Und dazu noch das erzählerische Können und die Stilsicherheit eines Ian McEwan. Sonst könnte bei einem Einfall wie diesem viel schiefgehen: Der junge Hamlet als Fötus. Bruder- und Gattenmord, Gier und Gemeinheit, Sinnen auf Rache - alles erzählt aus der Uterusperspektive. Von einem scharfsinnigen Embryo, der eine ebenso ausgeprägte Ader für Ironie hat wie der Autor selbst. Ein ungeborenes Alter Ego sozusagen - und eine Meisterleistung. Als McEwans "Nutshell" im September im englischen Original erschien, waren die Kritiken überaus positiv. Die deutsche Ausgabe "Nussschale" in der erstklassigen Übersetzung von Bernhard Robben erschien jetzt. McEwan sei die Mischung des scheinbar Unvereinbaren gelungen, lobte die Pulitzer-Preisträgerin Michiko Kakutani in der "New York Times". Mit einem "magischen Trick" habe der Autor aus der "Hamlet"-Tragödie und Amy Heckerlings Filmkomödie "Kuck mal, wer da spricht!" einen "klugen, witzigen und äußerst fesselnden Roman" geschaffen.

Ian McEwan: Nussschale. Diogenes Verlag, 208 Seiten, 18,99 Euro