17 Millionen Euro hat die aufwändige Rekonstruktion des Unesco-Weltkulturerbes gekostet.
Auch Bauherr Walter Gropius wäre sicher mit dem Ergebnis zufrieden. "Wir sind der Ästhetik des historischen Bauhauses wieder nähergekommen", sagt der Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, Omar Akbar. Heute und morgen feiert das Bauhaus das Ende der Sanierung und den 80. Geburtstag in Dessau; mit einem Fest, der Konferenz "Moderner Internationalismus - Globale Weltkultur" und der neuen Schau "Ikone der Moderne".
1919 hatte der Architekt Walter Gropius (1883-1969) in Weimar eine der ersten Hochschulen für moderne Gestaltung eröffnet: das Staatliche Bauhaus. Künstler, Handwerker und Architekten sollten dort unter einem Dach zu Gestaltern ausgebildet werden. Nur wenige Jahre nach der Gründung musste die Hochschule aus politischen Gründen Weimar verlassen. Als neues Domizil standen Frankfurt am Main, Mannheim und Dessau zur Wahl. Dessau gewann. Gropius entwarf nicht nur das neue Bauhausgebäude, sondern auch sieben Wohnhäuser für sich und die Meister. Auch die Meisterhäuser gehören seit nunmehr zehn Jahren zum Weltkulturerbe.
Das Schulgebäude aus Glas, Beton und Stahl mit dem geradlinigen Bauhaus-Schriftzug an der Seite avancierte zum Symbol der Bauhausidee: die auf Funktionalität gerichtete Einheit von Kunst und Technik. Sie prägte das moderne Industriedesign und die Architektur. Doch nach der Ära Gropius verlor das weltberühmte Gebäude, das schon lange keine Hochschule mehr beherbergt, immer mehr sein ursprüngliches Antlitz.
"Wir haben im Treppenhaus fast 40 Farben gefunden", schildert Akbar. Immer wieder seien Wände übermalt worden. "Die ersten Übermalungen gab es wahrscheinlich schon Ende der 20er-Jahre." Viele der großzügigen, hellen Räume wurden geteilt, darunter auch das Direktorenzimmer. Nun ist es wieder im Originalzustand zu sehen. Die Besucher erwartet neben den neuen Einblicken erstmals seit zehn Jahren wieder Museumsruhe statt Baustellenlärm. Sie dürfen das gesamte Gebäude wieder ansehen.
Die 1994 gegründete Bauhaus-Stiftung pflegt das berühmte Dessauer Gebäude-Ensemble und erfüllt es mit Leben. Bei der Sanierung, in die auch Mittel von EU, Bund, Land und Stadt flossen, trug sie bislang unbekannte Dokumente zusammen. Sie sollen bald gezeigt werden. Vom kommenden Frühjahr an soll es im Bauhaus eine ständige Ausstellung über das noch immer modern wirkende Gebäude und seine Künstler - etwa Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger - geben. Unter den 22 000 Exemplaren sind rund 80 Jahre alte Briefe, Architekturzeichnungen, Kunstwerke, Mobiliar und Fotos.
Etwa 80 000 Besucher kamen nach Angaben der Stiftung in jüngerer Zeit jährlich ins Bauhaus. "Wir glauben, dass die Zahlen mit dem Abschluss der Sanierung erheblich steigen werden", sagt Akbar. Nach Auffassung des Direktors hat die Aufnahme des Bauhauses in die Weltkulturerbeliste und die behutsame Sanierung seine nationale und internationale Bedeutung erhöht. Schon in den vergangenen Jahren kamen viele Amerikaner, Japaner und Europäer in die ansonsten eher unbedeutende Stadt Dessau, um dort auf den Spuren von Walter Gropius zu wandeln.