„An Kinder“ , das klingt wie Briefsendungen. Vielleicht ist daran etwas Wahres, etwas gut Bedachtes. Gedichte für Kinder mögen für Erwachsene uninteressant sein. Kinder bieten sie ihren großen Geschwistern, Eltern und Großeltern vielleicht gar nicht erst an. Gedichte an Kinder, eine Art Briefe also, die kann man aber, wenn sie nicht Persönliches, Intimes enthalten, weiterreichen. Wenn sie interessant sind.
Walther Petris Gedichte sind interessant, weil man hinter dem vordergründigen Unsinn, der uns anspringt, Hintersinn, ja Tiefsinn sucht. Dieses Buch mit dem eigenartigen Titel hat Petri gewidmet „den Vögeln, die ich am liebsten habe: den Pechvögeln, den Schmierfinken, den Spottdrosseln und Grünschnäbeln“ . Er fügt hinzu: „Also: nicht nur meinen eigenen Kindern“ .
Schon in diesen ersten Worten blitzt uns, nachdem wir das Buch aufgeschlagen haben, der Schalk entgegen. Kein Text will ernstgenommen, jeder will beachtet werden. Ob da nicht manchmal mehr ist als Spaß, ob sich hinter dem Ulk nicht ein Lebensrat verbirgt„ Da schreibt der Dichter:

„mit einem Bein
steh ich in
Schlauenhain
und mit dem
andren, ach
steck ich in
Dummersbach“

So befindet sich einer auf dem Wege vom Unwissen zur Erkenntnis. Oder wenn ein Käfer seinen Freunden rät: „Flieht! aber fix! und leise!“ , dann verbirgt sich darin die Warnung vor kleinen Zeitgenossen, die den Tieren wehtun und sie quälen. Sie heißen Petra Flügelrupf und Max Zertritteuch, können durchaus aber auch ein paar Jahre älter sein.
In den größeren Gedichten herrscht ein überraschender Bildreichtum, der hilft, die Natur und die Umwelt sehen zu lernen. Zuweilen sind es aber auch richtige Geschichten: über den Spatzen, der einem Kind einen Forschungsauftrag erteilt, und die Schildkröte, die in einem (nationalsozialistischen) Rüstungsbetrieb zum Langsamarbeiten auffordert.
Oft erfreut sich Walther Petri an Sprachspielen. Eines, mit einer großenteils blau gehaltenen Zeichnung versehen, lautet:

„Du hast kein Auto“
nimm Pinsel
und Farbe
mal dir
ein Blauto“

Da ringelnatzt, morgensternt, rothet, kästnert es zuweilen auf angenehme Weise über die Seiten dieses Buches. Mit Ironie und Augenzwinkern, die den „Kinderquatsch“ für die Erwachsenen würzen.
Das letzte Gedicht, das dem Buch den Titel gibt, behauptet, Humbug liege in der verkehrten Welt, wo „der Hund blüht und die Rose bellt“ .
Übermütig mit der Sprache spielen und diese damit besser lernen, das ist wohl außer Spaß mit ihr zu haben, eines der wichtigsten Ziele dieser Texte.
Sagen wir es mit unseren Worten und bemühen wir uns, uns reimend Walther Petri anzunähern:

Da herrscht ein großer Konsens:
Das ist ein schöner Nonsens.
Wunderbar ist es gewesen,
diesen Humbug mal zu lesen.