| 17:21 Uhr

Berührendes Konzert
Wenn Musiklegenden die Welt verändern

Die Lausitzer Rundschau präsentierte am Dienstagabend in der Cottbuser Klosterkirche: .The King of Klezmer plays BEATLES.Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartett
Die Lausitzer Rundschau präsentierte am Dienstagabend in der Cottbuser Klosterkirche: .The King of Klezmer plays BEATLES.Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartett FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartett bringen mit dem Jerusalem-Duo in Cottbus Beatles-Songs ungewöhnlich zum Klingen. Von Ida Kretzschmar

Dienstagabend in der hell leuchtenden Cottbuser Klosterkirche. Eine leises „Yesterday“ auf der Klarinette schleicht sich in die Herzen der mehr als 450 Zuschauer. Vier Cellisten nehmen den Ton auf. Der Klang erreicht im Zusammenspiel eine neue Dimension, verschmilzt zu einem kraftvollen Sound.

Mit großem Applaus begrüßen die Zuschauer Giora Feidman, den King of Klezmer, der erneut eine Möglichkeit sucht, Musik im neuen Gewand zu präsentieren. Gemeinsam mit dem Rastrelli Cello Quartett stellt er, selbst schon Musiklegende, seine eigene Interpretation von Beatles-Songs vor.

Giora Feidman und Freunde spielen die Beatles FOTO: Von Michael Helbig

Musik, die die Welt veränderte, junge Menschen in Begeisterung und Rebellion auf allen Erdteilen einte, unabhängig von Religion und Kultur. Daran erinnert an diesem von der RUNDSCHAU präsentierten Konzertabend auch Giora Feidman. 1936 als Sohn jüdischer Einwanderer in Buenos Aires geboren, spielte er schon mit 20 Jahren im Orchester des berühmten Teatro Colón als Klarinettist.

Mit 21 Jahren wanderte er nach Israel aus und tourte als Mitglied des Israel Philharmonic Orchestra durch die ganze Welt, bevor er sich mehr und mehr dem jüdischen Soul widmete und zum König des Klezmer wurde, der auch Spielbergs „Schindlers Liste“ musikalisch untermalte.

Dabei faszinierte ihn schon in jungen Jahren diese unheimliche Kraft in der Musik der Beatles. Mehr als 50 Jahre später legt der charismatische Musiker, der nicht nur Brücken zwischen Deutschen und Juden zu bauen versteht, mit dem Cello-Quartett ein Album mit Beatles-Songs vor. Mehr noch: Sie bringen diese Musik in die Konzertsäle und Kirchen.

„Die Power der Beatles-Songs vereint den ganzen Planeten und alle Generationen“, sagt der 82-Jährige. Und sogleich erklingen selbst längst zum Klassiker gewordene Kompositionen von John Lennon und Paul McCarthney klassisch interpretiert. Was auf kammermusikalischer Ebene übrigens  schon die Beatles selbst 1965 mit einem Streichquartett ausprobierten, ergänzt nur durch eine akustische Gitarre. Auch damals war es „Yesterday“, inzwischen der meist gecoverte  Pop-Song aller Zeiten.

Und auch an diesem Abend gelingt es den Musikern um Giora Feidman, die Menschen in tiefster Seele zu berühren. Es scheint sogar, als formen sie mit ihren In­strumenten die altvertrauten Worte. Eine eigentümliche Illusion, hervorgerufen durch überbordende, entfesselte Gefühle, die mit jedem Ton hervorströmen, das Innerste nach außen kehren.

Dem sanften Herantasten folgt ein schwungvolles Solo der vier Cellisten mit „Dizzy, Miss Lizzy“ von Larry Williams, das die frühen Beat­les einst eingespielt hatten. In der Klosterkirche vibrieren dabei nicht nur die Instrumente, sondern auch die Körper der Musiker, die Feidman als „das beste Quartett der Welt“ vorstellt. Was kann man sich auch Besseres vorstellen in „A Hard Days Night“. Mit diesem bekannten Stück geht es in die Pause, die noch ein wenig hinausgezögert wird: „Weder in der Thora, der Bibel, noch im Koran ist geschrieben, dass Zugaben nur am Schluss stehen. Bei uns gibt es sie jetzt“, kündigt Feidman an, der mit hintergründigem Humor durch den Abend führt.

Schon ist klar, dass die Zuschauer auch am Ende ohne Zugaben (und wenigstens einen Klezmer-Vortrag!) die Kirche nicht verlassen wollen. Vorerst gibt es aber noch eine spezielle Verneigung vor der erfolgreichsten Band der Weltgeschichte: „Thank You To The Beatles“, geschrieben von Mischa (Mikhail Degtjareff), einem der Musiker aus dem Quartett. Anderen, wie vor allem Sergio Drabkin und Kira Kraftzoff, sind die besonderen Arrangements zu verdanken. Noch zwei „Special Gäste“ begrüßt Giora Feidman im charmanten Denglisch: das Jerusalem Duo, André Tsirlin und Hila Ofek. Sie zaubern „Somethink“ hervor, perlende engelsgleiche Töne, in denen eines der jüngsten akustischen Instrumente der Musikgeschichte, das Saxofon, mit der Harfe, einem der ältesten Instrumente, zusammentrifft. Mit großväterlichem Stolz verrät der große alte Mann der Klarinette nebenbei, dass die talentierte Harfenistin aus Israel seine Enkeltochter ist.

Im rasanten Rhythmus geht es „Back In The USSR“, werden „Honey Pie“ und „Obladi-Oblada“ gefeiert.

Tosender Beifall. Wow! Können Instrumente vielleicht doch singen? Ihre Sprache ist jedenfalls so beredt, dass am Ende das ganze Kirchenschiff im hundertfachen Chor mitsingt: „Hey Jude, don‘t make it bad...“ ⇥www.lr-online.de/bilder