Dennoch ist natürlich nicht zu verhindern, dass der zeitweilige Lebens- und Bühnenabschnittspartner Frank Schöbel öfter mal eine Rolle spielt.

"Hoki-Hoki statt Lucky-Lucky", versucht der Senftenberger Intendant das Gespräch auf die Hauptspeise des Abends zu lenken. Denn immerhin haben die beiden in der Bühnenküche Hokifilets mit Linsen-Zucchini-Salat zuzubereiten, was Chris Doerk sofort mit der Bemerkung würzt, dass sie so etwas zu Hause niemals kochen würde. Dafür verrät sie ihr Bigos-Rezept und als Zugabe, dass Frank Schöbel nicht nur erfolgreich 1964 mit "Lucky-Lucky" in den Schlagerhimmel aufgestiegen sei, sondern überhaupt gern Tag und Nacht Lucky-Lucky gemacht habe.

Was sie ihm offenbar inzwischen nicht mehr nachträgt.

Im siebten Jahr war die Musiker-Ehe 1974 am Ende. Nach Jahrzehnten aber singen die beiden wieder gemeinsam auf Tournee. "Wir verstehen uns nun wie Bruder und Schwester", versichert Chris Doerk. Am 22. Juli kommen sie mit Band ins Amphitheater der Neuen Bühne Senftenberg.

Kuba im Herzen

Und doch hat die Sängerin, die nicht erst mit "Heißer Sommer", sondern schon mit "Summertime" bekannt wurde, beileibe mehr als nur "Männer, die noch keine sind" in ihrem Repertoire. Mit ihren Zöpfen und dem sternbesetzten Käppi wirkt sie wie ein junges Mädchen auf Abenteuertrip. Nicht zu glauben, dass Chris Doerk vor zwei Monaten 70 geworden ist.

Gerade erst hat sie ihr erstes Nachwende-Album mit eigenen Texten produziert. Und eigenen Herzensangelegenheiten.

"Zeig die Zähne, das ist gar nicht schwer", tönt es aus dem Off. Und darauf versteht sich diese Chris Doerk wie eh und je. Ihr Lachen, ob sie nun Episoden ihres Lebens zum Besten gibt oder nach kubanischer Art Knoblauch zerdrückt, ist unübertroffen und ansteckend sowieso, sodass es ein traumhaft fröhlicher Kochabend wird. Und ein sehnsuchtsvoller.

"Zu einer Insel, so fern" lockt ihre Stimme. Wer ihr Buch "La Casita" (Das Häuschen) gelesen hat, weiß: Das kann nur Kuba sein. 28 Mal hat sie die Insel bereist, verrät sie. Und schon füllen auch die Bilder einer DVD die Leinwand: wettergegerbte lachende Gesichter, ein Baum, der in den Himmel zu wachsen scheint, eine überaus glückliche Chris Doerk im Arm eines alten Kubaners . . .

Sie, die beim Kochen zu Hause in Kleinmachnow immer trällern muss, lässt auch hier ganz selbstverständlich die Bühnenküche beschallen. Überhaupt hat sie dort die Kontrolle übernommen, sodass sie mit Sewan Latchinian bald ein eingespieltes Kochpaar bildet. "Beim Porree werfe ich immer das erste Blatt weg", unterweist sie ihn. "Das halte ich bei den meisten Theaterstücken auch so", zeigt er sich gelehrig. Immerhin hat der Intendant die Oberhoheit über die Limetten behalten.

Leichter Limettenabrieb

Wo es hinpasst oder auch nicht: "Ein leichter Limettenabrieb steht im Rezept", doziert er und lässt sich trotz ihrer Einwände nicht davon abhalten, Fisch, Soße und selbst das Buttermilchdessert damit zu würzen.

Als ihr der unvergleichliche Limettengeruch in die Nase gerät, ist Chris Doerk versöhnt: "Das duftet nach Kuba", schwärmt sie, "und schmeckt sogar", zeigt sie sich von der gemeinsamen Kochkunst überrascht. Beim kubanischen Porree-Limetten-Jodler, mit dem Sewan Latchinian die "Heiße Küche" schließt, aber ist Chris Doerk beinahe sprachlos.

"Spitzenpublikum" ruft sie nur noch in den Saal. Es könnte auch heißen: "Viva Senftenberg!"