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| 02:48 Uhr

Haselnüsse zu Weihnachten

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Wenn das Haus geschmückt ist und die Kerzen brennen, steckt der Prinz dem Aschenbrödel den Schuh an den Fuß und gemeinsam reiten beide durch schneeverwehte Weiten ihrem Glück entgegen. Seit 33 Jahren flimmert diese Szene alljährlich zu Weihnachten weltweit über die Fernsehbildschirme. Von Silke Katenkamp

Der tschechisch-ostdeutsche Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" gehört nicht nur für Kinder zu Weihnachten.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Aschenbrödel lebt als Waise bei der bösen Stiefmutter und wird von ihr und der garstigen Stiefschwester schikaniert. Im Gegensatz zur Grimmschen Version spielt der Knecht eine entscheidende Rolle: Er schenkt ihr drei verzauberte Haselnüsse. In einer verbirgt sich das prächtige Kleid, mit dem Aschenbrödel auf dem Ball des Prinzen erscheint. Der verlorene Schuh führt ihn auf die Spur, der Rest ist bekannt.

Vor 35 Jahren feierte "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" Premiere in Prag, 1974 in Ostberlin, 1975 wurde er erstmals im WDR gezeigt. Seitdem lockt das Werk von Regisseur Václav Vorlícek Millionen Fans vor die Bildschirme. 2007 lag der Marktanteil allein am ersten Weihnachtstag in der ARD mit 1,6 Millionen Zuschauern bei 13,8 Prozent. In diesem Jahr zeigen die Kanäle der ARD das Märchen insgesamt zehnmal an den Feiertagen.

Den Anfang macht der WDR Heiligabend um 16.15 Uhr. Aber auch in Tschechien, der Schweiz, Frankreich, Norwegen und sogar auf den Philippinen gehört Aschenbrödel zu Weihnachten wie Christbaum und Geschenke.

Warum sein Film so erfolgreich ist, kann Vorlícek nicht erklären. "Es ist eben eine sehr schöne Fassung des alten Märchens." Im Gegensatz zur deutschen Version fügt sich Aschenbrödel bei Vorlícek nicht demütig ihrem Schicksal, sondern ist witzig, klug und selbstbewusst. Trotz des Verbotes ihrer Stiefmutter jagt sie heimlich mit ihrem treuen Pferd Nikolaus stürmisch durch den Wald. Den Prinzen fordert sie mutig mit der Armbrust heraus. Und als er sich endlich in sie verliebt, fällt sie ihm nicht einfach in die Arme, sondern gibt ihm ein Rätsel auf.

Gerd Müntefering wundert dieser Kult nicht. Der 73-Jährige hat den Märchenklassiker nach West-Deutschland gebracht. Als Leiter des WDR-Kinderfernsehens war er für Filmeinkäufe häufig in der Tschechoslowakei unterwegs.