Sie nehme all die großen Themen auf, die ihn sein Leben lang beschäftigt haben, sagte Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt am Freitag, einen Tag vor der Eröffnung der Retrospektive zum 80. Geburtstag des Künstlers. Tübke, Mitbegründer der "Leipziger Schule", gilt als einer der wichtigsten ostdeutschen Maler. Er war im April 2004 kurz vor seinem 75. Geburtstag gestorben. Zu seinem Werk zählen 400 oft opulente und detailverliebte Gemälde und Tausende Zeichnungen. Die Schau zeigt bis zum 13. September etwa 90 Gemälde aus einem halben Jahrhundert. Danach wandert sie zum Kunstforum der Berliner Volksbank nach Berlin. "Es ist eine wunderbare Ausstellung", sagte die Witwe des Malers, Brigitte Tübke-Schellenberger. Das Besondere sei die Fülle. "Es gibt von meinem Mann 400 erfasste Gemälde, das ist nicht viel. Andere Maler schaffen das in einem halben Jahr", sagte sie. Einige der gezeigten Exponate stellte sie zur Verfügung, andere stammen aus dem kleinen Museum der von ihr gegründeten Tübke-Stiftung. "Meine Wohnung sieht jetzt etwas ausgeräumt aus", sagte Tübke-Schellenberger. Das älteste Werk der Retrospektive ist ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1953, die jüngsten Exponate sind Landschaftsdarstellungen aus den 90-er Jahren. Tübke hatte bis kurz vor seinem Tod gearbeitet. Ein Höhepunkt vor allem für die Leipziger sind die sogenannten "Astoria"-Bilder. Dabei handelt es sich um den großformatigen Zyklus "5 Kontinente", der bis 1995 im Restaurant des zu DDR-Zeiten auch bei West-Journalisten beliebten Hotels "Astoria" am Leipziger Hauptbahnhof hing - und erstmals seither wieder zu sehen ist. In den 1960er-Jahren hatte Tübke die Leipziger Malschule mitbegründet, zu deren herausragenden und international bekannten Repräsentanten heute Neo Rauch oder Matthias Weischer gehören. Berühmt machte ihn das weltweit größte mit Pinsel und Palette hergestellte Rundgemälde zum deutschen Bauernkrieg 1525 auf dem einstigen Schlachtfeld hoch über Bad Frankenhausen - geschaffen in zwölfjähriger Arbeit im Auftrag der SED. Nach der Wende hatte Tübke die in der DDR erhaltenen Staatspreise zurückgegeben und das damit verbundene Geld gespendet. Er wollte - wie sein Zeitgenosse Bernhard Heisig - kein Staatsmaler sein. dpa/pb