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Festival
„Haltestelle Woodstock“-Festival verliert seinen Namen

Kostzryn/Küstrin. Das inzwischen selbst legendäre Musikfestival „Haltstelle Woodstock“ an der polnisch-deutschen Grenze bei Kostzryn verliert seinen Namen. Grund: Eine amerikanische Organisation, die die Rechte an dem Namen „Woodstock“ vertritt, will nach 23 Jahren von den polnischen Organisatoren Geld sehen. Darüber berichtet am Mittwoch die Märkische Oderzeitung. Von Dietrich Schröder

„Wir werden weiter eines der besten Festivals der Welt sein, bei dem es nicht nur um tolle Musik, sondern auch um Toleranz und Engagement für eine friedliche Welt geht.“ Die Worte von Jurek Owsiak, dem Begründer des Festivals, das alljährlich Anfang August Hunderttausende junge Menschen an die polnisch-deutsche Grenze zieht, hören sich ein bisschen an wie das Pfeifen im Walde.

Denn die traditionelle Veranstaltung verliert nach 23 Jahren ihren bisherigen Namen „Haltestelle Woodstock“ (polnisch: Przystanek Woodstock) und damit auch so etwas wie ihr Markenzeichen. Als das Festival 1995 zum ersten Mal in Polen veranstaltet wurde – damals noch nahe der Ostsee, der Umzug nach Küstrin erfolgte erst 2004 – hatte man sich ganz bewusst an einem historischen Vorbild orientiert: Das legendäre Festival, das im Sommer 1969 im amerikanischen Woodstock stattgefunden hatte. Dieses Event stand nicht nur für Stars wie Jimi Hendrix oder Janis Joplin, es bildete auch den Höhepunkt der Hippiebewegung und symbolisierte in Zeiten des Vietnamkrieges ein „anderes“, das friedliebende und künstlerische Amerika.

Vor wenigen Wochen sei jetzt aber ausgerechnet eine amerikanische Organisation, die die Rechte an dem Namen „Woodstock“ vertritt, mit finanziellen Forderungen an die polnischen Organisatoren herangetreten. „Wir bedanken uns, dass wir so lange diesen Namen nutzen durften, dabei auch schon längst eine eigene Tradition entwickelt haben“, kommentiert Jurek Owsiak diese Entwicklung.

Zum polnischen Markenkern gehört, dass die Besucher keinen Eintritt zahlen brauchen, weil die Haltestelle eigentlich eine große Danke-Veranstaltung für alle jene ist, die jedes Jahr im Januar eine große Spendenaktion für Kinderkrankenhäuser organisieren (Das „Große Orchester der Weihnachtshilfe“).

Außerdem stellt das Fest in Küstrin eine Plattform für gesellschaftliches Engagement und offenes Denken dar, weshalb es für die seit zweieinhalb Jahre in Warschau regierende Partei „Recht und Gerechtigkeit“ auch ein Dorn im Auge ist.„Um diesen unabhängigen, nicht-kommerziellen Charakter zu bewahren, haben wir uns in Pol’and’Rock-Festival umbenannt“, erläutert der Sprecher der Veranstaltung, Krzysztof Dobies.

Alles andere – sowohl der Termin am ersten August-Wochenende, die Teilnahme international bekannter Bands und das gesamte Flair mit Diskussionen, einem „Dörfchen der schönen Künste“ und einem Krishna-Centrum – bleibe dagegen auch 2018 beim Alten.

„Ein bisschen traurig bin ich aber doch über den Verlust dieses Namens. Denn damit sind sehr, sehr viele schöne Erinnerungen verbunden.“ Das sagt der 48-jährige Grzegorz Smuda aus Küstrin, der bei fast allen der bisher 23 Festivals dabei war. In einer Umfrage, die vom Küstriner Bürgermeister Andrzej Kunt erst zu Beginn dieses Jahres organisiert worden war, hatten sich drei Viertel aller Bewohner dafür ausgesprochen, dass die „Haltestelle Woodstock“ auch künftig in ihrem Ort stattfindet.