ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:15 Uhr

„In Cottbus werden die Pferde gewechselt“

Jochen Kowalski hat Spaß daran, eigene Programme zu gestalten und hofft, dass das Publikum Spaß an seinen Programmen hat. Foto: Braun
Jochen Kowalski hat Spaß daran, eigene Programme zu gestalten und hofft, dass das Publikum Spaß an seinen Programmen hat. Foto: Braun FOTO: Braun
Der weltberühmte Altus Jochen Kowalski und das Salonorchester „Unter'n Linden“ laden am Sonnabend zu einer Reise durch die Caféhäuser des alten Europa ein. Um 19.30 Uhr ist Treffpunkt im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus.

Herr Kowalski, Sie versprechen, Ihr Publikum mitzunehmen auf eine Europareise. Wo geht's los, wo geht's hin?

(Ich verstehe Sie ganz schlecht, hier kommen gerade Straßenmusikanten vorbei. Ist das nicht toll, dass man am 7. November, dem Tag der Oktoberrevolution, in einem Straßencafé sitzen kann in der Sonne?)

Apropos Café - gehen wir auf Reise?

Das ist das richtige Wetter für unsere musikalische Reise durch Caféhäuser des alten Europa. Wir starten in Budapest, reisen nach Wien und von dort über Cottbus nach Warschau. In Cottbus werden die Pferde gewechselt. Das macht der Cottbuser Postkutscher. Von Warschau geht's weiter nach St. Petersburg, dann nach Moskau und von dort über Paris nach Berlin. Überall hören wir in die Caféhäuser rein, was im alten Europa so gespielt und gesungen wurde, was damals Unterhaltung für die Leute war, bevor es Radio, CD oder Fernsehen gab.

Caféhaus-Musik - was reizt einen international gefeierten Altus an solcher - mit Verlaub - Schmusemusik?

Spaß an der Freude - mal was anderes machen. Außerdem ist das gar keine Schmusemusik. Ich hoffe, unser Programm macht auch dem Cottbuser Publikum Spaß. In Berlin waren wir im Tipi, das war ein Riesenerfolg. Aber ich freue mich wirklich auf Cottbus, ich finde, unser Caféhaus passt wunderbar in Ihr schönes Theater. Das ist ein Juwel und man kann nur hoffen, dass immer genug Geld da ist, dass das alles erhalten bleibt.

Das hoffen wir auch. Könnte man sagen, es ist Musik der 20er-Jahre?

Nee, nee, das machen ja alle. Wir spielen Tschaikowski, Chopin, Brahms, Dunajewski. Es ist Musik der letzten 160 Jahre. Die großen Virtuosen wie Chopin und Liszt zogen durch Europa, um ihre Musik bekannt zu machen und waren genauso berühmt wie David Garrett und Lang Lang.

(Entschuldigung, ich muss noch mal vom Thema abschweifen: Ich sehe gerade, wie ich einen Strafzettel bekommen. Naja, davon bricht die Welt nicht zusammen.)

Das ist ein ereignisreiches Interview.

Ja, nicht? Das Konzert jedenfalls wird musikalisch bis in die Tonfilmzeit reichen. Alles, was eben so in den berühmten Caféhäu sern der Hauptstädte des alten Europa erklungen ist.

Sie versprechen berührende Momente, aber auch überraschende - womit überraschen Sie?

Also ich kann doch die Überraschung jetzt nicht verraten. Frau Marschall - da kommt doch dann keener mehr.

Gut, überredet. Sie waren 2010 mit "Klassikjazz" in Cottbus, jetzt "Café Europa" - zwei eigene Tourneeprogramme. Spielt die Opernbühne keine Rolle mehr für Sie?

Doch, ich habe gerade in Japan in der "Fledermaus" gesungen, bereite mich jetzt für die Salzburger Pfingstfestspiele auf eine Rolle in "Julius Cäsar" mit Cecilia Bartoli vor. Wenn die richtigen Partien kommen, dann spiele ich auch Oper.

Hatten Sie nicht mal behauptet, es sei vorbei mit dem Jetset?

Ich suche mir aus, was ich mache. In Japan war ich acht Wochen.

Es heißt ja, das japanische Publikum ist so begeisterungsfähig . . .

Wie die Cottbuser beim Jazzkonzert. Ich habe das in ganz toller Erinnerung.

Gut, reden wir nicht über Japan - was sind denn Ihre nächsten Pläne?

Na, ich arbeite schon wieder an einem neuen Programm, einem Liederabend. Dann mache ich mit Dieter Mann zusammen Abende mit Puschkins "Pique Dame". Dieter Mann liest und ich singe russische Romanzen nach Puschkin-Texten. Dann erfordern die Pfingstfestspiele meine volle Konzentration und ich bin dauernd weg zu Proben in Zürich und Salzburg. Erstmal muss ich mir einen Italienisch-Lehrer suchen. Außerdem mache ich für den rbb eine Sendung "Kirchen, Klöster und Kneipen". Ich habe also erstmal genug zu tun. Wichtig ist, dass man gesund bleibt.

Was für Lieder werden das sein, in Ihrem neuen Liederabend?

Das sind Lieder von Max Kowalski, der "Pierrot lunaire" vertont hat. Er war mit Arnold Schönberg befreundet. Max Kowalski musste aus Nazideutschland emigrieren, weil er Jude war, und ist verarmt in London gestorben. Seine Lieder habe ich wiederentdeckt - auf dem Trödelmarkt. Irgendwie kommen die Sachen immer zu mir, ich suche ja nicht. Dieses Notenalbum wollte von mir entdeckt werden. Ich werde mich also meines Namensvetters, der familiär nichts mit mir zu tun hat, annehmen. Das wird ein Liederabend mit Kompositionen des 20. Jahrhunderts - Schostakowitsch, Max Kowalski und noch paar andere.

Zurück ins Caféhaus: Sie haben für Ihre Tour ein richtiges Salonorchester dabei, das heißt "Unter'n Linden" . . .

Das ist ein besonderes Salonorchester. Seine Musiker sind alle Mitglieder der Staatskapelle Berlin, erstklassige Solisten, die von ihrem Chef Daniel Barenboim freibekommen haben für ein eigenes Programm. Sie haben mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, gemeinsam etwas zu machen. Und nun sind wir am Sonnabend in Cottbus.

Mit Jochen Kowalski

sprach Renate Marschall

Karten beim Besucherservice des Staatstheaters Cottbus, Tel. 0355/78 24 24 24