Das Buch atmet Trauer und Empörung, aber auch Wärme und Poesie. Eindringlich beschreibt Ingrid Bachér den Totentanz der Häuser, so als nehme sie selbst Abschied von Haus, Hof, üppigen Obstbäumen Feldern und darin wohnenden Erinnerungen.

Niemals lässt sie einen Zweifel an der Perspektive. Die Schriftstellerin sieht mit den Augen jener, die etwas zu verlieren haben, denen man eingetrichtert hatte, sie müssten Opfer bringen, sonst würde eines Tages das Licht ausgehen. Ihre Haltung drückt sie in unmissverständlichen Worten aus: Das Land wird "vergewaltigt", "geschlachtet", der Bagger ist ein "Parasit".

Versöhnung, Aufeinanderzugehen scheint unmöglich. "Da Technik keine Begrenzung duldete, bescherte sie uns unaufhaltsame Beschleunigung und Verbrauch", schreibt sie. Statt auf Beschleunigung setzt sie auf Entschleunigung, ohne das heute oft gebrauchte Wort zu strapazieren.

Die prominente Düsseldorfer Autorin, Urenkelin Theodor Storms, hat an ihrem neuen Roman "Die Grube" fast 25 Jahre gearbeitet. Nun blickt sie zurück auf den ohnmächtigen Protest der Bewohner eines Dorfes und die rigorose Auskohlung eines ganzen Landstrichs.

Aber das Trauerspiel um Garz-weiler war erst der Beginn, dokumentiert die Autorin: "Zum Opfer gefallen waren ihm der Lebensraum von 32 000 Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, 135 Ortschaften, dabei viele denkmalgeschützte Höfe, Schlösser und Kirchen." In der niederrheinischen Ebene sollten mit Garzweiler II nochmals 18 Dörfer den dumpfen Aufprall der Abrissbirne zu spüren bekommen.

So wie das letzte Tageslicht besonders aufleuchtet und alles im wärmeren Glanz hervorhebt, bevor es erlischt, so erging es auch dem sterbenden Dorf Garzweiler, beschreibt Ingrid Bachér in poetischer Sprache, die immer wieder in Empörung badet.

Im Mittelpunkt des Romans steht eine fiktive Familie im realen Garzweiler. Simon verspricht dem Vater am Sterbebett, den Hof nicht zu verkaufen. Die Umsiedlungen im Dorf stehen unmittelbar bevor, die Verhandlungen über den Verkauf der Häuser laufen.

Wie Edgar Allen Poes Pendel kommt die Grube unheildrohend immer näher. Doch Simon macht den Widerstand gegen die Ausweitung des Abbaugebietes zu seiner Sache. Er will Erinnerungen und Geschichte bewahren, wehrt sich gegen den Raubbau an der Natur.

In diesem auf authentische Fakten basierenden Zeit- und Empörungsroman zeigt die 81-jährige Autorin, wie Lebensspuren ausgelöscht werden. Es ist nicht nur ein Roman über die Zerstörung heimatlichen Bodens. Ingrid Bachér geht es um mehr: um die Bewahrung der Erde für den Menschen. Ihre Gedanken sind unbequem und unnachgiebig, werden auch Widerspruch und Gegenwind erzeugen. Aber sie gehen an die Grundfesten menschlicher Existenz: Wird nicht viel zu viel Unwiederbringliches kurzfristigen Interessen geopfert? Eine Frage, die auch während der Lesungen in unserer Region gewiss für Nachdenklichkeit und Zündstoff sorgen wird.

Lesungen in der Lausitz:

23. April: Ev. St. Michael-Kirche, Spremberg

25. April: Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus in der Reihe Lausitzer Lesart, Moderation: Hendrik Röder

26. April: Fabrik e.V. Guben in Kooperation mit dem Pfarrer Matthias Berndt aus Atterwasch in Guben, Mittelstr. 18

Beginn überall: 19.30 Uhr.