"Daß die Herrschaft Lieberose allezeit in einer Corpore (Gesamtheit, d. Red.) verbleibe", hatten sich die Grafen von der Schulenburg gewünscht - diese Hoffnung blieb unerfüllt, die Zeitläufte waren dagegen. 1945 flohen die von der Schulenburgs vor der herannahenden Roten Armee, 1948 wurden sie offiziell entschädigungslos enteignet, was eine Urkunde bezeugt, die in der Ausstellung zu sehen ist.

Auch schon vorher wechselte - allerdings per Verkauf - ein ums andere Mal ein Stück Schulenburg-Land den Besitzer. 1615 beispielsweise verkaufte Joachim von der Schulenburg, dem neben Lieberose auch die Herrschaften Lübbenau und Straupitz gehörten, Letztere, um seine Gläubiger zu befrieden. Sein opulenter Lebensstil war für die ansehnlichen Schulden verantwortlich. "Das heißt allerdings nicht, dass er weniger einflussreich als seine Vor- und Nachfahren gewesen wäre", sagt Dr. Simone Neuhäuser, Kustodin der Pückler-Stiftung Branitz. "Zu seiner Hochzeit schickte selbst der Kaiser Gesandte." Als Kursächsischer Oberkammerherr hatte er eine hohe Stellung am Dresdner Hof Kurfürst Augusts.

11 610 Hektar Land

Die älteste Urkunde in der Ausstellung stammt von 1411, dreifach besiegelt sie den Erwerb der Herrschaft Lieberose durch die Burggrafen von Dohna. Ende des 15. Jahrhunderts dann erstritt sich der böhmische Landvogt Jaroslaw von Sternberg Lieberose und behielt offiziell bis 1848 das Oberlehensrecht. Von ihm belehnt begannen 1519 die Herren von der Schulenburg hier in der Niederlausitz eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, wurden bald Freiherren und Grafen. Sie mehrten den Besitz, sodass sie 1910 immerhin 11 610 Hektar Land besaßen, wozu mehr als 9000 Hektar Wald zählten.

Besonders Joachim von der Schulenburg (1522 - 1594), also ein Vorgänger des barocken Lebemannes, scheint ein gewiefter Ökonom gewesen zu sein. Vielleicht auch war er besonders einfallsreich im Eintreiben von Abgaben. Jedenfalls wurde er ob seines Besitzes der Reiche genannt. Unter anderem nutzte er sein Geld für eine rege Bautätigkeit an Schloss und Kirche in Lieberose. Als einer der Ersten jenseits der Alpen beschäftigte er einen italienischen Architekten. Auch politisch war er gut vernetzt, pflegte zum brandenburgischen wie auch zum sächsischen Kurfürsten gute Kontakte. Gelegentlich lieh er ihnen auch Geld. Wie das von den Untertanen eingetrieben wurde, bezeugen Urbarien, Verzeichnisse von Besitzrechten und zu erbringenden Leistungen der Untertanen. Neben Erbzins und Steuern sind verschiedene Naturalien aufgeführt wie Korn, Hafer, Eier. Gelebt hätten die Schulenburgs aber vor allem vom Holzhandel aus ihren riesigen Wäldern, so Simone Neuhäuser.

Stuckateur aus Italien

Auch von der Baulust seines Nachfahren, Heinrich Joachim von der Schulenburg, 1644 vom Kaiser in den Reichsfreiherrenstand erhoben - die Urkunde ist ausgestellt - ist bis heute im Lieberoser Schloss etwas zu entdecken. Er ließ sich für die damals modernste Raumgestaltung eigens einen Stuckateur aus Italien kommen. Auf Fotografien erhält man in der Ausstellung einen Eindruck von den noch vorhandenen Deckengestaltungen. Zudem geben historische Stiche die heute nicht mehr erhaltene Außenansicht wieder. Noch besser aber ist es, sich direkt im Schloss von der fantasiereichen Deckengestaltung zu überzeugen, rät Simone Neuhäuser. "Der dortige Förderverein organisiert regelmäßig Führungen."

Über rund 400 Jahre war das Adelsgeschlecht derer von der Schulenburg eins der einflussreichsten der Niederlausitz, fast alle mischten auch in der Politik mit. Mehr als 30 Dokumente - Urkunden, Akten, Karten, Pläne und Postkarten - geben Auskunft über Funktion und Aufgaben einer Adelsherrschaft im Laufe der Zeiten. Insgesamt beherbergt das Brandenburgische Landeshauptarchiv im Einvernehmen mit der Familie von der Schulenburg 1700 Dokumente und Objekte, die für die Forschung zur Landesgeschichte genutzt werden. Diese Ausstellung vermittelt einen kleinen Einblick und macht Lust auf einen Besuch in Lieberose.

Zum Thema:
19. Mai, 18.30 Uhr, Schloss Branitz, "Hoch- und wohlgeboren": Die Grafen von der Schulenburg auf Lieberose in der Welt der Niederlausitzer Adelsherrschaften des 15. bis 18. Jahrhunderts. Vortrag Prof. Dr. Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs.17. August, 18.30 Uhr, Schloss Branitz, "Zufriedenstellend untergebracht": Zur schriftlichen Überlieferung der Grafen von der Schulenburg auf Lieberose, Vortrag von Kathrin Schaper und Udo Gentzen, Brandenburgisches Landeshauptarchiv.In Kooperation mit der Brandenburgischen Schlösser GmbH und dem Förderverein Lieberose: Führungen durch das Schloss Lieberose am 30.4.; 21.5., 25.6.; 16.7., 27.8. Kontakt Förderverein Tel.: 033671-2357; - 2233; - 2384.