Ein inzwischen verstorbener Offizier der Roten Armee hatte 1945 rund hundert Schellackscheiben aus der eroberten Reichskanzlei als Souvenirs nach Hause mitgenommen. Nach 46 Jahren war seine Tochter zufällig auf die Alben mit den Aufklebern "Führerhauptquartier" und einer Inventarnummer gestoßen.
Eine Durchsicht des Repertoires offenbart Erstaunliches: Hitler liebte Musik von russischen und jüdischen Komponisten! Wie der letzte Überlebende aus dem Führerbunker, der damalige Funker, dem "Spiegel" berichtete, habe sich Hitler nach einem Streit mit seinem Wehrmachtsführungsstab gern zur Entspannung eine Platte aufgelegt. Der Hassprediger und "Untermenschen"-Erfinder hörte dann unter anderem Mussorgskis "Boris Godunov", gesungen vom russischen Bass Fjodor Schaljapin, und Musik des österreichischen Juden Artur Schnabel, dessen Mutter von den Nazis in Theresienstadt ermordet wurde.
Man ist erstmal sprachlos und fragt sich besorgt, ob die Persönlichkeitsgeschichte des größten Verbrechers des 20. Jahrhunderts etwa umgeschrieben werden muss„ Mitnichten, denn man weiß es doch lange: Dieser Typ, der eigenhändig keinem Kind, geschweige denn einem guten deutschen Schäferhund etwas zuleide tun konnte, war sentimental und zugleich beseelt von einem wahnhaften Hass. Hitlers Plattensammlung offenbart lediglich, dass musikalische Vorlieben und der Hang zum größtmöglichen Verbrechertum in keinem direkten Zusammenhang stehen. Auch wenn es nach außen manchmal so scheint: Am Musikgeschmack allein erkennt man keinen Nazi.
Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen guten oder bösen Menschen und ihrem Musikgeschmack“ In Berlin wird das demnächst getestet. Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen in zwei U-Bahnhöfen probieren, ob sich durch das Abspielen klassischer Musik Drogendealer aus den Bahnhöfen vertreiben lassen. In Hamburg und München soll es funktionieren.