• Herbert Grönemeyer ist einer der erfolgreichsten deutschen Künstler
  • Seine Alben verkaufen sich millionenfach
  • Doch Grönemyer ist nicht nur Musiker, sondern auch Texter, Sänger, Produzent und Schauspieler
  • Heute wird Herbert Grönemeyer 65 Jahre alt
Eine Hymne für Bochum? Vielleicht waren die Menschen in der Ruhrgebietsstadt selbst etwas überrascht, als ihnen Herbert Grönemeyer vor fast 37 Jahren „ihr“ Lied schenkte. Das 1984 erschienene Album „4630 Bochum“ markierte für Grönemeyer, der am Montag 65 Jahre wird, den musikalischen Durchbruch: Der Titelsong „Bochum“ über die Stadt „tief im Westen“ mit dem „Pulsschlag aus Stahl“ hat seither Kultstatus.
Auch wenn Grönemeyer in dem Song „Bochum, ich komm aus Dir“ singt - geboren wurde der Sohn eines Ingenieurs und einer Krankenschwester am 12. April 1956 in Göttingen. Nach dem Umzug der Familie nach Bochum besuchte er dort das Gymnasium und machte 1975 Abitur - nachdem er zuvor bereits die Musik für ein Beatles-Musical am Bochumer Schauspielhaus geschrieben hatte.

Herbert Grönemeyers Schauspieler-Durchbruch ist „Das Boot“ - musikalisch ist es „Bochum“

Dessen damaliger Intendant Peter Zadek holte den jungen Grönemeyer nach dem Gymnasium als musikalischen Leiter an seine Bühne. In diesen Anfangsjahren sammelte Grönemeyer auch bereits Erfahrungen als Theaterschauspieler - unter anderem an den Schauspielhäusern Bochum, Hamburg und Köln sowie am Staatstheater in Stuttgart. Obwohl er nie Schauspielunterricht gehabt hatte, schaffte er Ende der 70er Jahre auch den Sprung zum Film.
Seinen endgültigen Durchbruch als Schauspieler feierte der vielseitige Grönemeyer 1981 in Wolfgang Petersens U-Boot-Drama "Das Boot": Der Streifen wurde ein Welterfolg, und Grönemeyer kam durch seine Rolle als Mitglied einer U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg schlagartig zu großer Popularität.
Was „Das Boot“ für die Karriere Grönemeyers als Schauspieler bedeutete, war drei Jahre später das „Bochum“-Album für den Musiker Grönemeyer: Die Platte erreichte eine verkaufte Auflage von mehr als 1,5 Millionen - vor allem wegen des Megahits „Männer“, der dem Mann mit dem eigenwilligen Tanzstil und der als gepresst bis nuschelig beschriebenen Stimme endgültig einen Platz unter den populärsten deutschen Musikern sicherte.
Herbert Grönemeyer engagiert sich sozial - unter anderem gegen rechte Gewalt.
Herbert Grönemeyer engagiert sich sozial - unter anderem gegen rechte Gewalt.
© Foto: DPA

Herbert Grönemeyer: Musiker, Texter, Sänger, Produzent und Schauspieler

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer ist Musiker, Texter, Sänger, Produzent und Schauspieler. Als junger Mensch hatte er eigentlich von einer Fußballkarriere geträumt. Es ist bekanntlich anders gekommen. Herbert Grönemeyer wird am Montag (12.04.2021) 65 Jahre alt, gehört zu den Top-Stars des deutschen Rock, gilt vielen gar als Stimme der Nation und findet auch mit seinem sozialpolitischen Engagement immer wieder Gehör. Sein großer Erfolg als vielseitiger Künstler sei schon ungewöhnlich und außerordentlich, sagt Musikexperte Heiko Maus zum „Phänomen Grönemeyer“.
Seit dem großen Erfolg des „Bochum“-Albums sind seine millionenfach verkauften Platten immer wieder wochenlang auf Platz eins der Charts gelandet. Das gilt auch für das aktuellste - „Tumult“ - von 2018. Und im vergangenen Jahr widmete er Ärzten, Pflegerinnen, Kassiererinnen und Wissenschaftlern in der Corona-Pandemie den Song „Helden dieser Zeiten“.
Im Ruhrgebiet wird Grönemeyers „Bochum“ auch nach Jahrzehnten noch als Hymne gefeiert. Für die Stadt gratuliert Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) dem „Bochumer Jungen“ herzlich, wünscht „unserem Herbert“, dass er trotz Corona „bald wieder auf der Bühne stehen und auf Tour gehen kann“.

Der „Bochumer“ Herbert Grönemeyer lebte in London und nun in Berlin

Dem Musiker haftet weiter das Image des Ur-Bochumers an, obwohl er schon seit 2009 in Berlin lebt, zuvor einige Zeit in London wohnte. Das Ruhrgebiet habe ihn geprägt, sagte Grönemeyer Ende 2018 im „Zeit“-Interviewpodcast. Er habe dort eine schöne Kindheit verbracht, mit seinen Brüdern, einer Clique, beim Fußball, im Kirchenchor. Vater Bergbauingenieur, Mutter Krankenschwester.
„Grönemeyer gilt als der gebildete Liedermacher aus dem einfachen Volk“, beschreibt Musikberater Maus. Er lasse sich „geradezu klischeehaft für die Rolle des deutschen Vorzeigemann vereinnahmen, der den Aufstieg von ganz unten schaffte“. Maus spricht von einem „aufgestiegenen Pop-Poeten aus dem Ruhrgebiet“. Das Ruhrpott-Image werde ganz bewusst aufrechterhalten. „,Aschenputtel’-Narrative tragen in der Pop-Kultur häufig zum Erfolg bei.“
Ein Bild aus frühen Tagen: Herbert Grönemeyer 1982.
Ein Bild aus frühen Tagen: Herbert Grönemeyer 1982.
© Foto: Horst Ossinger/DPA

Tod seines Bruders und seiner Frau: 1998 ereilten Grönemeyer binnen weniger Tage zwei Schicksalsschläge

1998 zwei Schicksalsschläge zu einer Schaffenspause zwangen. Innerhalb weniger Tage starben Grönemeyers älterer Bruder Wilhelm, ein Galerist, und die Frau des Sängers, Anna Henkel-Grönemeyer.
Die Trauer um seine Ehefrau verarbeitete Grönemeyer später in seinem Album „Mensch“, das vielen als das Meisterwerk des Musikers gilt. Die CD brach alle bisherigen Verkaufsrekorde und wurde 2003 mit dem „World Music Award“ ausgezeichnet.
Auszeichnungen erhielt Grönemeyer freilich auch für seine humanitäres Engagement, unter anderem als Träger der früheren Aktion „Deine Stimme gegen Armut“. Auch gegen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit bezog der unterdessen wieder verheiratete Vater zweier Kinder wiederholt klar Position.
Zuletzt rief der Sänger die Reichen in Deutschland zur Unterstützung der von der Corona-Krise hart getroffenen Kunst- und Kulturszene auf. Eine Gesellschaft sei wie eine Familie, sagte der Musiker im vergangenen November der "Zeit". „Nicht nur die Regierung, auch eine Gesellschaft, eine Familie muss sich bewegen und handeln und tun, was sie kann.“
Ausverkaufte Tourneen, Chartstürmer-Alben: Herbert Grönemeyer bei einem Auftritt in Klagenfurt.
Ausverkaufte Tourneen, Chartstürmer-Alben: Herbert Grönemeyer bei einem Auftritt in Klagenfurt.
© Foto: DPA

Herbert Grönemeyers Musik - Euphorie, Glück, Melancholie

Emotionen stecken in seiner Musik - Euphorie, Glück, Melancholie. Grönemeyer ist vielseitig: 2015 bringt er am Berliner Ensemble gemeinsam mit US-Regisseur Robert Wilson das Musiktheaterstück „Faust I und II“ auf die Bühne. Er schreibt Soundtracks für Filme - etwa für „The American“ mit George Clooney. Eine Rolle als TV-Kommissar in einem ARD-Sonntagskrimi lehnt er aber ab.
Für Interviews zu seinem Geburtstag stehe Grönemeyer nicht zur Verfügung, lässt er über seine Agentur wissen. Im November 2016 nannte sich der Künstler in einem dpa-Gespräch einen „sowohl verschrobenen Einzelgänger als auch Teamplayer“. Er arbeite „unglaublich gerne mit anderen zusammen“, vor allem mit seiner Band. Der Sänger macht Front gegen Rassismus und Ausgrenzung. Seine Auftritte sind auch Statements - so beim Festival „Kosmos Chemnitz“ 2019 für Offenheit und Toleranz.
Der Hamburger Experte Maus sieht auch Grönemeyers sozialpolitisches Engagement als Baustein seines Erfolgs. Sein Handeln stehe im Einklang mit den sozialkritischen Texten. „Grönemeyer wirkt durch und durch authentisch. Wenn er sich einsetzt, dann aus persönlicher Motivation und nicht, weil er dringend Publicity braucht.“ Er zeige Haltung, auch das mache ihn zum Sympathieträger. Der Sänger werde aber keinesfalls von allen Deutschen gehört.

Musikexperte: Grönemeyer polarisiert mit seinem Gesang und den bisweilen schweren Texten

„Grönemeyer polarisiert mit seinem eigenwilligen Gesang, der positiv gesprochen natürlich als Markenzeichen einen sehr hohen Wiedererkennungswert hat, und ein wenig auch mit den schweren Songtexten“, sagt der Musikgutachter. „Es sind jedoch gerade seine tiefgründigen, persönlichen und poetischen Liedtexte, die bei bestimmten Menschen besonders gut ankommen.“ Die Texte seien mitunter metaphorisch und verwoben. „Seine unklare Aussprache beim Singen trägt nicht immer zum Verständnis der ohnehin schweren Texte bei. Ich vermute, dass sein Erfolg teilweise auch gerade darin begründet liegt, dass Grönemeyer schwer verständlich ist.“
Und wie steht der Besungene wohl zum Altern? Man kann vermuten, dass er es mit Gelassenheit und Humor nimmt. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ verriet er 2018 augenzwinkernd, dass er mit 89 Jahren sein letztes Konzert geben wolle. Und vor zwei Jahren sagte er im NDR: „Wenn ich morgens in den Spiegel gucke, dann denke ich auch: War schon mal schöner.“