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Hier singen Cottbuser für Cottbuser

Der Sinfonische Chor der Singakademie Cottbus e. V. gemeinsam mit dem Opernchor des Staatstheaters Cottbus bei der Aufführung von "Carmina Burana" unter der Leitung von Christian Möbius Pfingsten im Branitzer Park.
Der Sinfonische Chor der Singakademie Cottbus e. V. gemeinsam mit dem Opernchor des Staatstheaters Cottbus bei der Aufführung von "Carmina Burana" unter der Leitung von Christian Möbius Pfingsten im Branitzer Park. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Die Singakademie Cottbus feiert ihr 40. Jubiläum mit zwei Konzerten – Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe und Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Pausus". Renate Marschall

Der Chordirektor des Staatstheaters Cottbus, Christian Möbius, sitzt wieder mal zwischen den Stühlen: Einerseits die Endproben zur Oper "Wozzeck" im Staatstheater, andererseits die zu den Jubiläumskonzerten von Kammerchor und Sinfonischem Chor, die er leitet. Bereits am 25. Juni lädt der Kammerchor um 16 Uhr in die Cottbuser Klosterkirche zu Johann Sebastian Bachs "Hoher Messe in h-Moll" ein. Wie so oft wird das Bach Consort auf Originalinstrumenten des Barock dazu musizieren. "Wir haben dieses Werk schon öfter gesungen, das letzte Mal 2011. Es jetzt noch einmal erklingen zu lassen, war ein Wunsch der Chormitglieder", erzählt Christian Möbius.

40 Mitglieder zählt der Kammerchor, die Freude daran haben, in dieser kleineren Besetzung Madrigale, Motetten, Liedgut von der Renaissance bis zur Gegenwart zu singen. Weit mitgliederstärker ist der Sinfonische Chor mit mehr als 90 Mitgliedern. Das Repertoire ist weit gefächert, reicht von Bach über zeitgenössische Werke bis zu Orffs "Carmina Burana" und Weihnachtsliedern. Zum Jubiläum erklingt jetzt jenes Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy, mit dem der als Komponist den Durchbruch schaffte, "Paulus". "Das haben wir noch nie aufgeführt", erklärt Christian Möbius und gerät gleich ins Schwärmen: "Dramatisch-lyrische Chöre, ausdrucksstarke Arien, da ist für jeden was dabei." Unterstützt werden Kammer- und Sinfonischer Chor am 8. Juli, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus vom Opernchor sowie dem Philharmonischen Orchester. "Der ,Paulus' passt mit seinen vielen lutherischen Chorälen auch wunderbar ins Luther-Jahr", so der Chorleiter.

Angefangen hat alles mit der Singakademie, die diesen Titel erst 1989 aufgrund der Leistungen des vormals Städtischen Chores noch vom Kulturministerium der DDR verliehen bekam, 1977 mit einem Aufruf in der LAUSITZER RUNDSCHAU. 60 Sangeswillige meldeten sich damals. Rainer Schill, damals Kapellmeister am Theater, war der erste Chorleiter, der wie alle seine Nachfolger die Entwicklung eines chorsinfonischen Repertoires im Auge hatte. Bis heute umfasst es unzählige Werke - immer schwierigere, auch ausgefallene. Zu den Höhepunkten zählt Christian Möbius, der die Chöre seit 1991 leitet, Mahlers Auferstehungssinfonie, Strawinskys "Psalmsinfonie", Brittens "War Requiem" oder Bernsteins "Chichester Psalms" und "Mass". Dazu fällt Christian Möbius eine Geschichte ein: "Als ich mit dem Vorschlag zu Bernstein kam, sagte mir einer der Sänger, so etwas Hässliches wie Bernstein möchte er nicht singen, machte auch nicht mit. Hinterher meinte er bedauernd: ,Ich hatte ja keine Ahnung'".

Mutig machten sich die Sängerinnen und Sänger etwa an "Misa Tango" von Luis Bacalov, womit sie auch beim Chorfest in Kassel Furore machten. Semiprofessionell sind die Chöre inzwischen, geschätzte Partner auch für das Staatstheater. Das hat den Sängerinnen und Sängern einiges abverlangt. Und dem Chorleiter? "Man braucht eine unglaubliche Menge Geduld, viel Humor, muss Entertainer sein und sich immer was Neues einfallen lassen." Schön sei, dass man hier auf Menschen aller Berufe und Altersgruppen trifft, ganz unterschiedliche Charaktere kennenlernt..

Jeden Montagabend wird geprobt, die einzelnen Stimmgruppen treffen sich mittwochs. Viel Arbeit und Freizeit. Aber dann gibt es so Auftritte wie dieses Jahr Pfingsten mit "Carmina Burana" in Branitz. Christian Möbius: "Es hat geregnet, wir mussten das Konzert unterbrechen, das Klavier klang schon nach Kneipe, aber die Leute haben ausgeharrt und uns am Ende gefeiert. Es gibt nichts Besseres, Kunst an die Bürger zu bringen, hier singen Cottbuser für Cottbuser."