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Cottbus
Höchst dramatischer „Luther in Worms“

Luther in Worms“ erklingt am Samstag, 28. Oktober, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus. Weitere Aufführungen gibt es in am 29. Oktober in Dresden und am 31. Oktober in  Eisenach.
Luther in Worms“ erklingt am Samstag, 28. Oktober, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus. Weitere Aufführungen gibt es in am 29. Oktober in Dresden und am 31. Oktober in Eisenach. FOTO: Fotomontage: Andreas Klose / Staatstheater Cottbus
Cottbus. Ludwig Meinardus‘ Oratorium mit mehr als 200 Sängern in Cottbus, Dresden und Eisenach. Von Renate Marschall

  Wer weiß, ob dieses Oratorium ohne das Luther-Jahr noch einmal Aufmerksamkeit erfahren hätte. Selbst ein so versierter Kenner der Chormusik wie der Cottbuser Chordirektor und Chef der Singakademie Christian Möbius hatte keine Ahnung von seiner Existenz.

„Mein Notenhändler in Frankfurt am Main hat mich aufmerksam gemacht auf Ludwig Meinardus‘ 1871/72 entstandenes Oratorium ‚Luther in Worms‘“, erzählt Möbius. Das war vor drei Jahren. Ein willkommener Zufall, schließlich, so der Chorchef, gibt es nicht viele Luther-Stücke.

Ein solcher Anlass, vor 500 Jahren veröffentlichte Luther seine Thesen, ein außergewöhnliches Werk, das bedurfte einer besonderen Präsentation. Beim Chortreffen in Cottbus im vergangenen Jahr entstand im Gespräch mit Ekkehard Klemm, dem Leiter der Singakademie Dresden, die Idee, das Stück gemeinsam mit Chören aus Cottbus, Dresden und Eisenach aufzuführen.

Seither proben der Sinfonische Chor der Singakademie Cottbus, der Sinfonische Chor der Singakademie Dresden und der Bachchor Eisenach das Werk – getrennt voneinander.

Erst kurz vor der Premiere am 28. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters werden sich die Chöre zu einem großen mit mehr als 200 Sängern unter dem Dirigat von Christian Möbius vereinen – ein kleines Abenteuer. In Cottbus ist das Philharmonische Orchester mit von der Partie. Einen Tag später dann ist die Dresdner Kreuzkirche Aufführungsort, Dirigent ist dort Ekkehard Klemm. Für Christian Möbius, wie er sagt, ein emotionaler Moment. „Seit meiner Zeit im Kreuzchor habe ich dort nicht mehr gesungen.“ Ähnlich mag es dem ehemaligen Kruzianer Andreas Jäpel gehen, der zu den Solisten des Abends, die aus Cottbus und Dresden kommen, gehört. Am 31. Oktober erklingt das Werk dann in der Georgenkirche Eisenach mit Evan Alexis Christ als Dirigent.

Ein hoch romantisches Oratorium, mit Anklängen an die Oper, fast szenisch, sei „Luther in Worms“, erklärt Christian Möbius. Personen treten auf: der Kaiser, Luther, Freunde von ihm, der Beichtvater des Kaisers etwa. Meinardus beschreibt in seinem Chorwerk den Weg Luthers von Wittenberg zum Reichstag nach Worms, wo er 1521 zu seinen Thesen Stellung nehmen soll. Ja eigentlich wird gefordert, dass er widerruft.

Viel war in den Jahren seit dem Thesenanschlag  in Wittenberg am 31. Oktober 1517 geschehen. Luthers Schriften hatten sich auch Dank des Buchdrucks schnell verbreitet, sodass ein päpstlicher Gesandter klagte: „Täglich regnet es lutherische Schriften in deutscher und lateinischer Sprache“. Und der Papst hatte gegen den Theologen aus Wittenberg den Kirchenbann verhängt, ihn quasi zum Ketzer erklärt. Doch das Volk und nicht wenige Fürsten standen auf seiner Seite. Weil ihm ein Ächtungsverfahren zusteht, soll Luther sich nun vor Kaiser Karl V. erklären. Auf seiner Reise predigt er in Erfurt, Gotha und Eisenach, in Worms begrüßen ihn 2000 Menschen.

Tumultartige Szenen soll es im Reichstag gegeben haben. Seine Gegner fordern die Verbrennung des Ketzers, seine Anhänger bejubeln die Standhaftigkeit ihres Idols: „Ich kann und will nicht widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun...“

Entsprechend dramatisch ist die Musik. Luther verlässt Worms, der Schutzbrief sichert ihm 21 Tage freies Geleit. Aber er kommt nicht weit. Bewaffnete überfallen ihn und bringen ihn auf die Wartburg nach Eisenach – eine Nacht- und Nebelaktion des sächsischen Kurfürsten Friedrich zum Schutz Luthers.

„Meinnardus‘ Musiksprache ist geschult an Bach, Händel und Mendelssohn“, macht Christian Möbius neugierig auf dieses besondere Werk. Zugleich sei sie offen gegenüber zeitgenössischen Einflüssen. Es könnte sein, Franz Liszt, der den Komponisten schätzte und förderte, habe hier gedanklich das eine oder andere beigetragen, so Möbius. Letztlich sei es Liszt auch zu verdanken, dass das Oratorium im Juni 1874 in Weimar mit großem Erfolg uraufgeführt wurde.

Welche Wirkung es heute, gesungen von einem mächtigen Chor, entfaltet, davon können sich Konzertfreunde in Cottbus, Dresden und Eisenach überzeugen. In kleinerer Besetzung wird Luther auch im US-amerikanischen Philadelphia Papst und Kaiser Paroli bieten.

Solisten des Abend sind neben Andreas Jäpel Annekathrin Laabs, Teresa Suschke, Dirk Kleinke, Benjamin Glaubitz, Ulrich Schneider und Ingo Witzke.