ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:54 Uhr

Finsterwalder Stadtgespräch
Hannes Jaenicke: „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche.“

Hannes Jaenicke beim Stadtgespräch in Finsterwalde.
Hannes Jaenicke beim Stadtgespräch in Finsterwalde. FOTO: LR Medienverlag GmbH / Jürgen Weser
Finsterwalde. Hannes Jaenicke hat sein neuestes Buch beim 30. Finsterwalder Stadtgespräch vorgestellt. Von Jürgen Weser

Die Finsterwalder Stadtgespräche gibt es seit 18 Jahren. Organisator Joachim Schiller hat Politik- und Künstlerprominenz von Lothar de Maiziere, Walter Momper und Marianne Birthler bis zu Joachim Gauck und von Inge Deutschkron und Christoph Hein bis zu Carmen Maja Antoni, Helmut Karasek und Iris Berben in den alten Warenspeicher des Jugendstilhauses Ad. Bauer’s Wwe. nach Finsterwalde gelockt.

Zum „Jubiläumsgespräch“ erschien nun der Schauspieler und Naturschützer Hannes Jaenicke.Jaenickes Präsenz als Schauspieler mit mehr als 30 Filmprojekten und als unbequemer Streiter für Naturschutz und Tierwohl mit zahlreichen Filmprojekten oft auch gegen die etablierte Politik hatten für einen wahren Ansturm auf die Eintrittskarten gesorgt. Mitgebracht hatte Hannes Jaenicke zum Stadtgespräch sein bisher drittes Buch. Er las aus „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche. Warum wir dringend Helden brauchen.“ und kommentierte dazu aktuelle und historische Zeitereignisse.

Zunächst sorgte Cellist Nassib Ahmadieh aus Bahrenboims „West Eastern Orchester“ mit Auszügen aus Bach-Suiten für den musikalischen Einstieg und schlug mit der Völkerverständigungsidee des Orchesters einen Bogen zu Jaenickes Überzeugungen. Gastgeber Sebastian Schiller überraschte Hannes Jaenicke in seiner Begrüßungsrede mit einem großen Foto von seinem Kinodebüt 1984 mit Götz George in „Abwärts“. Im Schauspielerleben Jaenickes ging es seitdem steil aufwärts. Götz George ist für Jaenicke bis heute „Vorbild und einer der Querdenker und Helden, die wir brauchen“. Ja, machte er mit Auszügen aus dem Buch deutlich, „die Sicherheit der Herde ist wichtig, aber man muss wissen, wann man ausschert“. Mit dem Blick auf die aktuelle internationale Politik und bestimmte „Führungspersönlichkeiten“ könne er nicht begreifen, warum viele so begeistert „unfähigen Leittieren folgen“, das würde in der Tierwelt nicht passieren. Der diffuse Hass auf Eliten treibe Menschen zu Trump und Co. „Das war vor dem Dritten Reich ebenso“.

Man müsse alltägliche Helden stärken, erinnerte er an die Leistungen vieler Freiwilliger in der Flüchtlingsfrage. Merkels „Wir schaffen das“ sei deshalb nicht zu schaffen gewesen, weil unfähige Politiker es von Beginn an nicht schaffen wollten, verwies Jaenicke auf die aktuelle Entwicklung. Wir befänden uns in einer Neidgesellschaft, mit „Neid, Missgunst und Schadenfreude pflegen wir einen deutschen Triathlon“. Warum freue man sich nicht über Helden wie Felix Finkbeiner, der 2008 als Elfjähriger mit dem Pflanzen von Bäumen angefangen hat und inzwischen gegen Widerstände zum Klimapionier geworden ist.

Mit der Lesung und im Gespräch punktete Jaenicke mit seiner direkten und geradlinigen Art, wenn er von „impotenten und überforderten Politikern“ und „krimineller Agrarindustrie“ sprach. Ja, trotz aller Kritik sei es für ihn nirgendwo besser als in Deutschland, wenn er an unsere Sicherheiten und korrupte Staaten in Afrika und Indonesien denke. Diese Erfahrung habe er bei seinen Filmprojekten machen müssen. „Ich bin kein Tierschützer“, wehrt sich Jaenicke gegen die verbreitete Meinung. „Unser Umgang mit Natur ist mein Hauptthema, so gebe es gerade ein Projekt zum Plastikmüll.“ Über Tierfilme könne man viele Menschen aber besser erreichen und ihnen die globale Naturbedrohung verdeutlichen. Als nächstes Projekt werde am 21. August sein Leoparden-Projekt ausgestrahlt. Gefährlich Situationen habe es bei den Filmprojekten gegeben, reagierte er. „Aber die gefährlichste Situation gab es, als ich eine Plastikpetition an Frau Merkel übergeben wollte. Wegen der Bodyguards.“, schmunzelt er. Auch in solchen Situationen sei Humor wichtig. Humor betrachte er als Schlüssel für das Leben.

Natürlich sei er auch noch leidenschaftlicher Schauspieler, „Wenn mich die Drehbücher überzeugen“, versichert der abwechselnd in Ammersee und Los Angeles lebende Mime mit zwei Staatsbürgerschaften. So können die Fernsehzuschauer im Dezember mit dem „Amsterdam-Krimi“ als Zweiteiler einen etwas anderen Krimi erwartenSchon 2010 hatte Richard von Weizsäcker die „Finsterwalder Stadtgespräche“ als besondere bürgerliche Initiative hervorgehoben. Für Hannes Jaenicke sind sie Beleg für individuelles Engagement.  „Wir dürfen die schlechte Welt nicht akzeptieren, wir müssen heraus aus dem Herdentrieb“, so sein abschließendes Credo.