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| 02:39 Uhr

Geschichte zwischen Privatem und Öffentlichem

Gerhard Altenbourg: Rebecca auf dem Dünenthron, 1976, Pittkreide, Tempera, Aquarell, Rötel auf Bütten, alt. Sammlung Brusberg Berlin.
Gerhard Altenbourg: Rebecca auf dem Dünenthron, 1976, Pittkreide, Tempera, Aquarell, Rötel auf Bütten, alt. Sammlung Brusberg Berlin. FOTO: Stiftung Gerhard Altenbourg / VG Bild-Kunst Bonn 2016
Cottbus. Es ist nicht das große Thema Kriegstraumata, das in einer neuen Heisig-Ausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus (dkw) gezeigt wird. Es geht ums Zeitunglesen und Fensteröffnen. Parallel zeigt das Museum die Schau "Arbeiten auf Papier" von Gerhard Altenbourg. Anna Ringle

Ein Mann am Fenster und noch einer und noch einer: Mit einer Kabinettausstellung beleuchtet das Cottbuser Museum Dieselkraftwerk einen thematisch eingegrenzten Teil des malerischen Werks von Bernhard Heisig (1925-2011). Es ist nicht sein großes Thema Gewalt und Traumata des Zweiten Weltkriegs. Neben dem Fensteröffner geht es um das Motiv des Zeitungslesers, hinzu kommen Stillleben. Die Schau "Gegenüber" wird am heutigen Freitag um 19 Uhr eröffnet.

Immer wieder anders

Viel ist zu entdecken beim genaueren Blick: Das Motiv des Mannes am Fenster begleitete Heisig viele Jahre. Er malte ihn aber immer wieder anders. Da ist ein Mann, der reißt geradezu mit überschwänglicher Freude das Fenster auf (1989), direkt daneben hängt ein späteres Werk aus dem Jahr 2003, in dem der Mann am Fenster ausgemergelt wirkt, fast schon etwas fratzenhaft. Gegenüber in dem Ausstellungsraum: Der Zeitungsleser (1995). Der Kopf des Mannes verschwindet hinter dem Blatt.

Museumsleiterin Ulrike Kremeier erläutert, dass es in der Schau auch um den Gegensatz von Privatem und öffentlicher Sphäre gehe. Über den Zeitungsleser sagt sie: "Der macht zu." Das Blatt stehe hingegen für die Öffentlichkeit. Die Schau wolle zeigen, wie Heisig Geschichte zwischen Privatem und Öffentlichem auslotete.

Die meisten der 13 Bilder hängen in einem Raum im Obergeschoss, hinzu kommen zwei Porträts im Eingangsbereich sowie im Aufgang das Bild "Christus soll schweigen" (1991). Es setzt einen Kontrapunkt, weil hier ein sehr bekanntes Thema von Heisig gezeigt wird: Gewalt und Traumata des Zweiten Weltkriegs. Christus ist auf einem Panzer dargestellt.

Gemeinsame Schau geplant

Heisig gehörte zu den bekanntesten DDR-Künstlern. Das Dieselkraftwerk erhielt im vergangenen Jahr eine große Dauerleihgabe an Heisig-Gemälden aus der Kölner Sammlung Vera Schreck. Auch das Potsdam Museum bekam einen Teil der Bilder. Die beiden Häuser planen für 2019 eine gemeinsame Heisig-Schau. Die Kabinettausstellung ist sozusagen ein Vorgeschmack. Das Cottbuser Kunstmuseum wurde 1977 gegründet. Die Sammlung besteht aus rund 30 000 Werken.

Ebenfalls am heutigen Freitag lädt das Kunstmuseum um 19 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung "Gerhard Altenbourg. Arbeiten auf Papier" ein. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.

Gerhard Altenbourg - geboren 1926 in Rödichen-Schnepfenthal, gestorben 1989 in Meißen - war ein außergewöhnlicher Künstler, erklärt das dkw. "In einem Zeitraum von über vier Jahrzehnten entwickelte er, trotz Behinderungen staatlicherseits, unbeirrt ein vielschichtiges, reiches und äußerst faszinierendes uvre. Sein Werk, das mehrere Tausend Arbeiten umfasst und in größter Zurückgezogenheit im thüringischen Altenburg entstand, ist schwer einzuordnen, doch sind verschiedenste Einflüsse erkennbar, zum Beispiel von Wols, Paul Klee und den Dadaisten."

Selten der Öffentlichkeit gezeigt

Unikate auf Papier bilden den Mittelpunkt seines Schaffens, die seinen Status als Künstler begründen. Mehr als 50 Aquarelle, Zeichnungen und Mischtechniken aus den Jahren 1949-1989 stehen daher auch im Zentrum dieser Ausstellung. Des Weiteren werden 32 frühe Lithografien präsentiert, die 1949-1952 in der Werkstatt des Weimarer Druckers Arno Fehringer angefertigt wurden. Die selten der Öffentlichkeit gezeigten Leihgaben, die vornehmlich aus privaten Sammlungen stammen, stellen die Bildwelten des äußert sensiblen und belesenen Zeichners vor. So sind Bilder aus der frühen Schaffensphase zu sehen, in denen das Trauma des Zweiten Weltkriegs nachklingt, bis hin zu späten Arbeiten, in denen sich, so das dkw. "oftmals Groteskes und Abgründiges mit Humorvollem und Poetischem verschwistert".

Beide Ausstellungen sind bis zum 3. April zu sehen.

Dieselkraftwerk Cottbus, Uferstraße/Am Amtsteich 15, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Telefon: 0355 / 4949 4040.

Turnusführung mit Ulrike Kremeier durch die Heisig-Ausstellung am Sonntag um 16 Uhr.