"Die Umsatz-Zuwächse sind nicht mehr so exorbitant wie in vergangenen Jahren", sagt Simone Mühlhauser vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. "Es gibt immer mehr Verlage und immer mehr Titel". 500 Hörbuchverlage mit insgesamt rund 16 000 Titeln buhlen um Käufer. Auf der Leipziger Buchmesse (22. bis 25. März) gehören Hörspiele, Lesungen und O-Ton-Reportagen schon zum achten Mal zu den Schwerpunkten.
"Leipzig hat sich als der wichtigste Standort für das deutschsprachige Hörbuch fest etabliert", sagt Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Unter dem Motto "Leipzig hört" stellen dieses Mal 120 Hörbuchverlage sowie alle ARD-Anstalten ihre Neuproduktionen vor. Dabei treten Schauspieler wie Rufus Beck, Dieter Mann, Christian Brückner, Corinna Kirchhoff oder Sandra Hüller ans Mikrofon. Beim Nachwuchswettbewerb "Leipziger Hörspielsommer" werden die Newcomer der Szene gekürt.
"Der Kampf auf dem Markt ist enorm", sagt Barbara Widmann vom Patmos Verlag (Düsseldorf). „Viele Verlage, die bisher Lizenzen verkauften, haben eigene Labels gegründet - wie der Schweizer Diogenes Verlag.“ Dabei sind die Zuwachsraten vorzeigbar. "Der Hörbuchmarkt wächst weiter zweistellig, wir sind das einzige wachsende Segment auf dem Buchmarkt überhaupt", sagt die Geschäftsführerin des Branchenführers Der Hörverlag (München), Claudia Baumhöver.
Bei einem geschätzten Umsatz von rund 150 Millionen Euro habe der Hörbuchmarkt 2006 ein sattes Plus von 17,4 Prozent erzielt (2005: 14,1), heißt es beim Börsenverein, der sich auf Media Control GfK International beruft. Erfasst seien nur die herkömmlichen Absatzwege wie Buchhandel und Internet, nicht aber Nebenmärkte wie Tankstellen, Discounter oder Direktverkäufe von Verlagen. "Bis 2010 rechnen Experten mit einer Umsatzverdopplung auf etwa 300 Millionen Euro", heißt es beim Hörverlag.
Der Anteil der Hörbücher am gesamten Buchmarkt lag im Jahr 2006 bei 4,2 Prozent (2007: 3,5). Ein Marktanteil von 10 Prozent wie etwa in den USA, Großbritannien und Skandinavien wäre nach den Worten von Baumhöver das Traumziel. "Realistisch sind sechs bis acht Prozent in den nächsten fünf bis sechs Jahren." Schwierigkeiten bereite den Verlagen der Preisverfall bei den Hörbüchern, die zum Teil schon für unter fünf Euro zu bekommen sind. Daneben bringen immer mehr Verlage in Kooperation mit Zeitschriften und Zeitungen preiswerte Editionen heraus, die bei den Käufern sehr gut ankommen.
"Hörbücher sind nicht preisgebunden, zugleich wird ihre Produktion immer teurer", sagt Baumhöver. Für die Umsetzung aktueller Titel ebenso wie Klassiker benötigen die Verlage hochkarätige Sprecher, aber auch versierte Regisseure, Dramaturgen, Komponisten und modernste Studio-Technik. Derzeit aber gebe es eine "absurde Konzentration auf ,billig billig', sagt Baumhöver. Bei Bestsellern wie "Harry Potter" oder Frank Schätzings "Der Schwarm" verderben illegale Downloads einen Teil des Geschäfts.
"Das Hörbuch ist kein Billigprodukt", sagt Patmos-Sprecherin Widmann. "Wir sind eine Nische, ein Mikrokosmos in der Verlagswelt", meint auch Hörverlag-Chefin Baumhöver. Langfristig werden nicht alle überleben können. "Es wird eine gewisse Bereinigung geben", sagt Börsenvereins-Sprecherin Mühlhauser.