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Interview Felix Klieser: "Aber ich wollte eben unbedingt . . . "

Felix Klieser war schon einmal bei einer Lesung in Cottbus.
Felix Klieser war schon einmal bei einer Lesung in Cottbus. FOTO: Michael Helbig/mih1
Beim 6. Philharmonischen Konzert des Staatstheaters Cottbus ist der Hornist Felix Klieser zu Gast. Er ist ohne Arme geboren. Peter Blochwitz

Herr Klieser, Sie sind erstmals am Staatstheater, sind aber nicht zum ersten Mal in Cottbus . . .
Klieser: Ja, das war vor zwei Jahren, in der Stadt- und Regionalbibliothek, da habe ich gelesen. Das war ein sehr amüsanter Abend, ich habe da nette Leute kennengelernt. Und deswegen freue ich mich, wieder zurückzukommen.

Wie kam's dazu?
Klieser Meine Agentur hat mir irgendwann die Nachricht gegeben, dass das Staatstheater Interesse hätte. Damals gab's schon die Idee, dass sie gern einen Wiener Abend machen würden. Dadurch ist der Abend natürlich recht mozartlastig. Auch das 1. Hornkonzert von Richard Strauss, das ich spiele, ist sehr von Mozart geprägt. Der Vater von Richard Strauss, Franz Strauss, war zur damaligen Zeit einer der bedeutendsten Hornisten und ein großer Mozart-Verehrer. Und Richard Strauss hat immer versucht, es seinem Vater recht zu machen, als er noch jung war, und so zu komponieren, wie es seinem Vater gefiel. So war er doch sehr von Mozart geprägt. Deswegen finde ich es eine schöne Sache, dieses Strauss-Konzert mit den Mozart-Sinfonien zu kombinieren.

Sie sind ohne Arme geboren und haben mit vier Jahren erklärt: Ich will Horn spielen. Können Sie heute noch nachvollziehen, wie Sie auf diese Idee gekommen sind?
Klieser Ehrlich gesagt, nicht. Es gibt in der Familie ja keine Musiker. Ich weiß nur, dass ich das unbedingt machen wollte. In der Musikschule hat man aber gesagt, mit vier ist man einfach noch zu klein, da hat man noch nicht das Lungenvolumen, um so einem Instrument überhaupt nur einen Ton zu entlocken. Aber ich wollte es eben unbedingt, und da haben sie mich gelassen.

Nun ist das ja offensichtlich unglaublich harte Arbeit, dazu gehört auch ein großer Wille. Wie viel ist dabei Talent, wie viel Arbeit?
Klieser Ich denke, der größte Teil ist schon einfach Arbeit. Es funktioniert leider nicht, dass man irgendwie zu etwas Talent hat und dann geht das von selber. Ich glaube, Talent ist einfach nur dazu da, dass, wenn man viel arbeitet, es sich dann irgendwann auszahlt. Arbeit und Fleiß, das sind die wichtigsten Aspekte.

Man ist ja auch nie fertig, muss immer dranbleiben.
Klieser Genau. Man kann nicht sagen, man hat das Stück schon zum x-ten Mal gespielt, jetzt leg' ich's in die Ecke und muss mir das nicht mehr angucken. Man muss immer dranbleiben, jeden Tag üben, darf sich keine größeren Pausen erlauben - das hört auch nie auf, glaube ich.

Sie waren mit 13 Jahren schon Student an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, zuvor wollten Sie aber mal Sprengmeister werden?
Klieser Ich hab' immer gern Dokumentationen gesehen, wo Fa briken gesprengt wurden und die Türme ganz minutiös, wie vorausgeplant, zusammensanken. Das fand ich total toll: Dass man sich ein Gebäude vornimmt, sich überlegt, was man mit dem machen will, sich das alles ausrechnet . . . Das fand ich total interessant und spannend. Da hab' ich gesagt, das kann man doch als Beruf machen - aber da war ich so sechs, sieben Jahre alt . . .

Würden Sie sagen, dass Sie einen Hang zum Ungewöhnlichen haben?
Klieser Ich weiß nicht. Ich wollte auch Pilot werden, aber das sind eher so Jungs-Vorstellungen, die ich da hatte . . . Ich weiß nicht, ob das so ungewöhnlich ist. Ich glaube, ich war ein ganz normaler Junge so weit.

Nun sind Sie Mitte 20, haben einen Haufen Preise gekriegt, Alben gemacht, ein Buch geschrieben - was gibt's da noch für Ziele?
Klieser Ach, ich find's einfach schön, Horn zu spielen, Musik zu machen. Das ist das, was mir Spaß macht. Ich mache ja nicht Musik, damit ich irgendwelche Ziele oder Stufen erreiche, sondern, weil ich's einfach schön finde. Wenn man das, was man gerne macht, als Beruf machen darf, dann ist das ein großes Geschenk, und dafür sollte man dankbar sein. Und das genieße ich einfach. Ich bin nicht der, der versucht, irgendwas zu erreichen oder hier und dort hinzukommen. Die Freude daran, Konzerte zu spielen und Menschen kennenzulernen, ist das, was am schönsten ist.

Also ist da nicht der Gedanke an besondere Projekte, unbedingt mal an irgendeinem großen Haus zu spielen oder dergleichen?
Klieser Gar nicht. Ich finde, dass oftmals kleine Konzerte und kleine Orte sehr, sehr nett und sehr sehr schön sind, wo man's vielleicht gar nicht erwarten würde. Und das ist doch das, was interessant ist. Wahrscheinlich, wenn ich nicht Musiker geworden wäre, wäre auch ich nie nach Cottbus gekommen und hätte nie die Leute dort kennengelernt. Und das ist doch das, was das Leben so spannend macht, dass es keine Routine gibt.

Mit Felix Klieser sprach Peter Blochwitz

Zum Thema:
Echo-Preisträger Felix Klieser (25) spielt Freitag und Sonntag mit dem Philharmonischen Orchester Cottbus das 6. Philharmonische Konzert im Staatstheater. Auf dem Programm stehen die Sinfonien Nr. 36 C-Dur KV 425 und Nr. 39 Es-Dur KV 543 von Wolfgang Amadeus Mozart sowie das 1. Hornkonzert Es-Dur op. 11 von Richard Strauss.