Sie gilt als neuer Stern am Schlagerhimmel - passend dazu schwebt über der Bühne ein Sternenzelt, als Helene Fischer in einem glitzernden Schmetterlingskleid ins Scheinwerferlicht schreitet. Cottbus habe für sie eine besondere Bedeutung, sagt sie unter frenetischem Applaus, denn hier war ihr erster Fernsehauftritt beim „Hochzeitsfest der Volksmusik“ im Mai 2005: das Duett mit Florian Silbereisen, Startpunkt ihrer kometenhaften Karriere.
Zwei Goldene Schallplatten, verschiedenste Preise, die vor zwei Monaten von der Goldenen Henne als „Aufsteigerin des Jahres“ gekrönt wurden - dass sie ihr Glück selbst kaum fassen kann, ist Helene Fischer auch in Cottbus anzumerken. „Ich stehe hier mit all meinem Mut und meinen Liedern, und selbst mit aller Fantasie hätte ich mir nicht träumen lassen, dass in kurzer Zeit so viel passieren kann“ , sagt sie und ermuntert auch das Publikum, Mut zum Gefühl und zur Fantasie zu haben.
Die knapp 2000 Lausitzer lassen sich das nicht zweimal sagen. Spätestens bei ihrem Hit „Mitten im Paradies“ ist das Eis gebrochen: Grau melierte Pärchen tanzen neben Enddreißigern an der Bühne, ein spontaner Männerchor bildet sich. Erste Blumen werden gereicht, was sich zum teilweisen Schlangestehen ausweitet.
Und Helene Fischer gibt sich so, wie die Fans sie lieben: Jeder Blumenbringer wird umarmt, ihre Freude ist nicht gespielt. Die Natürlichkeit ist es, womit sie - die im sibirischen Krasnojarsk geboren ist und dreijährig nach Deutschland kam - punkten kann. Egal, ob sie sich gelegentlich verhaspelt, sich mit dem Schuh im Kleid verhakt oder eine Textzeile vergisst - die Fans entschuldigen alles. Denn es ist auch die Souveränität, mit der Helene Fischer in ihrer ersten Tournee beeindruckt. Sie sprüht förmlich vor Freude, ihre Lieder vorstellen zu können. Wie Matthias Sagorski, ebenfalls eine Neuentdeckung, mit dem sie ein Duett präsentiert. Und so singt sie, begleitet von ihrer neunköpfigen Band, immer wieder von einsamen Nächten, fliegenden Träumen und vielen Gefühlen - eben dem Stoff, aus dem die Schlager sind.
Aber auch und gerade bei „geliehenen“ Liedern anderer Künstler kommt die ausgebildete Musicaldarstellerin zum Vorschein. Ob „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay, „Power of Love“ von Jennifer Rush oder als Hommage an ihren Geburtsort das russische „Kalinka“ - ihre glasklare Stimme erfüllt die Stadthalle und taut selbst die sprödesten Lausitzer auf.
Dass sie wandelbar ist, zeigen nicht zuletzt ihre Outfits: Mal erscheint sie zart und engelsgleich im weißen Hosenanzug, mal im sündhaft roten Kleid oder rockig in Lederhosen. Leichtfüßig tanzt sie „Im Kartenhaus der Träume“ , singt ein Liebeslied für ihre Mutter und verabschiedet sich, eingerahmt von Feuerwerk. Doch das Publikum lässt sie nicht gehen, bevor sie noch drei Zugaben gesungen hat, bei denen es fast keinen mehr auf den Sitzen hält. Schon am 13. Dezember wird sie wieder nach Cottbus kommen, zum „Weihnachtswunderland“ mit Patrick Lindner. Und dabei nicht nur ihr Publikum glücklich machen. Sondern auch sich selbst.