ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:12 Uhr

In Bad Liebenwerda ist die Welt zu Gast
Schreiten wie zu Friedrichs Zeiten

Tanzen wie zu Friedrichs Zeiten, hier im Saal des Alten Rathauses in Wittenberg beim Renaissancetanzball, soll es erstmals beim Graun-Wettbewerb in Bad Liebenwerda geben. Das alles für Laien unter fachkundiger Anleitung von  Mareike Greb aus Leipzig, die sich mit historischer Tanzkunst beschäftigt.
Tanzen wie zu Friedrichs Zeiten, hier im Saal des Alten Rathauses in Wittenberg beim Renaissancetanzball, soll es erstmals beim Graun-Wettbewerb in Bad Liebenwerda geben. Das alles für Laien unter fachkundiger Anleitung von Mareike Greb aus Leipzig, die sich mit historischer Tanzkunst beschäftigt. FOTO: LR / Corinna Kroll
Bad Liebenwerda. Der Internationale Graun-Wettbewerb in Bad Liebenwerda mit attraktiven neuen Angeboten. Von Frank Claus

Allein das sorgt schon für Aufsehen: Für die Teilnahme am Internationalen Gebrüder-Graun-Wettbewerb vom 2. bis 4. November in Bad Liebenwerda haben sich 63 Sänger und Instrumentalisten, darunter 21 Solisten und zehn Ensembles, aus 22 Nationen beworben. Damit gewinnt dieser Klassik-Contest, an dem zumeist Studierende an Musikhochschulen starten, die sich für die Musik des 18. Jahrhunderts und insbesondere die der Graun-Brüder interessieren, erneut an Bedeutung.

Die hochkarätig besetzte Jury – „Es ist die Creme von Experten dieser Musik, die wir erneut gewinnen konnten, die die Musiker anzieht“, so Elbe-Elsters Kulturamtsleiter Andreas Pöschl – war gezwungen, eine Vorauswahl zu treffen: Acht Instrumental-Solisten, sechs Gesangssolisten und sechs Ensembles dürfen um die insgesamt 14 000 Euro Preisgeld ringen.

 Die Brüder Graun zählen zu den Hauptvertretern der Berliner Klassik. Geboren in Wahrenbrück (Elbe-Elster), wurde Carl Heinrich Graun Hofkapellmeister in der Kapelle des preußischen Königs Friedrich des Großen. Sein Bruder Johann Gottlieb Graun war am gleichen Hof Konzertmeister und Kammermusiker mit Fokus auf die Streicher des königlichen Opernorchesters. August Friedrich, der Dritte der Graun-Brüder, arbeitete als Domkantor in Merseburg.

Und nun geben die Festival-Organisatoren – der Landkreis Elbe-Elster und die Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“ – dem Wettbewerb noch weitere, interessante Nuancen. Erstmals werden Solisten und Ensembles bei Caféhaus-Musiken am Sonnabend an verschiedenen öffentlichen Stellen musizieren. Sie wollen so Grauns Musik, die zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geriet – „zu ihren Zeiten waren sie Popstars“, so die Juroren übereinstimmend – noch bekannter machen. Am Abend folgt ein historischer Tanzabend unter dem Motto „Schreiten wie zu Friedrichs Zeiten“ im Bad Liebenwerdaer Bürgerhaus. Mit Mareike Greb konnte eine ausgewiesene Expertin der historischen Tanzkunst als Tanzlehrerin gewonnen werden. Und sie macht Mut, keine Scheu zu haben. „Ich mag es, wenn die Leute keine Ahnung haben, sondern einfach Spaß empfinden, wenn sie etwas über die Tänze der Vergangenheit erfahren“, sagt sie und lockt: „Keine Bange, die Teilnehmer stehen sich einfach gegenüber, egal ob Männlein oder Weiblein.“ Direkter Körperkontakt wie beim Walzer oder gar beim Tango sei damals noch verpönt gewesen. Man gehe „Raumwege“, schreite halt über das Parkett, lächele vornehm und zurückhaltend. Zu live gespielter Musik „exzellenter Ensembles“, wie sie sagt – gespielt wird zumeist auf Geige, Gambe und Flöte – gibt sie nach entsprechender Einführung Hinweise zu Tanzschritten und Körperhaltung.

Der Saal wird gut gefüllt sein, weil alle Musiker des Wettbewerbs selbst schon sehr neugierig auf den Tanzabend seien, sich angemeldet hätten und selbst beteiligen wollen.

Gespielt werde ausschließlich die Musik aus der Lebenszeit der Gebrüder Graun. „Und auch nur die damals gängigen Tänze werden wir gemeinsam üben“, so die Fachfrau, der es schon am Telefon gelingt, Begeisterung zu wecken. „Es wird ein toller Abend, bei dem wir zwischendurch auch immer etwas essen.“

Und was schreibt die Anzugsordnung vor? Sie lacht. „Viele kommen wirklich gern historisch gekleidet – also im Gewand, mit Rock, Strümpfen und Perücke. Das ist jedoch nicht Pflicht. Aber etwas Festliches sollte man schon tragen, durchaus Ballkleid und Anzug. Das macht die Stimmung einfach schöner.“

Die Torgauer Renaissancetänzer. So ähnlich soll es auch beim Historischen Tanzabend in Bad Liebenwerda zugehen.
Die Torgauer Renaissancetänzer. So ähnlich soll es auch beim Historischen Tanzabend in Bad Liebenwerda zugehen. FOTO: LR / Stefanie Robrecht