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| 15:50 Uhr

Lieder mit Kult-Status
„Lass mich nicht gehen ... ohne Abschiedsgruß“

Lieblingssongs von und für Manfred Krug gab es am Samstagabend im Amphitheater. Tochter Fanny (l.) war im Duett mit Thomas Putensen zu erleben.Mit dabei waren auch seine langjährigen Freunde und Musiker.
Lieblingssongs von und für Manfred Krug gab es am Samstagabend im Amphitheater. Tochter Fanny (l.) war im Duett mit Thomas Putensen zu erleben.Mit dabei waren auch seine langjährigen Freunde und Musiker. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / STEFFEN RASCHE
Großkoschen. Berührende Hommage an Manfred Krug im Amphitheater Senftenberg mit Uschi Brüning, Charles Brauer und anderen Weggefährten. Von Ida Kretzschmar

Der Himmel weint. Als hätte er nach diesem langen heißen Sommer auf einen Anlass gewartet, Abschied zu nehmen. Weggefährten erinnern Samstagabend im Amphitheater der Neuen Bühne Senftenberg an den Sänger und Schauspieler Manfred Krug, der am 21. Oktober vor zwei Jahren starb. „Lass mich nicht gehen so ohne Abschiedsgruß“, singt Fanny Krug im Duett mit Thomas Putensen einen der Songs von der CD „Manfred Krug – seine Lieder“.

Eigentlich sollte es „meine Lieder“ heißen, erzählt Charles Brauer, der gemeinsam mit Manfred Krug (Kommissar Paul Stoever) als Peter Brockmöller „Tatort“-Geschichte geschrieben hat. Manne Krug, wie ihn Freunde und Fans nennen, wollte ihnen mit einer Werkschau ein besonders Geschenk zu seinem 80. Geburtstag machen. Er konnte die CD nicht mehr vollenden. Das übernahmen Weggefährten.

„Seine Texte sind lebendig. Sie wollen gesungen werden“, sagt seine Tochter Fanny Krug. In ihrem Jazz-Feeling ist sie ihrem Vater sehr nah, der mit seinen versponnenen und poetischen, nach Freiheit riechenden, lässig vorgetragenen Liedern in der DDR Kultstatus erreichte. Er hatte ein wenig gebraucht, um Fanny zu zeigen, wie gut er es fand, dass sie auch singt. „Irgendwann haben wir angefangen, es zusammen zu tun. Eine Zeit, von der ich immer zehren werde“, bekennt seine Tochter.

Mit bemerkenswerter Stimme und Ausstrahlung sorgt sie mit für diese berührende Abschiedsstimmung in „Bad Senftenberg“, wie Charles Brauer den Ort tauft und damit (unbewusst) etwas Zukunftsmusik rund um den Kohlenpott verbreitet. An diesem leisen, melancholischen, besinnlichen, aber durchaus auch heiteren Abend wird Manne Krug gefeiert. „Eigentlich heißt es ja, dem Mimen flicht man keine Kränze. Wir aber wollen es tun. Denn in den Herzen und Köpfen wurden ihm schon zu Lebzeiten Kränze geflochten“, kündigt der 83-jährige Charles Brauer an. Eine Verneigung nicht nur vor dem Schauspieler und Sänger, sondern auch vor dem Poeten. Alle klug pointierten Texte, die an diesem Abend gesungen werden, hat Krug erdichtet.

Die Videoleinwand zeigt den Charmebolzen, der als widerspenstiger Balla im Defa-Film „Spur der Steine“ berühmt wurde. Den Stülpner Karl mimte er genauso überzeugend wie später im Westen „Liebling Kreuzberg“ und den „Tatort“-Kommissar Stoever. Bei ganz frühen Auftritten und auch bei den letzten Aufnahmen ist er zu sehen . Sein Studiostuhl steht nun auf dieser Bühne. Er bleibt leer. Und doch ist dieses beliebte Raubein unheimlich präsent. Ja. für einen magischen Augenblick hat man das Gefühl, seine unverkennbare markante Stimme dringt direkt aus dem Swing-Himmel auf die Bühne. „Baby It’s cold outside“. Gänsehaut, die nicht von den kühlen Temperaturen kommt. Oh Wunder der Technik, er ist selbst im Duett mit seiner Tochter Fanny zu hören. Dazu kommt ein übermütiger Wind auf, der seinen Schabernack mit den Notenblättern und die Künstler zur Improvisation treibt.

Eines solchen Fingerzeigs bedürfen freilich die Jazz-Musiker nicht, die sich mit Hingabe den Krug-Songs widmen. Seine Band sorgt für den unverwechselbaren Sound: Wolfgang (Zicke) Schneider am Schlagzeug, der wohl alle Krug-Konzerte begleitet hat, Andreas Bicking an Saxofon und Flöte, von ihm stammen die meisten Arrangements dieses Abends, Matthias Bätzel am Piano und Tom Götze am Bass.

Als Krug in den Westen ging, hatte er mit dem Album „Da bist du ja“ einen Flop gelandet, erzählt Charles Brauer. Seitdem war Musik zu einer heimlichen Leidenschaft geworden, die sie dann durch die Hintertür als swingende Kommissare wieder aufleben ließen. Ab 2014 aber gibt es mit der CD „Auserwählt“ ein wahres Rückkehr-Fest, mit Gold und Platin gekrönt. Gemeinsam mit Uschi Brüning wird Manne Krug auf Konzerten gefeiert. Hier nun singt die unvergleichliche Jazz-Sängerin, von der Plenzdorfs Held in „Die Leiden des jungen W.“ sagte: „Wenn die Frau anfing, ging ich immer kaputt“, ein Lied, das gleichsam vom Grund der Nacht kommt. Die Brüning haucht, hallt und klagt Verlassenheit: „Nur das eine wollen wir nie wieder sein. Allein“. Beifallsstürme und Zugabe signalieren im ausverkauften Amphitheater: Es gibt ein Rezept dagegen. „Dreh‘n sie die Scheibe (zu Hause) um und legen Sie sie noch einmal auf.“