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Hypochonder zum Lachen

Bad Liebenwerda. Das 14. Internationale Puppentheaterfestival im Landkreis Elbe-Elster stellt noch bis zum Sonntag mit 19 österreichischen und deutschen Theatern und 30 Inszenierungen bei 67 Veranstaltungen die Vielfalt des Puppentheaters unter Beweis. Jürgen Weser

Eröffnet wurde das Festival am 15. September im Beisein von Kulturministerin Prof. Sabine Kunst (perteilos) mit dem ,,Orest" als Objekttheater durch Manfred Siragusas Theater "Babelart" aus Wels in Österreich. Zum Höhepunkt geriet die Molière-Komödie ,,Der eingebildete Kranke" vom Hamburger ,,Ambrella-Theater" mit Heike Klockmeier zur ,,Langen Nacht des Puppenspiels" in Bad Liebenwerda.

Die in Sachsen aufgewachsene Heike Klockmeier, die seit 1995 als Puppenspielerin arbeitet, sorgte für tolle Marionetten- und Schauspielkunst. Eingebildete Kranke kennen wir ja alle. Aber der französische Dichter Jean Baptiste Molière hat in seiner Komödie aus dem 17. Jahrhundert ein besonderes Exemplar aufgespießt und gleichzeitig Scharlatane, Ärzte und Betrüger mit entlarvt. Das alles wird verblüffend aktuell mit Anspielungen auf das heutige Gesundheitssystem auf die Bühne gebracht. Zur großen Freude und zum Amüsement für das Publikum. Verstärkt wird das alles noch, da die Regieanweisungen in dieser Inszenierung des ,,Ambrella-Theaters" von ganz oben kommen, durch die Schutzengel Kasper und Gretel, die in den Wolken sitzen und dafür sorgen, das Spiel auf die Spitze zu treiben. Die beiden "Regisseure" wollen Ludwig XIV., dem stinkenden Sonnenkönig, helfen. Er hat Langeweile. ,,Es gibt keinen Krieg, keine Feste und der Arsch tut mir weh", jammert er. Also verabreicht der Hausarzt überdimensionale Einläufe, und der leidende Molière muss sich das Spiel um den eingebildeten Kranken ausdenken.

Argan sitzt als große Klappmaulpuppe im Rollstuhl und ist die personifizierte Karikatur des Hypochonders. Klockmeier lässt ihn furchterregend husten und die Stimme röchelt. Solistisch beherrscht sie temporeich die verschiedenen großen und kleinen phantasievoll und monströs-karikativ von Jürgen Maaßen gebauten Marionetten und Handpuppen, bringt deren skurrilen Humor zur Geltung und setzt sich selbst als Spielerin des schleimenden Hausarztes von Ludwig in Szene.

Das ist Marionettentheater auf hohem Niveau. Die pointenhafte Bearbeitung der Molière-Komödie als Stück im Stück überzeugt - vom monströsen Königsstuhl als Bühnenbild über den nahtlos gespielten Figurenwechsel Klockmeiers bis zu ihrer hinreißend sächselnden Zunge mit stimmlicher Wandlungsfähigkeit. Zum Finale gibt es statt Klistieren hochprozentige Verdauungshilfen. Ganz zur Freude der Zuschauer.

,,Der eingebildete Kranke" mit Heike Klockmeier ist noch einmal am Freitag um 20 Uhr bei der Zobel&Co GmbH in Doberlug-Kirchhain zu erleben. jgw1 Alle Veranstaltungen unter: www.puppentheaterfestival-ee.de