| 16:57 Uhr

Hoch hinaus und tief hinab

Stiftungsdirektor Gert Streidt erinnert an Pücklers Ballonflug.
Stiftungsdirektor Gert Streidt erinnert an Pücklers Ballonflug. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Im Besucherzentrum Branitz öffnet morgen die neue Dauerausstellung "Meister der Landschaft. Fürst Pückler und Carl Blechen". Renate Marschall

Neugierig versucht der eine oder andere Besucher schon einen Blick in die neue Dauerausstellung im Besucherzentrum auf dem Gutshof des Pücklerparks Branitz zu werfen. Auch wenn alles abgesperrt ist, Handwerker bis zur morgigen Eröffnung um 11 Uhr noch mehr als einen letzten Handgriff zu tun haben, fällt doch schon Spektakuläres ins Auge.

Zuerst die wie der Eingang zu einem Tropenparadies anmutende Wand. Ein Ausschnitt aus dem berühmten Palmenhaus-Gemälde des Cottbuser Landschaftsmalers Carl Blechen. Das Original, zusammen mit zahlreichen weiteren Bildern des romantischen Landschaftsmalers, ist im Souterrain des Gebäudes in einer eindrucksvollen Ausstellung zu betrachten.

Der obere Bereich stellt Fürst Pückler vor, den Schriftsteller, Lebemann, Weltenbummler, Abenteurer, den Gartenkünstler. Ein klug gewähltes Entree, mit dem sofort klar wird, hier treffen sich zwei Seelenverwandte: Meister der Landschaft. So auch der Titel der neuen Willkommensausstellung für Branitz-Besucher. Der eine erschuf Landschaften mit Pinsel und Farbe, der andere mit Bäumen, Sträuchern, Blumen eine "begehbare Bildergalerie", wie Pückler in seinen "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" schrieb.

Zweiter Blickfang ist ein rot-weiß gestreifter Ballon. Tatsächlich hat sich Pückler 1816 mit einem solchen Gefährt - unter reger Anteilnahme der Berliner - in die Lüfte erhoben. Wie er dieses Abenteuer beschreibt, das unsanft im Wipfel einer Fichte endete, kann der Besucher hören, während er selbst über den Branitzer Park schwebt.

Bequem über eine Treppe gelangt man in den Korb des Ballons. Kleine "Sandsäcke" beherbergen die Lautsprecher, über Knöpfe in einem Körbchen sind die Sprachen Deutsch, Englisch, Polnisch zu wählen. Schon geht es los. Schloss und Schloss-See, Landpyramide und Tumulus - Pücklers Gartenparadies von oben. Das Video vermittelte bereits bei der Ausstellung "Parkomanie" in der Bundeskunsthalle in Bonn einen Eindruck vom kunstvoll gestalteten Gartenreich des Grünen Fürsten, stimmt nun in Branitz die Besucher ein.

Hoch hinaus und tief hinunter. Ein Tauchgang in den Themse-Tunnel ist hier ebenfalls zu erleben. Pückler selbst bestieg im August 1827 eine Taucherglocke, um die Arbeiten dort zu bestaunen. In einem Brief an seine Frau Lucie beschreibt er seine Erlebnisse: "...fand ich es, je tiefer wir sanken, desto behaglicher in dem metallischen Kasten..."

Über Pücklers Abenteuer hinaus vermittelt die Ausstellung viel Wissenswertes über die Intentionen des Grünen Fürsten und dessen Leistung als begnadeter Landschaftsgestalter. Darstellungen aus seinem Gartenbuch "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei", das der Forschung heute als letztes berühmtes Werk der Gartenliteratur gilt, zeigen seine fantasiereichen Planungen für die Standesherrschaft Muskau. Ab 1815 plante Pückler hier nicht nur einen Park, sondern eine groß angelegte Landschaftsumgestaltung, die den Ort Muskau einbezog. Aus Geldmangel konnte er sie nicht vollenden. Muskau musste schließlich verkauft werden, Pückler ins ungeliebte Branitz umziehen. Die letzten 25 Jahre seines Lebens verwendete er darauf, aus der "Steppe" ein Elysium zu gestalten - bis heute für viele Menschen eine Insel der Seligen. Mit den sich weit in den Park öffnenden Sichtachsen, intimen Plätzen, den Wasserläufen und den bunten Blumen im Plaesureground. Wesentlichen Einfluss auf seinen gestalterischen Stil hatten Pücklers Reisen. Die nach England besonders, was die Kreation schöner Naturbilder betraf, untrüglich in Branitz aber auch die in den Orient. Und es ist nur gerecht, dass hier Lucies Rolle bei der Entstehung der Parks gewürdigt wird, denn während der Fürst in der Welt herumtingelte, sorgte seine "Schnucke" dafür, dass aus Ideen Realität wurde, und brachte sich auch gestalterisch ein.

Diese Ausstellung im Besucherzentrum, die erstmals auch die Entstehungsgeschichte der Gutsökonomie dokumentiert, macht neugierig, Park und Schloss zu entdecken, ausgestattet mit vielen Informationen dem Fürsten näher zu rücken, mehr in seinem Werk zu sehen und es zu verstehen.

Öffnungszeiten: bis 31. Oktober: täglich von 10 bis 17 Uhr; November und Dezember: Samstag und Sonntag, 11 bis 16 Uhr