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Heinz Rudolf Kunze mit Wortgewittern

Bad Liebenwerda. "Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz", seine Liedtexte und Melodien sind seit Jahrzehnten bekannt und beliebt. Doch Heinz Rudolf Kunze ist nicht nur Rockmusiker, sondern auch Schriftsteller und tiefsinniger Wortkünstler. Überzeugen konnten sich davon am vergangenen Freitag rund 200 Gäste im Bürgerhaus in Bad Liebenwerda bei der Kulturveranstaltungsreihe der Sparkasse Elbe-Elster. Marko Drasdo / mdd1

"Schwebebalken - Tagebuchtage" betitelt er sein neues Buch. Der gebürtige Westfale mit der markanten Stimme und dem schwarzen Brillengestell versteht es von Anfang an, das Publikum bei seiner musikalischen Lesereise an seinen Gedanken teilhaben zu lassen. Derweil ist die Veranstaltung in Bad Liebenwerda auch für den 60- jährigen Querdenker ein Zurückblättern in seinem Tagebuch, denn Heinz Rudolf Kunze ist "Lausitzer". Seine Familie stammt ursprünglich aus Guben. "Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich schon einmal in Bad Liebenwerda war", verrät Kunze, "zumindest kommt es mir ziemlich bekannt vor, vielleicht vom Mineralwasser".

"Wir haben Heinz Rudolf Kunze schon auf Konzerten erlebt und seine musikalische Karriere immer verfolgt", so Ulrike Fischer aus Maasdorf mit Freundin Beate Neumann: "Nun sind wir auf die Inhalte seines Buches Schwebebalken gespannt".

"Meine Lesungen sind eine andere Art des Zuhörens", beschreibt Heinz Rudolf Kunze: "Konzerte sprechen alle Sinne an, hier spielt das Wort die Hauptrolle". "Die Lieder sind diesmal nur Garnierung, um die Leute von meinen Wortgewittern ein wenig zu entlasten", sagte der Liedermacher. Für die besagte Garnierung sorgt an diesem Abend Gitarrist Carsten Klatte mit experimentellen und beschwingten Jazzklängen.

Heinz Rudolf Kunze nimmt kein Blatt vor den Mund und zitiert frei aus seinem Werk. In kurzweiligen Anekdoten erzählt er über den Sinn des Lebens und das Sterben, über Männer und Frauen - und wird mehrfach politisch, vom Dritten Reich bis zur wohlhabenden Bundesrepublik.

Familie Gielow aus Schlieben mag den rhetorischen Tiefgang des Künstlers: "Es ist für uns die erste Lesung und seine Texte regen sehr zum Nachdenken an". Stilvoll in Bildsprachen und Metaphern verpackt, philosophiert Kunze über die "allergische Zukunftselite", die "Deutsche Wackelpudding Regierung" und über die freiwillige Stasiform namens Facebook. "Wir schätzen das politische Engagement, welches Kunze immer wieder mit versteckten Pointen in seinen Texten und Liedern einfließen lässt", so Norbert und Christine Roy aus Herzberg.

"Früher stellten wir uns die Nachrichtensprecher nackt vor. Heute schauen wir keine Nachrichten mehr." Kunze liest unbekümmert, gesellschaftskritisch, authentisch und ziemlich sympathisch. Seit den achtziger Jahren hat Heinz Rudolf Kunze über 30 Alben und fast 20 Bücher veröffentlicht. Und es brodelt weiter in ihm textlich und musikalisch.

Dem vielfachen Musikwunsch der Kurstädter kommt Heinz Rudolf Kunze im Anschluss seiner Lesung gleich in sechs Zugaben nach, spielt sowohl altbekannte Melodien wie "Leg nicht auf" oder "Deutschland", als auch Lieder aus seinem neuen Cover-Album "Meisterwerke: Verbeugungen".