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| 13:10 Uhr

Lichtblicke
Es ist doch alles gar nicht so schlimm

FOTO: dpa / Britta Pedersen
Berlin. Deutschlands Schlagergöttin Helene Fischer betört 55.000 Menschen im Berliner Olympiastadion mit einer bunten Show, bei der sie sogar übers Wasser geht. Von Gunnar Leue

Am Sonntagabend gab es für 55 000 Bundesbürger einen schönen Lichtblick durch den so traurig-düsteren Schleier, der momentan auf (Deut)Schland liegt. WM-Koalitionskrach-Trump-Zölle-Diesel-Depri, alles so schlimm. Aber, wenn du denkst, finsterer geht’s nicht mehr, kommt irgendwo ein kleines Lichtlein her. Just zum Abschluss der Woche, als Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin  den Quasi-Untergang seines Absatzgebietes vermeldete, erschien eine schöne blonde Fee auf der größten Bühne der Hauptstadt und verzauberte die Anwesenden mit Liedern, Bildern und vor allem mit ihrem Anblick, auf dass sich eine Glückseligkeit verbreitete. So als wäre eine Nadel in einen mit schlechter Laune gefüllten schwarzen Luftballon gepikst und hätte ihn nicht zum Platzen gebracht, sondern – oh Wunder – in einen knallbunten Ballon verwandelt .und vollgepumpt mit Helium. Für alle, die es nicht glauben mochten, fragte die Fee: „Spürst du das?“.

Es ist nicht von ungefähr die Tourneeüberschrift von Helene Fischer, die drei Jahre nach ihrer letzten Stadiontour wieder hier auftritt. Allen Versammelten – Fans jeden Alters, Geschlechts und sexueller Orientierung sowie „Helene-Ultras“ –  verspricht sie sogar ein abendliches „Sommermärchen“-Comeback. Dafür ackert sie ohne Unterlass. In einem von bewundernswerter Mir-doch-egal-Ästhetik geprägten Aufzug (Klunker/Fransen/Hot Pants/Overknee-Stiefel), der gleich über mehrere Videowände zur XXL-Ansicht kommt, stürmt sie über die Bühne. Oder fährt wie eine Schlager-Päpstin mit dem Helene-Mobil rund um die Beseelten im bestuhlten Innenraum. Getreu ihrem Versprechen, „voll auf die Zwölf“ zu geben, bepowert sie die Leute mit voller Wucht: mit eigenen Hits („Achterbahn“, „Atemlos“) und fremden Hits, die mal vom Gaststar Ben Zucker geröhrt werden (Westernhagens „Freiheit“) oder die sie selbst als scootermäßige Schlagstaffette ins Publikum ballert: Snaps „Rhythm Is A Dancer“, Dr. Albans „Sing Halleluja“. So als kleine 90er-Party zwischendurch. Wen sie von den aktuellen Großpopdiven toll findet – Kylie Minogue, Beyoncé – zeigt die 33-Jährige dann mehr oder weniger offen als Referenz in Form von Bühnenbild- und Tanzelementen. Am Ende geht Deutschlands Schlagergöttin noch über Wasser, das allerdings nur ein paar Zentimeter tief ist. Es reicht aus, um sich auf eine Weise so nass zu machen, dass es die meisten Zuschauer antörnt. Zugleich wirkte es dermaßen unruchhaft, dass man sich denkt: Ach doch, der Flori und sie, sie passen doch ganz gut.