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Himmel und Hölle

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Es ist eine beklemmende Fahrt zwischen Himmel und Hölle, die Thomas Melle beschreibt. So eindringlich und schonungslos, dass es schmerzt. Ida Kretzschmar

Ein verzweifelter Karneval aus Buchstaben, der nicht wie vordem im Roman als fiktiver Gefühlskatarrh platziert wird. In diesem Buch stellt der Berliner Schriftsteller die eigene Katastrophe aus: die Hoch- und Tiefdruckgebiete der Seele, die mit seiner Krankheit einhergehen. Bipolare Störung, so die Diagnose, er nennt sie als manisch-depressive Erkrankung beim Namen. Melle lässt alle Masken fallen, erzählt heftig von Flug und Fall, der "Selbstüberschätzung eines Schräglings" und der verhassten Rückseite aus Nichtigkeit und Leere. "Neuronen-Attacken", die auch den Lesenden alles abverlangen. Und doch landete der schon vielfach preisgekrönte Autor mit diesem Buch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Nicht nur, weil er sich mutig Scham und Frust vor aller Welt von der Seele schreibt. Dieser funkelnde Wortschwall aus stecken gebliebenem Leben geht ganz tief unter die Haut.

Thomas Melle: Die Welt im Rücken. Rowohlt-Verlag, 347 Seiten, 19,95 Euro