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Hexen stiften Theaterlust in Pücklers Park

Die Hexen sind los: Die Damen des Opern- und Extrachores machen den Machtgierigen in "Macbeth" das Leben schwer.
Die Hexen sind los: Die Damen des Opern- und Extrachores machen den Machtgierigen in "Macbeth" das Leben schwer. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Zum 15. Mal verwandelte sich am letzten Sonntag im August der Branitzer Park in eine romantische Theaterkulisse. Diesmal musste man auf der Hut sein: Hinter manchem Baum lauerten Hexen. Ida Kretzschmar

"Wer sich nicht in acht nimmt, wird verschlungen", warnt schon Hardy Brachmann an der Schlosstreppe, um gleich hinterherzuschieben: "Dieses Paradies ist nicht real."

Natürlich nicht. "Aber ich genieße es", singt Brachmann. Und Tausende Menschen lassen sich an diesem letzten Augustsonntag von ihm anstecken. Natürlich ist das alles Theater. Spiel-Zeit-Auftakt. Der zieht jedes Jahr mehr und mehr Besucher aus nah und fern in Pücklers Park. Ganz in Familie oder mit Freunden und Nachbarn flanieren sie die verschlungenen Parkwege entlang und versuchen zu erraten, welche Stücke sich hinter den Miniaturen verbergen, die ihnen unterwegs begegnen.

Am Schloss wird es einen leicht gemacht: Der "Sunset-Boulevard" steckt im Gesangtext. Am 14. Oktober geht das Musical über die Bühne. Indes geben sechs Tänzer eine Kostprobe hinterm Schloss, dort, wo der Tag mit dem ersten Konzert der neuen Saison endet. "Menschenskinder!", kann man da nur sagen: Heißt so nicht auch die erste Premiere der neuen Spielzeit?

Ein unheimliches Gelächter aber zieht uns unter uralte Eichen. Hier verlockt ein ganzer Hexenchor die Machtgierigen, um ihnen zugleich den Spiegel vorzuhalten und sie auszulachen. "Nie war es so stürmisch", singt Andreas Jäpel, während auch Ingo Witzke nach der Krone greift. Einer von ihnen muss "Macbeth" sein.

"Das würde ich mir gern ansehen", sagt Egon Roick, der gemeinsam mit seiner Frau Karin regelmäßig dabei ist, wenn es heißt "Musik und Theater in Pücklers Park". Als Briesener wollen sie schließlich wissen, was in Cottbus gespielt wird. Von Weitem wird ein bekannter Ohrwurm geschmettert: "Die Mädis, die Mädis vom Chantant. . ." Da kann doch "Die Csárdásfürstin" nicht weit sein.

Richtung Seepyramide streiten zwei an einem Aquarium. Das kann doch nur "Das brennende Aquarium" sein, das gleich drei Regisseure auf ihre Weise in Szene setzen wollen.

Gefährlich sieht es bei Henning Strübbe aus. Man hat ja schon Schlimmes von Kafkas "Verwandlung" gehört. . . Apropos hören: "Onkel Wanja", alias Hans Petith, muss erst mal auf seinem Hochsitz mit Wodka gurgeln, bevor er sehnsuchtvoll zum Akkordeon russische Lieder hörbar macht. Mit Tschechows Meisterwerk meldet sich der neue Schauspieldirektor Jo Fabian zu Wort.

Am Ende stiftet noch einmal das große Konzert am Schloss Lust auf die neue Spielzeit. Der 34-jährige Ingenieur Diaa Dawarah, der mit seiner syrischen Familie in Pücklers Park dabei ist, sagt begeistert: "Welch eine schöne Atmosphäre! Man fühlt sich weniger fremd unter vielen Menschen, die an den gleichen Dingen Freude haben."