Über den Chatroom „noway.2die“ lernt August im Internet Julie kennen. Beide sind übersättigt vom Leben, wissen nichts mehr mit sich anzufangen und wollen sich selbst umbringen. Gemeinsam natürlich. Sie beschließen sich in Norwegen auf einem Felsen zu treffen, eine Nacht dort im Zelt zu schlafen und am nächsten Morgen von der Klippe zu springen.
Bernd Färber spielt den jungen August. Der 28-Jährige aus Augsburg ist Gast im Ensemble an der Neuen Bühne und steht zum ersten Mal in Senftenberg im Rampenlicht. „Die Lausitz ist wirklich ein schönes Fleckchen Erde, ich bin froh, hierher gekommen zu sein“ , erklärt er und lächelt. Ab der nächsten Spielzeit, die im September beginnt, ist Bernd Färber festes Mitglied im Ensemble. Weil vier andere Schauspieler aussteigen, kommen drei neue ans Senftenberger Theater. Einer von ihnen ist der smarte Bayer.
Nach vier Jahren Studium am Salzburger Mozarteum hat Bernd Färber einige Jahre im festen Ensemble des Rheinischen Landestheaters in Neuss in Nordrhein-Westfalen gespielt. „Dort habe ich Sewan Latchinian kennengelernt, der damals dort Intendant war“ , sagt er. Durch den Kontakt zu ihm sei er nun in Senftenberg gelandet.
In der Rolle der Julie ist Inga Wolff zu sehen, die schon eine feste Größe an der Neuen Bühne ist. „Die beiden Jugendlichen haben eigentlich keinen Grund zu sterben. Ihnen fehlt einfach ein Grund, um weiterzuleben“ , erklärt Bernd Färber. Vor dem vermeintlichen Sprung in die Tiefe wollen sie noch Postkarten und Abschiedsbriefe schreiben und filmen sich mit einer Videokamera, um ihren letzten Abend festzuhalten. „Dann entwickelt sich aber alles anders als geplant“ , so Färber. Die stimmungsgeladene Nacht, das Gefühl der Nähe und die Abschiedsreden blieben eben nicht ohne Folgen. „Im Angesicht des möglichen Todes spüren sie das Leben und begreifen, dass nicht alles nur ,fake' ist“ , verrät der Schauspieler, der ein leidenschaftlicher Kaffeehaussitzer ist und dort auch gerne seine Texte lernt. Nicht ganz einfach so zu spielen. „Es ist der aktive Umgang des Menschen mit seiner Not“ , sagt Färber. Die mühsam aufgebaute Hülle von August bröckele eben ab und zu. Er und Julie lebten in einem regelrechten Zwiespalt. „Sie zeigen etwas, was sie aber nicht fühlen. Fühlen etwas, was sie nicht zeigen. Und das muss ich darstellen“ , erklärt der 28-Jährige. Dafür setzt er sich Tag für Tag mit dem Text und dem Stück auseinander. „Ich tauche jedesmal neu in meine Rolle ein, wenn ich spiele“ , erläutert der Schauspieler.
Wie viel von ihm selbst in der Rolle des August stecke? „Ich hatte noch nie vor, mich umzubringen“ , antwortet Bernd Färber, lacht und schüttelt den Kopf. „Aber im Ernst, in jeder Rolle steckt natürlich ein wenig von der eigenen Persönlichkeit“ , ergänzt er. Ein bisschen schüchtern sei er auch. „Und einen Punkt im Leben, an dem man glaubt, nicht weiterzukommen, den hat jeder irgendwann.“
So sei das auch bei August. „Doch plötzlich, wenn er vor dem Abgrund steht und realisiert, was er vorhat, merkt er, dass er einfach weg ist, wenn er stirbt“ , beschreibt Färber das Szenario. Im Chatroom, einer abgeschlossenen Welt, sei man noch stark, könne große Töne spucken. „Wenn man dem Tod dann ins Auge sieht, wird man plötzlich ganz klein“ , sagt er und zieht dabei die Schultern hoch und den Kopf ein. Diese Widersprüchlichkeit wolle das Stück, das von Jürgen Eick inszeniert wird, aufzeigen und damit den Zwiespalt, in dem sich Jugendliche häufig wiederfinden. So ist „norway.today“ , das auf einer wahren Begebenheit beruht, ein Paradoxon: Eine Komödie über Sinn und Unsinn des Lebens, eine Selbstmordstory, die Lebensmut vermittelt und ein Egotrip, bei dem Freundschaft entsteht.
„Das Stück ist besonders für Jugendliche gedacht“ , erklärt Anne Zwanzig von der Neuen Bühne. Denn Selbstmord sei die zweithäufigste Todesursache in Deutschland in der Altersgruppe bis 20 Jahre. „Die Nachfrage der Schulen ist deshalb groߓ , fügt sie hinzu. Die Schulvorstellungen seien wie die Premiere schon fast alle ausverkauft. Nur für die Abendvorstellungen gebe es noch Karten.

Service Weitere Aufführungen
 Das Stück „norway.today“ wird außerdem an folgenden Terminen im März und im April an der Neuen Bühne Senftenberg zu sehen sein: Freitag, den 23. März, Mittwoch, den 4. April und Freitag, den 13. April.
Die Vorstellungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr auf der Studio-Bühne.