Sein durch eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung angegriffener Gesundheitszustand, sagt er, könne sich jederzeit so verschlechtern, dass er einfach eine andere Arbeitsweise finden müsse. "Ich liebe es, auf Tour zu sein. Es ist der beste Job der Welt." Rea hatte ihn über ein Vierteljahrhundert lang inne. Um ihn ein letztes Mal im Konzert zu erleben, kamen am Sonnabend über 3000 Besucher ins lange ausverkaufte Tempodrom.
Sie sahen einen 55-Jährigen Ausnahmegitarristen, der noch einmal sein ganzes Können so energie- und eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass es schwer fiel, in ihm einen schwer kranken Mann zu sehen. In seinem Spiel wirkte Rea derart kraftstrotzend, dass einem Zuschauer nur ein lauthals herausgeschrieener Kommentar "Wahnsinn" einfiel.
Abgesehen von seinem virtuosen Slidegitarrenstil erlangte Rea die Sympathie vieler Musikfans immer auch durch seine zurückhaltende Art, die ihn zum Anti-Star ohne Schlagzeilen machte Bis er eben vor sechs Jahren schwer erkrankte und mehrere komplizierte Operationen über sich ergehen lassen musste. Die retteten ihm nicht nur das Leben, sondern brachten ihm auch die Erkenntnis, auf dem Weg zurück ins Leben seine Musik mit zu verändern. "Ohne die Krankheit hätte ich vielleicht weiter gemacht wie zuvor, aber mein ganzes Leben hat sich eigentlich völlig geändert", sagte er. Den Schmuserocker Rea gab es nicht mehr. Stattdessen gründete er sein Label Jazzee Blue und veröffentlichte darauf Alben mit teilweise archaischem Blues. Letzten Herbst hatte er sogar ein Werk mit gleich elf Alben unterschiedlichster Bluesrichtungen herausgebracht. Wie sehr der Blues in ihm steckt zeigte er auch im Tempodrom, dennoch waren auch die alten Hits wie "Josephine", "Julia" und "On The Beach" zu hören. In angerauter Schale.