Ausgestellt sind in der Hauptsache Zeichnungen, aber auch einige Kleinplastiken und bemalte „Lebenswürfel“ aus Holz, die tatsächlich gute Laune verbreiten. Die Arbeiten stammen aus den Jahren 2006 bis 2009 und dokumentieren einerseits die Vielseitigkeit von Loras, andererseits seine enorme Produktivität.

„Philosophischer Grafikkünstler“

Und es wird auch schnell deutlich, warum sich der Lübbener als „Philosophischer Grafikkünstler“ versteht. Seine sicher unter anderem von Paul Klee und Wassily Kandinsky inspirierten Arbeiten lassen einen breiten interpretatorischen Spielraum, geben dem Betrachter nur einen Titel und eine ungefähre Richtung vor. Zuweilen wird's gewiss auch recht deutlich: Die „Demokratische Diktatur“, eine der 46 Federzeichnungen auf Transparentpapier, lässt den Menschen als Marionette erkennen. Oder beim „Training für den neuen Job“, wo sich jemand derart verbiegt, dass er als Schlangenmensch durchgeht. Auf der „Eigenen Scholle“ wiederum wurzeln die menschlichen Arme tief im Erdreich – das sind Ankersymbole, aber eben eingebettet in Zeichen, die sich nicht sofort und wohl auch jedem Auge anders erschließen. Und dann fordern noch Zeichnungen wie „Mehrwertäquivalenzex“, „Inkompatibilitätsbruch“, „Antipulattraum“ oder „Quariale Ekwenz“ die Fantasie bis zur Schmerzgrenze – nicht nur wegen ihrer abenteuerlichen Titel.

Hauptgestaltungsmittel Linie

Farbe spielt bei diesen Loras-Zeichnungen eine untergeordnete Rolle, Hauptgestaltungsmittel ist die meist mit Tusche ausgeführte Linie. Und diese wiederum kann schon mal drastisch reduziert aufs Blatt kommen. Besonders auffällig sind hier die Großformate. Vor allem die „Umkehr“ und eine Arbeit, die mit erheblich weniger „Material“ auskommt als ihr Titel Worte braucht: „Interprikäre Verknüpfung linearer Endlichkeit“.

Ja, auch die Groteske wird gepflegt bei Loras, der auch als RUNDSCHAU-Karikaturist bekannt ist. Und manchmal feixt der Künstler sich ins Fäustchen: „Olos rüf Olos“ sollte nicht geradeaus gelesen werden, der „Kuckuckseisprung“ oder das „Ikarussell“ sind sehr feine Wortwitze.

„Ich zeige hier wieder ein Stück meiner Seele“, erklärt Loras, den es schmerzt, dass die Bildende Kunst aus dem täglichen Leben immer mehr verschwindet. Stattdessen: „Uns schlagen Plakate, die keine sind, uns schlägt fürchterliche Werbung fast tot.“ Der Künstler muss sich wehren. Also will Lothar Ralf Schneider natürliche Phänomene in eine andere Wirklichkeit umsetzen, „das Analphabetentum im Sehen überwinden helfen. Raum und Zeit – ich sehe was, das du nicht siehst – kratzen wir es also aus dem Verschlüsselten“.

„Loras – Zeichnungen“, bis 20. November in der Kunstsammlung Lausitz des Senftenberger Schlosses. Geöffnet bis 31. Oktober jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, ab 1. November jeweils Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

Telefon: 03573/3074.

Zum Thema:

LorasLothar Ralf Schneider, 1943 in Falkenberg/Elster geboren, 1961-63 Abendakademie Malerei und Grafik am Bauhaus Dessau, 1964-66 Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 1996 Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Kopfweide“. Mitglied der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste und im Bund intellektueller Grafikkünstler Deutschlands. Lebt seit 1971 freiberuflich in Lübben (Spreewald).