Von heute bis Sonntag präsentieren 2162 Verlage und Editionen aus 36 Ländern auf fast 53 000 Quadratmetern ihre Frühjahrs-Neuerscheinungen. Damit ist die Buchmesse erneut gewachsen. Das begleitende Literaturfestival "Leipzig liest" hat 1800 Veranstaltungen mit 1500 Akteuren an 250 Spielstätten im Programm, so viele wie nie zuvor. Gewachsen ist auch der Hörbuchbereich mit mehr als 120 Ausstellern - darunter alle ARD-Hörfunkanstalten - und rund 100 Veranstaltungen. In der "ARD-Radionacht der Hörbücher" wird zum sechsten Mal der Publikumspreis "HörKules" für das beste Hörbuch 2005 vergeben.
Ein Höhepunkt der Bücherschau ist die nach 2005 zweite Vergabe des mit insgesamt 45 000 Euro dotierten Preises der Leipziger Buchmesse, für den 15 Schriftsteller, Sachbuchautoren und Übersetzer nominiert sind.
Im Rampenlicht steht die junge Literatur. Die zweite Lange Leipziger Lesenacht bietet 40 deutschsprachigen Autoren ein Forum. Erstmals wird auch das Finale der Autorenwerkstatt Prosa des Berliner Literarischen Colloquiums auf der Leipziger Messe ausgetragen. Neben einer Reihe "Jahrhundert-Zeitzeugen" setzen sich im Autorenspecial Literaten aus sieben Ländern mit dem Verhältnis der EU zu potenziellen Neu-Mitgliedstaaten auseinander.
Eröffnet wurde die Messe gestern Abend mit einem Festakt im Gewandhaus, bei dem der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch den mit 15 000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhielt. In seiner Dankesrede übte Andruchowytsch scharfe Kritik an der Europäischen Union.
Die EU solle der Ukraine eine Perspektive im vereinten Europa bieten, forderte Andruchowytsch laut vorab verbreitetem Manuskript. Im Verhältnis der EU zur Ukraine geschehe aber "genau das Gegenteil von europäischer Verständigung". "Die Europäische Verständigung hat nicht stattgefunden", resümierte der Schriftsteller bitter. Stattdessen gebe es nur Visa-Erleichterungen, die in Wirklichkeit keine seien. Die neuen Visa seien doppelt so teuer wie die alten und erforderten biometrische Daten - die EU wähle einen "bushistischen Weg des Selbstschutzes" mit Fingerabdrücken wie bei Verbrechern.
Der Preis für Europäische Verständigung wird seit 1994 von der Stadt Leipzig, dem Freistaat Sachsen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Die Dotierung wurde um 5000 Euro aufgestockt. Andruchowytsch wurde für seinen Roman "Zwölf Ringe" (Suhrkamp) ausgezeichnet, mit dem er den Lesern die Augen "für die vergessene Mitte des Kontinents" öffne, so die Jury. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Ingo Schulze.
Der schwer kranke Düsseldorfer Künstler Jörg Immendorff will morgen auf der Buchmesse seine eigene Bibel-Edition vorstellen. Die Heilige Schrift sei mit 25 Bildern des Schülers von Joseph Beuys und langjährigen Professors der Kunstakademie Düsseldorf illustriert, teilten der Club Bertelsmann, die "Bild"-Zeitung und das Gütersloher Verlagshaus als Herausgeber gestern mit. Immendorff gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Deutschlands. (dpa/sts) www.leipziger-buchmesse.de