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| 02:38 Uhr

Hände und Handwerk

Vertieft in die Arbeit: In einem unbeobachteten Moment wird der in Vetschau lebende Günter Jantke in seiner Werkstatt von seinem künftigen Schwiegersohn Walter Schönenbröcher abgelichtet.
Vertieft in die Arbeit: In einem unbeobachteten Moment wird der in Vetschau lebende Günter Jantke in seiner Werkstatt von seinem künftigen Schwiegersohn Walter Schönenbröcher abgelichtet. FOTO: Schönenbröcher
Lübbenau/Vetschau. Fotografien von Handwerkern sind ab Donnerstag im Lübbenauer Rathaus zu sehen. Walter Schönenbröcher nahm sie für die Wanderausstellung "HANDwerk" auf. Grund zum Feiern hat der Künstler auch in einer anderen Beziehung. Jan Augustin

Als vor ein paar Jahren die Tochter mit einem fremden Mann im Schlepptau in seine Werkstatt kommt, ahnt Günter Jantke noch nicht, dass dieser sein künftiger Schwiegersohn werden wird. "Papi, ich habe hier einen Fotografen mitgebracht", soll die in der Region bekannte Sängerin Katrin Jantke damals zu ihrem Vater gesagt haben. Der selbstständige Bauschlosser erinnert sich gut an die Begegnung. Walter Schönenbröcher, der fremde Mann, fotografiert ihn mehrmals. Die entstandenen Bilder findet der noch aktive Handwerker "faszinierend". Ein Foto zeigt ihn unrasiert, völlig vertieft in die Arbeit. Was er da in der Hand hält, weiß Günter Jantke heute nicht mehr genau. Vermutlich eine gerade von ihm bearbeitete Metallplatte. Auf einem anderen Foto hält er einen Messschieber.

Hände - die sind das Objekt der Begierde von Walter Schönenbröcher. Meistens sind sie kräftig, von harter Arbeit gezeichnet, mal schmutzig. Auf jeden Fall immer schwarz-weiß, detail- und kontrastreich. "Da die derzeitige handwerkliche Produktion nicht auf den Einsatz moderner Maschinen und anderer Techniken verzichtet, möchte ich den Grundgedanken von der Ganzheitlichkeit des handwerklichen Produktionsprozesses in seiner ursprünglichsten Form, dem ‚händischen Schaffen' aufgreifen", erläutert der 1964 in Köln geborene Künstler. Mehr als 600 Werke aus 21 meist seltenen Handwerksberufen habe er mittlerweile geschaffen.

Seit Februar geht die von der Handwerkskammer Cottbus präsentierte Ausstellung "HANDwerk" auf Reise durchs Land. Sogar im Potsdamer Landtag war sie zu sehen. Ab Donnerstag macht sie für einen knappen Monat Station im Lübbenauer Rathaus. Die Schau findet im Rahmen des Kulturlandes Brandenburg statt, das diesmal unter dem Motto "Handwerk zwischen gestern und übermorgen" steht. Ziel des von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte initiierten Projektes sei es, die regionale Vielfalt des Bundeslandes näher zu bringen und das historische Erbe zu wahren, erklärt Walter Schönenbröcher, der einen Tag nach der Ausstellungseröffnung noch einen anderen Grund zum Feiern hat: Im Vetschauer Schloss will er Katrin Jantke das Ja-Wort geben. Auch für "Papi" Günter Jantke, der 75-jährig nun bald sein Gewerbe abmelden will, schließt sich so der Kreis. "Diese Menschen als Freunde zu haben, ist so etwas Wunderbares", sagt er stolz.

Zum Thema:
Bis Ende November geht die von der Handwerkskammer Cottbus präsentierte Wanderausstellung auf Reise durch die Lausitz. Nach dem sie im Lübbenauer Rathaus (1. bis 29. September) zu sehen ist, macht sie Station in Doberlug-Kirchhain (3. bis 28. Oktober) und Cottbus (14. bis 26. November). Das Projekt "HANDwerk" existiert seit 2011. Mehr als 300 Motive sind in Brandenburg, aber auch in Spanien und Großbritannien entstanden.