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| 16:29 Uhr

Interview mit Macher Hamed Shahi
"Das New Fall Festival in Düsseldorf findet statt!"

Hamed Shahi (Archivbild).
Hamed Shahi (Archivbild). FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Der Macher der populären Düsseldorfer Veranstaltung "New Fall" hat seinen Insolvenzantrag zurückgezogen und will weitermachen. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert er seine Pläne. Philipp Holstein

Der Macher der populären Düsseldorfer Veranstaltung "New Fall" hat seinen Insolvenzantrag zurückgezogen und will weitermachen. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert er seine Pläne.

Hamed Shahi sitzt in seinem Büro im Düsseldorfer Stadtteil Flingern auf dem Sofa. Er lächelt, stöhnt aber bei jeder Bewegung leicht auf. Bei einem Fahrradunfall vor wenigen Wochen brach der 46-Jährige sich sechs Rippen. Shahi möchte über das New Fall Festival reden, das er bisher mit seiner SSC Festivals GmbH veranstaltete. Die Zukunft des Düsseldorfer Festivals war bis zuletzt unsicher. Die Betreibergesellschaft hatte beim Amtsgericht Düsseldorf Antrag auf Insolvenz gestellt. Seit 2011 gab es das Festival, das immer im Herbst Konzerte für erwachsene Hörer veranstaltete und Gruppen wie Mogwai und Wilco in die Tonhalle oder das Congress Centrum lud. Es gab seit 2016 auch einen Ableger in Stuttgart, der indes auf Eis gelegt wird und 2018 nicht stattfindet.

Wird es das Düsseldorfer New Fall Festival auch in diesem Jahr geben?

Shahi Ja, aber anders. Wir müssen Abstand nehmen von der Riesen-Veranstaltung, die wir zuletzt waren. Wir konzentrieren uns auf das ursprüngliche Konzept: ein qualitativ hochwertiges Programm in besonderen Räumlichkeiten. Also: Es geht weiter und wird noch besser.

Wann findet es statt?

Shahi Vom 25. bis 28. Oktober 2018.

An welchen Orten?

Shahi Robert-Schumann-Saal, Tanzhaus, Johanneskirche, Bachsaal, Pong im NRW-Forum, Sipgate.

Die Tonhalle fehlt in der Aufzählung.

Shahi Richtig. Wir können uns eine Produktion in der Tonhalle nicht wirklich leisten. Die Tonhalle kann uns bei der Preisgestaltung nicht entgegenkommen, so wie sie es in den ersten drei Festival-Jahren getan hat, wofür ich sehr dankbar war, und wie es der Robert-Schumann-Saal heute noch macht. Ich hatte in der Tonhalle bereits reserviert, aber das werde ich jetzt absagen.

Gibt es bestätigte Künstler?

Shahi Vier kann ich schon verraten. Die Nerven. Der Plan. Tamikrest. Hundreds.

Gute Künstler, sicher. Aber sie passen nicht so richtig zusammen. Was ist das Konzept dahinter?

Shahi Wir versuchen wegzukommen von Stars und großen Namen. Wir sind facettenreicher aufgestellt. Wir präsentieren unabhängige Liebhabersachen. Besondere Bands, die uns am Herzen liegen. Und mit den Bands, die noch dazukommen werden, zielen wir auf das, was in den nächsten zwei Jahren relevant werden wird. Nicht umsonst gelten wir in der Branche als Trüffelschweine.

Mit wie vielen Zuschauern kalkulieren Sie?

Shahi 8000 bis 10.000 Zuschauer, verteilt auf etwa 15 Konzerte. Letztes Mal waren es etwa 25 Konzerte. Und wir werden auch mit den Eintrittspreisen etwas heruntergehen. Sie sollen bei 20 bis 25 Euro liegen.

Mit wem haben Sie gesprochen, um das Festival realisieren zu können?

Shahi Im Januar war noch nicht klar, ob wir das Festival noch einmal machen können. Bisher hat uns die Stadt großzügig unterstützt, aber mehr ging nicht. Ich stand also vor der Frage: Mache ich überhaupt weiter? Ich habe vorläufige Insolvenz angemeldet. Und dann haben wir mit jedem Gläubiger einzeln face to face gesprochen. Ich bin gerührt, dass so viele Partner und Sponsoren uns großzügig entgegengekommen sind. Viele haben auf Geld verzichtet oder uns sogar Geld gegeben.

Und die Stadt?

Shahi Es gab keine Möglichkeit für einen weiteren Zuschuss. Ganz viel Geld haben also ich und meine Familie privat hinzugegeben. Außerdem haben Mitarbeiter teilweise auf ihre Gehälter verzichtet. Für dieses Jahr habe ich gerade wieder einen Antrag auf den Zuschuss fürs Festival gestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir in derselben Höhe wie im vergangenen Jahr unterstützt werden.

Ist es im Mai für solch einen Antrag nicht arg spät?

Shahi Das ist sportlich, ja. Aber es handelt sich ja auch um eine besondere Konstellation.

Wie ist es juristisch: Ist Ihre Firma SSC Festival GmbH nach wie vor der Veranstalter?

Shahi Es gibt nun die New Fall Festival gGmbH. Wir sind jetzt gemeinnützig. Und weil die Organisationsform neu ist, müssen wir den Rat informieren und die bereits zugesagten Zuschüsse neu beantragen. Das ist aber reine Formsache.

Und wenn die Stadt nicht zahlt?

Shahi Es gibt keinen Grund, ein funktionierendes Festival nicht zu bezuschussen.

Aber so gut hat es ja dann doch nicht funktioniert. Stichwort vorläufige Insolvenz.

Shahi Ja, harte Rechner mögen das so sehen. Aber in der Musik geht es um eine andere Währung, und zwar um die Gänsehaut, die der Zuschauer hat. Nicht um die Anzahl der verkauften Tickets.

Einerseits. Andererseits wollen die Mitarbeiter und Partner ja doch irgendwann bezahlt werden.

Shahi Genau. Deshalb stellen wir uns neu auf.

Ist die vorläufige Insolvenz denn ad acta gelegt?

Shahi Ich habe den Antrag selbst gestellt und konnte ihn wieder zurückziehen, solange das Verfahren nicht eröffnet war. In Rücksprache mit Gläubigern und dem Richter habe ich beweisen können, dass wir es schaffen.

Das heißt, jeder hat freiwillig auf Geld verzichtet, damit das Festival weiterhin stattfinden kann?

Shahi Richtig.

Sind Sie jetzt privat schuldenfrei?

Shahi Nein. Es wird auch lange dauern, bis es soweit ist.

Geht es auch 2019 weiter?

Shahi Das frage ich mich nicht, weil es für mich selbstverständlich ist. Wenn ich nicht an 2019 glaubte, würde ich das New Fall 2018 gar nicht erst veranstalten.

Haben Sie Fehler gemacht? Sind Sie selbstkritisch?

Shahi Zweifelsohne. Ein Beispiel: Wir waren ein nachhaltiges Festival und hatten uns vorgenommen, den CO2-Ausschuss zu reduzieren. Jeder konnte mit unseren Tickets bisher umsonst mit der Rheinbahn fahren. Das haben wir bezuschusst. Die Rheinbahn könnte das leider nicht sponsern. Anderes Beispiel: Catering. Wir wollten kein Bier aus Holland importieren, sondern von regionalen Brauereien nehmen. Wir wollten auch keine Schnitzel aus Argentinien, sondern von Rindern vom Niederrhein. Das alles kostet Geld. Und man verkauft doch kein Ticket mehr. Zuletzt hatten wir 15.000 Besucher. Aber wir haben es nicht geschafft, die Kosten zu deckeln.

Und jetzt gibt es argentinisches Rind?

Shahi Jetzt gibt es gar kein Rind mehr.

Philipp Holstein führte das Gespräch.