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Geschasster Intendant Sewan Latchinian will gegen Rauswurf klagen

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Rostock. Der geschasste Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, will seine fristlose Kündigung nicht hinnehmen. Er werde dagegen klagen, sagte er im Deutschlandradio Kultur. dpa/roe

Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger sieht die Lage im Rostocker Theater als hochdramatisch an. "Es gibt keinen Generalmusikdirektor, keinen Operndirektor, keinen Schauspieldirektor und keine künstlerische Leitung mehr", sagte Präsident Jörg Löwer am Mittwoch. "Was will man jetzt mit dem Volkstheater nur machen?"

Der Hauptausschuss der Bürgerschaft hatte dem Intendanten am Dienstag nach einem umstrittenen Vergleich der Theaterpolitik des Landes mit Kulturzerstörungen der Terrormiliz IS gekündigt. Dies war der Höhepunkt einer monatelangen Auseinandersetzung um die Zukunft des Theaters. Latchinian sagte im Deutschlandradio Kultur, jeder wisse, dass der Vergleich nur ein Vorwand für die Kündigung sei. Als Grund dafür vermutete er vielmehr seinen Widerstand gegen die geplante Streichung von zwei der vier Sparten am Volkstheater. Im Februar hatte die Bürgerschaft Strukturveränderungen beschlossen. Danach soll aus dem Vier- ein Zwei-Sparten-Theater werden. Latchinian, der von 2004 bis 2014 Intendant der Neuen Bühne Senftenberg war, hatte monatelang gegen diesen Beschluss gekämpft.

Die Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins hat Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) aufgefordert, die Kündigung zurückzunehmen. "Wir missbilligen diese Vorgehensweise zutiefst", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief. Es sei offensichtlich, dass durch dieses Manöver von der eigentlichen Problematik abgelenkt werden soll. Die Theaterpolitik der Stadt führe zur "katastrophalen Zerstörung der Strukturen" des Volkstheaters. Es sei stillos, einen Intendanten unter Vortäuschung falscher Tatsachen - dem Erhalt des Vierspartenhauses - zu engagieren und diesem anschließend die Arbeitsgrundlage zu entziehen, hieß es in dem Brief. Sicherlich könnten Äußerungen Latchinians kritisch gesehen werden, doch sie stellten keinen ausreichenden Grund für eine Kündigung dar.