Denn es handelt sich um eine „Nachtschicht der Meisterfälscher“. Zentraler Bestandteil dieser Veranstaltung sind 24 Gemälde-Fälschungen der russischen Brüder Eugen, Michael und Semjon Posin, die etwa Werke von Lucas Cranach, Vincent van Gogh, Caspar David Friedrich, Albrecht Dürer, Claude Monet oder von Rembrandt und Rubens täuschend echt kopieren. Der Großräschener Unternehmer Gerold Schellstede ist ein Fan der Posins, mit deren Arbeiten er in seinem Seehotel ein Fälschermuseum eingerichtet hat. Und sich nun eben überzeugen lassen konnte, dass unter anderem Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ mal eine „Nachtschicht“ in der Energiefabrik Knappenrode fahren kann. Mit dem richtigen Lächeln, aber meisterhaft gefälscht.

„Die ‚Nachtschicht' ist ja immer ein Spiel mit der Geschichte des Ortes“, erklärt Museumsleiterin Ute Baumgarten. „Die Ur-Idee war es, den Wandel des Standortes von einer alten Brikettfabrik zum Museum zu zeigen. Und das wird überhöht, wenn man dort Kunstwerke reinhängt. Da kamen uns die Bilder von Herrn Schell stede in den Sinn.“ Das Thema war gesetzt, da konnte der Faden auch weitergesponnen werden. Fälschungen entstehen ja nicht selten in Nachtschichten. Ute Baumgarten: „Wir haben das dann ausgebaut zur ‚Nacht der Meisterfälscher' und spielen einfach auf verschiedene Arten mit dem Thema.“

Es gibt insgesamt fünf Spielorte: Die Galerie der Meisterfälscher geht durch die historische Fabrik, über sieben Etagen. Zweite Station ist eine Fälscher-Werkstatt, dort wird nach guter alter Alchimisten-Art Gold und Silber hergestellt. Als Nächstes kann man sich in der Ofen-Austellung Fälscher-Geschichten anhören, vorgetragen vom Schauspieler Hansdieter Neumann, der auch als „Generaldirektor Werminhoff“ von den Führungen durch die Brikettfabrik bekannt ist. In der Klang-Werkstatt wiederum demonstriert eine Band um Sascha Mock unter dem Motto „Alles nur geklaut“ was im Laufe der Musikgeschichte so variiert, kopiert und eben geklaut worden ist. Ebenfalls in dieser Werkstatt arbeitet Jörg Klingenberg. Er hat einen Beruf, den es wohl bald gar nicht mehr geben wird: Geräuschemacher. Und zwar ohne Computer. Was eignet sich beispielsweise, um Pferdegetrappel zu imitieren? Genau: Kokosnüsse.

„Und das Ganze wird dann zusammengefasst im ,Labyrinth der Fälscher', wo wir mit unserem Fabrikgeist, der nicht fehlen darf, durch die Geschichte des Fälschens führen“, ergänzt Ute Baumgarten. „Das geht von Potjomkinschen Dörfern bis zu Konrad Kujau.“ Wobei unsicher ist, ob der Fabrikgeist diesmal nicht ebenfalls eine Fälschung sein könnte.

Auch die kulinarische Versorgung ist übrigens dem Thema der diesjährigen „Nachtschicht“ angepasst – so kann unter anderem Falscher Hase verzehrt werden.

Vielleicht tauchen am Sonnabend in Knappenrode auch ein paar Frauen mit falschen Wimpern auf. Oder – man will es nicht hoffen – es laufen falsche Fuffziger wie Falschgeld rum. Nicht falsch wiederum ist die Annahme, dass am Eingang zur Energiefabrik besser mit echten Euros bezahlt wird.

„Nachtschicht der Meisterfälscher“ am 15. Oktober von 18 bis 24 Uhr im Sächsischen Industriemuseum Energiefabrik Knappenrode. Eintritt 15 Euro, Kinder bis 16 Jahre zehn Euro. Tickethotline 0355/590 29 29.

www.saechsisches-industriemuseum.de