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| 14:26 Uhr

Über Land
Im Kunstbus durch die Oberlausitz

Die Philosophieausstellung Sophia bildet einen Anziehungspunkt für die Kunstbus-Fahrgäste im LebensGut Pommritz.
Die Philosophieausstellung Sophia bildet einen Anziehungspunkt für die Kunstbus-Fahrgäste im LebensGut Pommritz.
Bautzen. Am 9. und 10. Juni geht es zum fünften Mal auf Tour. Diesmal stehen auch Dörfer im Fahrplan. Von Uwe Menschner

Neuland unterm Pflug – so hieß ein bekannter Roman von Michail Scholochow. Neuland unter den Rädern – so muss es leicht abgewandelt hinsichtlich des Kunstbusses heißen, der in diesem Jahr in eine wirklich extrem ländliche Region vorstößt. Pommritz und Kuppritz – so lauten die Namen der Orte, die der von der Kunstinitiative „Im Friese“ e.V. aus Schirgiswalde-Kirschau und vom Landkreis Bautzen initiierte vierrädrige Kulturbotschafter ansteuert. Beide liegen in der Gemeinde Hochkirch am östlichen Rand des Kreises und haben sich in der Vergangenheit eher selten als kulturelle Leuchttürme hervorgetan.

Wobei, im Falle von Pommritz muss man diese Aussage relativieren. Ist hier doch das LebensGut ansässig – eine Einrichtung, die sich im weitesten Sinne dem nachhaltigen Leben im ländlichen Raum verschrieben hat und somit durchaus auch in der Vergangenheit schon eine spezielle Art von Kultur praktizierte. „In den vergangenen Jahren hat bei uns ein tiefgreifender Wandel stattgefunden“, erklärt Projektentwicklerin Katrin Spiesberger. Nachdem sich „das vorherige Modell als nicht so erfolgreich erwiesen hatte“, baut der neue Eigentümer, die WBS Training AG (sie erwarb das Gelände im Jahre 2014), das LebensGut zu einem „Bioseminarhaus“ um. Zuvor hatte das LebensGut als ökologische Modell-Kommune durchaus überregionale Beachtung erlangt, war letzten Endes jedoch an sich selbst gescheitert.

Aus der Übergangszeit zwischen alten und neuen Eigentümern stammt die Philosophieausstellung Sophia, die den Ankerpunkt für den Kunstbus in Pommritz bildet. Weitgehend vom Bautzener Museumspädagogen Ulrich Schollmeyer gestaltet, bietet sie den Besuchern tiefe Einblicke in die Entwicklung von Weltbildern von der Antike bis in die Moderne. Der Schöpfer der Modelle wird selbst anwesend sein und „auf spektakuläre Art und Weise einige der Ausstellungsstücke näherbringen.“

Aber was prädestiniert Kuppritz – ein Dörfchen, von dem wohl selbst die meisten Bewohner des Landkreises Bautzen noch nicht gehört haben dürften, zum Kunstort? Antwort gibt Sebastian Flämig, Vorsitzender des „Freundeskreis Schloss Kuppritz e.V.“: „Seit 2011 bauen wir das Schloss zu einer Musikakademie und kulturellen Begegnungsstätte aus.“ Die dabei bereits erzielten Ergebnisse sind beachtlich: So bildete der „Blaue Saal“ schon mehrfach den Schauplatz für Konzerte der kleinen klassischen Form. Auch am 9. und 10. Juni wird es jeweils 15 Uhr ein Konzert mit Musikschülern geben. Hinzu kommen Führungen durch das Schloss und den benachbarten Park (Letztere mit dem Landschaftsarchitekten Falk Lorenz.)

Angesichts dessen treten die klassischen Kunstbus-Zielorte Bautzen und Kirschau fast ein wenig in den Hintergrund. Dabei beteiligt sich Bautzen diesmal nicht mit seinen bekannten kulturellen Höhepunkten, sondern mit einem Stadtteil, der einem in diesem Zusammenhang nicht unbedingt als Erstes einfällt: dem Wohngebiet Gesundbrunnen. „Wir wollen eine richtige Kunstmeile zwischen der Curie-Straße und dem Kaufland anbieten. Niederschwellige Angebote sollen dabei zum Mitmachen einladen“, betont Mitorganisator Andreas Oschika von der Caritas. Eine besondere Rolle spielt dabei die frühere Konsum-Bäckerei „Kaskade“, die an diesem Wochenende temporär als Kulturort wiederbelebt wird. Hinzu kommen Balkonkonzerte, eine Freiluftgalerie und ein Flohmarkt. Dies bildet nur einen Ausschnitt aus den vielfältigen Aktivitäten rund um den Kunstbus.

Das komplette Programm und organisatorische Hinweise gibt es unter www.kunstbus-oberlausitz.de.