Was anfangs noch locker und flockig erscheint (und bei Lesungen sicherlich gut ankommt), fällt ab Seite 50 schwerer. Es ist wie mit Eiswein: Zu viel tut nicht gut.

In Maßen genossen ist die etwas andere Herangehensweise an Geschichte und Herkunft der Ortsnamen der Lausitz durchaus unterhaltsam.

Der Slawist und Geschichtslehrer Alfons Frenzel nutzt sein umfangreiches Wissen, um anfangs überraschende, teilweise amüsante und manchmal auch überraschende Lese-Erlebnisse zu schaffen. Was haben Prag und Kleinpraha gemeinsam? Was verbindet Milkel mit Nashville? Alfons Wenzel verbindet die Geschichte von Landstrichen und Menschen, von Sprache, Kultur und Besiedlung miteinander.

"Ungewöhnliche Vergleiche sind immer spannend", findet sich etwa zu Beginn des letzten Drittels der knapp über 300 Seiten der literarische Grundgedanke. Leider eben nicht immer und immer wieder.

Manchmal wirken die Vergleiche erzwungen, wo etwas Leichtigkeit durch Verzicht gut getan hätte - ohne Rücksicht auf die 300-Seiten-Marke. Das war den Machern offenbar klar. Die Struktur ist so angelegt, dass der Leser jederzeit aus- und wieder einsteigen kann. Nach fünf Minuten oder 50. Aber dann schon mit merklich steigendem Aufmerksamkeitsverlust; das Springen von Kontinent zu Kontinent, von Epoche zu Epoche, von Anekdote zu Anekdote strengt an.

Dabei ist "Lausitz mittendrin" massentauglich. Was Alfons Frenzel vorlegt, ist nichts anderes als ein Lesebuch zu dem, was in der Regionalgeschichte etwas sperrig "Ortsnamenskunde" bezeichnet wird. Nun könnte man es bei (Niederlausitzer) Standard-Werken eines Walter Wenzel oder Siegfried Körner belassen - in der Regel sind dies aber Nachschlagewerke für Regionalhistoriker, Sprachkundler oder interessierte Laien.

Alfons Wenzel dagegen macht die Geschichte der Ortsnamen zu einem Spaziergang. Der fällt in der Oberlausitz etwas ortskundiger aus als in der Niederlausitz. Das fällt auf, auch wenn man nicht weiß, dass Frenzel Rosenthaler ist.

Es sind Kleinigkeiten, die in der Niederlausitz nicht stimmig sind (ist Burg Kauper auf "einer Insel" entstanden?), während die Beschreibungen mancher Orte in der Oberlausitz fast so detailliert und liebenswert sind, dass man ins Auto steigen möchte, um den beschriebenen Burgstandort zu suchen. Erzählerische Exkursionen lassen Aha-Effekte aufkommen, besonders wenn Wenzel Anekdoten einfließen lässt, auf Lausitzer zu sprechen kommt, die hier oder in Übersee auf ihre Art Großes geleistet haben, auf Zusammenhänge verweist, die man bislang nicht gesehen hat und auf Geschichte, die in der Lausitz geschrieben wurde.

Empfehlung: Lesen, in wohldosierten Dosen. In etwa so lange, wie man an einem Schoppen nippt. Dann bleibt auch der Kopf klar. . .