album mehr Seriosität ausstrahlt. Waren Sie früher unseriöser?

Anders Nein. Ich glaube, dass damit gemeint ist, dass ich das glaube, was ich singe. Alle Songs der CD gehen über meinen Schreibtisch. Wenn ich ein Lied nicht mag, dann singe ich es auch nicht. Ich versuche, jedem meiner Songs etwas Leben einzuhauchen und Persönlichkeit von mir zu geben. Ich glaube, dass mir das auf „Ewig mit dir“ gelungen ist. Ich bin stolz drauf. Es ist einfach ein gutes Album.

Haben Sie schon mal überlegt, einen Song von Modern Talking auf Deutsch zu singen?

Anders Oh nein. Das fände ich nicht harmonisch. Die Modern-Talking-Songs gibt es nur auf den Konzerten. Meinen eigenen englischen Song „Lunatic Girl“, der nie veröffentlicht wurde, aber bei den Fans ein großer Hit ist, habe ich auf dem letzten Album auf Deutsch gesungen. Die Modern-Talking-Klassiker zu nehmen und einzudeutschen, wäre für mich jedoch keine runde Sache.

In welcher Geschwindigkeit ist Ihr Leben nach dem zweiten Ende von Modern Talking weitergegangen? Der Start der Solokarriere war erst etwas schleppend.

Anders Das stimmt. Wenn man so eine Karriere wie die von Modern Talking erlebt hat, dann ist es nicht einfach zu Ende. Vielleicht für den Moment und für den Act als solchen. Aber für die Fantasie und das Denken der Menschen lebt Modern Talking weiter. Man kann da nicht auf die Bremse treten. Es folgen dann einfach Phasen und Zeiten der Umorientierung. Modern Talking hat mein Leben extrem bestimmt, und der Jahreszyklus war komplett darauf abgestimmt. Nach dem Ende der Band musste ich mich neu finden und einen anderen Weg gehen. Das war eine echte Herausforderung, der ich mich stellen wollte. Und der ich mich immer noch stelle. Sonst hätte ich verloren.