Vor der Preisverleihung an diesem Sonntag in Stockholm sagte er gegenüber Journalisten: „Das ist ein Etikett, das mir Politiker und Medien verpasst haben. Ich mag es nicht.“ In der Begründung für die erste Verleihung des Nobelpreises an einen türkischen Autor hatte die Schwedische Akademie erklärt, Pamuk habe „neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden“ .
Der 54-Jährige hatte nach der Zuerkennung des Nobelpreises im Oktober angekündigt, dass er sich zur Verleihung nicht politisch, sondern ausschließlich literarisch äußern werde. Er bekannte dann in Stockholm aber doch seine Sorge über die zunehmenden Konflikte zwischen seinem Heimatland Türkei und der EU. Er sei „traurig“ über die jüngsten Entwicklungen, aber weiter Befürworter eines EU-Beitritts seines Heimatlandes. Pamuk: „Europa würde durch die Aufnahme der Türkei toleranter und multikultureller. Die Türkei selbst würde toleranter werden. Und die Welt würde lernen, dass es keinen Kampf der Kulturen gibt.“
Pamuk erhält die mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung vom schwedischen König Carl XVI. Gustaf überreicht. Pamuk sagte, für ihn sei seine pro Jahr dreimonatige Gastprofessur an der Columbia-Universität in New York die „erste regelmäßig bezahlte Arbeit überhaupt“ . Bis zum Alter von 32 Jahren sei er vom Taschengeld seines Vaters abhängig gewesen, ehe dann Büchertantiemen kamen. Zu den möglichen Auswirkungen des Nobelpreises auf seine Zukunft sagte Pamuk: "Ich werde diesem hier nicht erlauben, meine Arbeit zu verändern."
Nach fünf Romanen seit dem Jahr 1982 erschien von Pamuk zuletzt in deutscher Übersetzung das autobiografische Werk „Istanbul - Erinnerungen an eine Stadt“ .