Weite Teile der Cottbuser Innenstadt sind jetzt abends in blaues Licht getaucht – da lässt das FilmFestival nicht mehr lange auf sich warten. Die Farbe ist seit einigen Jahren ein Festival-Markenzeichen, und in diesem November soll es blauer denn je werden: Die Cottbuser sind aufgerufen, ihre Fenster oder Schaufenster blau zu schmücken. Es sind Festivalkarten zu gewinnen.

20 000 Euro zu gewinnen gibt es für den Hauptpreisträger im Spielfilmwettbewerb. Gleich vier der zehn Beiträge stellen die junge Generation zwischen Hoffnung und Enttäuschung in den Mittelpunkt. Sunny Days von Nariman Turebayev aus Kasachstan eröffnet den Reigen. Der Antiheld des Films kann die Miete nicht mehr bezahlen, seine Freundin hat ihn verlassen, die im Ausland lebende Mutter meldet sich nicht, mit Jobs sieht's auch nicht so doll aus. Gleichmütig erträgt er alles und hofft auf Besserung zu seinem 25. Geburtstag . . .

Das Ende jugendlicher Sorglosigkeit wiederum skizziert Regisseur Ondrej Trojan in der tschechisch-slowakischen Koproduktion Personalausweis. Petr und seine Freunde erfahren schmerzlich, dass sie mit dem offiziellen Dokument ihre Freiheit gegen ein Leben im kommunistischen Überwachungsstaat eintauschen.

Alle Freiheiten dagegen nimmt sich die Heldin des polnischen Films Ich heiße Ki (Regie: Leszek Dawid) heraus. Ziemlich unverschämt nutzt die junge Mutter alle aus, die ihren Weg kreuzen. Bis sie eines Tages auf den stillen Miko trifft.

Noch einmal geht's in die Endzeit des Kommunismus: Im Film des Russen Dmitry Povolotsky tanzt sich der junge Boris im Moskau der 1980er-Jahre durch seine klassische Ballettschule und die erste Liebe. Und er behauptet, der Sohn eines berühmten Tänzers zu sein: Mein Vater Baryshnikov.

Auf der Suche nach einem Platz im Leben sind die drei Protagonisten in dem georgischen Salz weiß von Keti Machavariani. An einem ehemaligen Vorzeigestrand treffen die 35-jährige Saisonarbeiterin Nana, der Polizist Niko und das obdachlose Kind Sopo aufeinander. Drei Leben, drei Träume und plötzlich etwas Hoffnung . . .

Angekommen – zumindest im besten Mannesalter – sind die drei Schulfreunde in Gromozeka (Vladimir Kott, Russland): Ein Arzt, ein Taxifahrer und ein Polizist fragen sich, was von den jugendlichen Idealen übrig blieb.

Abgründe tun sich in den anderen vier Wettbewerbs-Spielfilmen auf: In Porträt im Zwielicht von Angelina Nikonova aus Russland scheitert der Rachefeldzug einer jungen Frau an ihrem Vergewaltiger. Mit den Auswirkungen des Balkankrieges in den Köpfen der Soldaten beschäftigt sich die serbisch-montenegrische Koproduktion Der Feind von Dejan Zecevic. Krzysztof uka szewiczs Debüt Lynchen erzählt nach, wie im Jahr 2005 die Bewohner eines polnischen Dorfs zur Selbstjustiz griffen.

Ebenfalls auf einer wahren Begebenheit beruht die rumänisch-polnische Koproduktion Crulic von Anca Damian. Die Regisseurin nutzt verschiedene Animationstechniken, um die Geschichte eines jungen Rumänen in polnischer Haft zu schildern.

Die acht Beiträge im Wettbewerb Kurzfilm bieten Einblicke in die Arbeit junger Filmemacher von Polen bis Kirgistan. In der Weltpremiere Warten auf den Sonnenaufgang (Rumänien) begleitet Regisseur Mihai Sofronea ein junges Paar an einem Abend. Sie gesteht die Liebe zu einem Anderen – er bleibt wie gelähmt zurück: Was tun?

Neben dieser Weltpremiere – das ist eine von insgesamt zehn bei dem Festival – beinhaltet die Sektion ausschließlich Internationale Premieren und Deutsche Erstaufführungen. Allesamt geben sie tiefe Einblicke in unterschiedliche Lebenslagen, es sind mal heiter, mal melancholisch oder einfach traurig schön erzählte Geschichten.

Oder mit den Worten von Festivalchef Roland Rust gesagt, und das bezieht sich auf das gesamte FilmFestival: „Herzhaft und liebevoll zubereitet wie Bigos und Borschtsch – den Nationalgerichten Polens und der Ukraine.“ Diese beiden Länder stehen bekanntlich im diesjährigen Festival-Focus „Osteuropa der Regionen“.