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| 14:37 Uhr

Literatur
Heinrich Böll, ein Einmischer

Ingrid Hoberg
Ingrid Hoberg FOTO: Sebastian Schubert / LR
Runde Geburtstage sind allenthalben ein Anlass, in Gedenkreden große Stücke auf den Jubi­lar zu halten. So wird es auch heute zum 100. Geburtstag von Heinrich Böll sein. Schließlich gilt er als einer der bedeutendsten und meistgelesenen deutschen Schriftsteller – der Nachkriegszeit. Und darin liegt der Hase im Pfeffer: Wird heute noch der Antikriegsroman „Wo warst du, Adam“ gelesen oder „Billard um halbzehn“ oder „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“? Von Ingrid Hoberg

Mit einer kurzen Erzählung erinnert der Verlag Officina Ludi, bekannt für außergewöhnlich  gestaltete Bücher, an den Schriftsteller. „Der Wegwerfer“ heißt die Satire, die 1957 in „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ erschienen ist. Es sind gerade einmal 28 Seiten in dieser Ausgabe, auf denen die alltägliche Papierflut und der immer noch grassierende Verpackungswahn eine zeitlose Darstellung finden. Wird heutzutage nicht mehr verpackt denn je, werden nicht mehr sinnlose Briefe verschickt als zu Zeiten Bölls? Sein Wegwerfer unterscheidet zwischen Wichtigem und Unwichtigem, und scheut sich doch, sich zu seinem Beruf zu bekennen. Würden ihn seine Mitmenschen verstehen?

Das Lesen der Satire ist nicht nur ein gedanklicher Genuss – bei dieser Ausgabe genießt das Auge mit. Die Grafiken hat Hannes Binder (Zürich) in der ungewöhnlichen Filmschabtechnik ausgeführt. Das heißt, es wurde in die Schicht eines belichteten Films geschabt – die Grafiken wirken wie Holzschnitte und setzen eine hohe handwerkliche Kunst voraus. Was wegegeschabt ist, ist weg. Gedruckt wurde auf italienischem Büttenpapier – das atmet, das ist Buchdruckkunst. So lässt sich die Leseneugier zurückführen zu Heinrich Böll, der vor 100 Jahren in Köln geboren wurde und Zeitlebens ein Einmischer war.

Heinrich Böll: Der Wegwerfer, Officina Ludi, 28 Seiten, 14,95 Euro
Heinrich Böll: Der Wegwerfer, Officina Ludi, 28 Seiten, 14,95 Euro FOTO: Böll