Auf dem Programm stand Igor Strawinskis Concerto für Kammerorchester "Dumbarton Oaks", Tschaikowskis Cellokonzert "Rokoko-Variationen" und die Sinfonie Nr. 4 c-moll von Franz Schubert.
Um in das mehrjährige Förderprogramm des Dirigentenforums aufgenommen zu werden, dürfen die jungen Leute nicht älter als 29 Jahre sein und sie müssen Deutsche sein oder hier arbeiten und/oder studieren und leben. Auf diese Weise kam die Koreanerin Eun Sun Kim in das Förderprogramm und sie bekam zum Konzertauftakt die schwerste Aufgabe zugeteilt, das Strawinski-Concerto. "Äußerst knifflig" bemerkte GMD Reinhard Petersen zu diesem durchsichtig heiteren Werk. Mit korrekter Tempoanweisung und Taktgebung gelang es der Dirigentin, der Kniffligkeiten des Werkes, beispielsweise ständiger Taktwechsel, Herr zu werden. Zu einer klanglichen Durchleuchtung des Stückes mit seinen Fugati und Imitationen, seiner kleinteiligen Instrumentation, seinem schnellen Wechsel der Klangcharaktere kam sie nicht. Von temperamentvollem Musizieren zu schweigen. Konzertmeister Wolfram Korr half nach Kräften.
Der zweite Dirigent des Abends, Johannes Klumpp, Aufbaustudent an der Hochschule für Musik in Weimar, durfte den 1. Satz von "Dumbarton Oaks" wiederholen und zeigte dann, welche heitere Spielfreude in dieser Musik steckt.
Mit sehr fein abgestufter Dynamik und einem runden und samtigen Celloton musizierte die junge Solistin Beate Altenburg den Solopart in den "Rokokovariationen". Allein ihres anmutigen Spiels wegen, hätte der Weg in die abendliche Puschkinpromenade gelohnt. Der schon länger geförderte Schweizer Simon Gaudenz, er hatte in Freiburg studiert, leitete Peter Tschaikowskis einziges Cellokonzert. Seine größere Erfahrung war zu spüren; er wusste sehr genau abzustufen, wann das Orchester der Solistin einen Klangteppich zu Füßen zu legen hatte und wann es eigenständig sinfonisch hervortreten durfte. Gaudenz gestaltete das Werk weniger ätherisch, eher herzhaft. Den tastenden Anfangstakten, den melancholisch überhauchten Holzbläsereinwürfen am Beginn hätte man ein wenig mehr Delikatesse, etwas mehr sehnsüchtige Ferne, dem ganzen Werk ein Quentchen mehr "Onegi n"-Stimmung gewünscht.
Schuberts 4. Sinfonie, die erste, die der 19-jährige Komponist in einer Molltonart schrieb, bekam von ihm selbst den überschwänglichen Zusatz "Die Tragische". Tragisch ist sie nicht, der Kopfsatz ist eher heroisch. Dieser Satz erwies sich als das richtige Stück für die in Dresden studierende Ukrainerin Oksana Lyniv, die erst seit diesem Jahr ein Stipendium des Dirigentenforums erhält. Der Cottbuser Meisterkurs bei Peter Gülke war auch der erste, an dem sie teilnahm. Ihr hochdramatischer Zugriff auf die Schubert-Sinfonie war eine vielversprechende Überraschung. Mit tänzerischer, sportiv-energischer Körpersprache forderte sie dem Orchester einen kaum nachlassend hochgespannten Gestus ab, trieb die Musiker fast ohne Unterbrechung von Höhepunkt zu Höhepunkt. Das hatte Spannung, Eindringlichkeit und emotionales Überwältigungsvermögen. Was fehlte, waren die Kontr aste und Atempausen. Auch der liedhafte 2. Satz ließ viel von der Energie der junge Dirigentin erkennen.
Johannes Klumpp bekam Schuberts Menuett und Finale. Er vermied das Problem aller drei Vorgänger, ließ Kontraste, Entwicklungen und vor allem hin und wieder ein piano zu. Die beiden Teile des Menuetts hätte man sich klanglich noch unterschiedlicher vorstellen können, der Schlusssatz geriet ihm perfekt. Celli und Bässe entwickelten einen unaufhaltsam vorwärtsdrängenden Drive, die wechselnden Phrasen des unruhevollen Stücks wurden über dieser pulsierenden Bewegung immer wieder neu entwickelt, aufgebaut und schön ausgespielten, Gesangsbögen nachempfundenen Kulminationspunkten zugeführt. Der Satz erinnerte an die bebende Dramatik von Mendelssohns "Hebriden"-Ouvertüre. In Johannes Klumpps Interpretation tendierte Schuberts jugendliche Sinfonie nicht in die klassische, sondern eindeutig in die seelenbewegt romantische Richtung. Klumpp ließ die Musik atmen und leben.
Das Philharmonische Orchester verdiente Bewunderung. Geduldig und engagiert stand es nicht nur für die Proben zu Verfügung. Die Musiker ließen sich auch von den verschiedenen Dirigentenpersönlichkeiten im kurzen Wechsel immer wieder anders führen, brachten zum klingenden Ausdruck, was diese vorgaben, selbst wenn es noch Unerfahrenheit, Schüchternheit oder auch ein wenig zu viel Welteroberungsgeste verriet.