„Zweimal musste ich weinen, bei der Hatikva und bei Wagner“, zitierte die Zeitung einen der Musiker und fügte hinzu: „Er war nicht der Einzige“.

Neben Wagners „Siegfried-Idyll“ hatte das Israel Chamber Orchestra am Vortag in Bayreuth auch Werke von Tzvi Avni, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Liszt gespielt. Die Musiker und ihr Dirigent Roberto Paternostro wollten mit dem Konzert ein Zeichen „der Annäherung, der Toleranz und eines offenen geschichtsbewussten Kulturaustausches“ setzen.

In Israel wird der deutsche Komponist wegen seiner antisemitischen Ansichten und der Vorliebe Hitlers für seine Musik jedoch boykottiert. Zwar wagten es Dirigenten wie Daniel Barenboim, das Tabu zu brechen und Wagner-Stücke in Israel zu spielen, konnten den Boykott aber nicht wirklich beenden.

Der gebürtige Wiener Paternostro, Kind einer Familie von Holocaust-Überlebenden, sagte „Haaretz“, nicht jeder Schöpfer eines großen Kunstwerkes müsse notwendigerweise auch ein guter Mensch sein. „Es ist möglich, die Persönlichkeit des Komponisten von seiner Arbeit zu trennen“, betonte Paternostro.