Und Tober witterte die Chance, ihre kleine Stadt weltberühmt zu machen - wenn Tom Hanks zum Drehen nach Döbeln kommt.
Jetzt scheint es soweit zu sein. Zumindest werden in immer dichteren Abständen Gerüchte laut, Hanks wolle das Leben des in die DDR ausgewanderten und dort 1986 gestorbenen US-Sängers und Schauspielers gemeinsam mit Star-Regisseur Steven Spielberg verfilmen - an Originalschauplätzen. Und dazu gehört der Marktplatz von Döbeln, wo Reed am 30. Juni 1973 seine zweite Frau Wiebke heiratete.
Reed, der im September 70 Jahre alt geworden wäre, wurde im US-Bundesstaat Denver geboren. Er war in den 60er-Jahren in Südamerika ein Teenie-Idol. Anschließend tourte er durch die Sowjetunion, bis er sich Anfang der 70er-Jahre in der DDR niederließ. Er war sehr volksverbunden, hatte unter anderem eine Patenschaft mit einer Klasse der 16. Polytechnischen Oberschule in der Drebkauer Straße von Cottbus. Diese Patenschaft ist damals vom Cottbuser Fotografen Gerd Rattei dokumentiert worden. Vor anderthalb Jahren waren die überwiegend 1972 entstandenen Schwarz-Weiß-Fotografien in der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus erstmals öffentlich ausgestellt gewesen. Die SED-Führung hofierte den bekennenden Sozialisten Reed als Vorzeige-Amerikaner, erst später kam es zu Ver stimmungen über die politische Linie in der DDR. Am 13. Juni 1986 starb Reed unter mysteriösen Umständen in Zeuthen bei Berlin - offenbar hatte er unter dem Einfluss von Tabletten in einem See Selbstmord begangen.
Nach der "Wetten dass . . . ?"-Sendung 2003 „haben wir sofort eine Mappe mit Fotos und alten Zeitungsartikeln zusammengestellt und an Steven Spielberg geschickt“ , erinnert sich Tober. „Es ist ja noch alles da“ , berichtete sie. Die alten Akten aus dem Standesamt existierten noch. Auch die Standesbeamtin, die die Trauung damals vorbereitet hatte, lebe noch in Döbeln.
Angeblich sollen die Dreharbeiten zu dem Film mit dem Arbeitstitel „Comrade Rockstar“ (Genosse Rockstar) in den nächsten Tagen in den Filmstudios Babelsberg beginnen. Doch eine Sprecherin der Studios gibt sich bedeckt. Davon wisse sie nichts, sagte sie auf Anfrage. Und Kulissen seien auch noch nicht aufgebaut. Es gibt überdies Spekulationen, neben Döbeln könnten einzelne Szenen auch in Leipzig gedreht werden, wo Reed 1971 während der Dokfilmwoche seine spätere Frau Wiebke kennenlernte. Die Stadtverwaltungen von Döbeln und Leipzig erklärten jedoch, es lägen keinerlei Anträge auf Drehgenehmigungen vor.
Formalien sind zumindest für Kulturchefin Tober in diesem Fall auch nebensächlich. Eine Drehgenehmigung würde Hanks in Döbeln innerhalb weniger Stunden bekommen, sagte sie. Und den Marktplatz würde man so herrichten, wie er 1973 bei der Hochzeit von Reed war. Damals waren zwar die Häuser DDR-typisch etwas grauer. „Aber zur Not würden wir die auch wieder so anstreichen“ , sagte Tober.